Die Jecken sind los!

Stadtumbau 2010- ein einziger Abriss
 
Schubverband auf der Elbe bei Breitenhagen
Dessau: Rathaus | Während am 11.11. in vielen Städten die Bürgermeister den Jecken den Rathausschlüssel aus Anlass des Beginns der närrischen Zeit übergeben haben, brauchte man dies in Dessau-Roßlau nicht. Hier hat man das Gefühl, die Jecken haben vor Jahren den Schlüssel einfach behalten und regieren seither die Stadt. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, betrachtet man das Gerangel um den zum 1. Juli 2007 gewählten Stadtnamen "Dessau-Roßlau".

In der neuen Doppelstadt wurden schon nach einiger Zeit Stimmen laut, dass der im Zusammenhang mit der Städtefusion vereinbarte Bindestrichname für die Vermarktung nicht gerade glücklich gewählt war. So denkt man auf der Dessauer Seite der Elbe seit einiger Zeit über eine Namensänderung nach und hat schon mal einen Masterplan hierzu erarbeitet. Dieser Gedanke löste am Roßlauer Elbufer sofort eine Welle lautstarken Protestes aus.

Wie aber sollte unsere gemeinsame Stadt nun heißen?

Schifferstadt Roßlau

Seit 1439 ist in Roßlau Schiffsumschlag nachgewiesen. Im Jahre 1847 wurde der erste Schifferverein gegründet. Um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhundert lebte immerhin jede dritte Familie in Roßlau von der Schifffahrt. Heute ist das nicht mehr so. Sollte man einmal Frachtschiffe auf der Elbe zu sehen bekommen, handelt es sich um Frachtschiffe aus Tschechin, ansonsten sieht man nur Passagierschiffe oder Freizeitkapitäne mit ihren schmucken Booten. Die Tradition der Schiffer existiert inzwischen nur noch im Schifferverein und wird dort von alternden Mitgliedern gepflegt.

Junkerstadt Dessau

Hugo Junkers war einmal der größte Arbeitgeber in Dessau. Sein innovatives Wirken hat die Stadt damals in ihrer Entwicklung geprägt. Inzwischen ist immer weniger von diesem Wirken zu sehen. Ein aktuelles Beispiel ist das Junkalorgebäude, das erst an einen Investor verkauft wurde und jetzt nach jahrelangem Gezerre auf Kosten der Steuerzahler abgerissen wird. Auch hier ist das Junkersmuseum bald der einzige Ort, an dem man sich über das umfangreiche Wirken von Hogo Junkers in der Stadt sehen kann.

Bauhausstadt Dessau

Anfangs der Dreißiger Jahre gingen durch die Ansiedlung des Bauhauses von Dessau weltweite Impulse für Architektur, Kunst und Design aus. An vielen Stellen in der Stadt kann man an Gebäuden und sogar ganzer Siedlungen die Grundgedanken dieses neuen Bauens erleben. Das Bauhaus gibt es heute noch. Nur dass es in der Folge des Stadtumbaus dem Bürger nicht gelingt, auch hier ein Wirken dieses Hauses zu erkennen. Das Bauhaus scheint längst zum Museum verkommen zu sein, das sich einmal im Jahr mit einem Farbfest feiert.

Abrissstadt Dessau-Roßlau

Der so genannte Stadtumbau wird vom Bürger lediglich als planloser Abriss wahrgenommen. Und Sprüche, wie "Wo Häuser weichen, wachsen Eichen", zeugen hierbei nicht gerade von Kreativität. Die dabei entstehenden Ödflächen werden den Bürgern als "Grünzug" verkauft. Dieser Pfad verläuft so planlos durch die Stadt, dass man ihn mit "Roten Pfeilen" kennzeichnen muss, von denen jedes Schild mehrere hundert Euro kostete. Kreative Lösungen beim Stadtumbau kann man sich in Leipzig, Cottbus und vielen anderen Städten ansehen, in Dessau-Roßlau Fehlanzeige.

Jetzt fällt erst einmal das Junkalorgebäude. Inzwischen ist aber schon geplant, ein Y-Haus im Zentrum abzureißen. Und fällt erst einmal ein Gebäude, kann man die beiden anderen Gebäude auch gleich entsorgen.

Da der Stadtumbau bei einigen Verantwortlichen in der Stadt nur als planloser, geistloser Abriss verstanden zu sein scheint, hier mein Vorschlag für einen charakterisierenden Stadtnamen "Abrissstadt Dessau-Roßlau".
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2 Kommentare
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Jürgen Schindler aus Dessau-Roßlau | 15.11.2012 | 19:45   Melden
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Rüdiger Schulze aus Dessau-Roßlau | 17.11.2012 | 18:31   Melden
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