Märchenhaftes aus Wörlitz

Der Nikolaus und der Ordnungshüter - ein besonderes Weihnachtsmärchen

Es war einmal - ein Nikolaus. Wie in jedem Jahr, wenn es auf die Adventszeit zugeht, hatte er viel zu tun in seinem Märchenwald, in dem er gemeinsam mit dem Weihnachtsmann lebte. Ganze Säcke, gefüllt mit Wunschzetteln der Kinder aus Nah und Fern, hatten sie zu sortieren. Und da, eines Tages, als sie gerade die Weihnachtswünsche lasen, geschah es. Eine Brieftaube flatterte herein. "Nanu, fragte der Nikolaus ganz erstaunt, wer hat Dich denn zu uns geschickt? Oder hast Du Dich nur verflogen?" Aber natürlich wusste der Nikolaus, dass Brieftauben nicht reden können, also untersuchte er sie vorsichtig und fand schnell den Brief an einem Bändchen um ihren Hals. Er war tatsächlich an ihn gerichtet! Nun musste der Weihnachtsmann allein weiterarbeiten, denn der Nikolaus hatte ja den Brief zu lesen.
"Lieber Nikolaus, aus dem auch im Winter wunderschönen Wörlitz schicken wir Dir diesen Brief, weil wir einen Wunsch haben. Wir haben einen ganz feinen Adventsmarkt aufgebaut, der so richtig weihnachtliche Stimmung verbreitet. Da gibt es leckere Sachen zum Naschen und auch vieles, was man unter den Weihnachtsbaum als Geschenk legen kann. Nur eines haben wir nicht: einen Nikolaus. Kannst Du nicht zu uns kommen?" Ein Adventsmarkt ohne Nikolaus - das geht natürlich nicht, so dachte er und machte sich flugs mit seiner schnellen Kutsche auf den Weg nach Wörlitz. Aber o weh - als er ankam, sah er voller Schrecken, dass niemand daran gedacht hatte, ihm einen Platz für seine Kutsche zu reservieren. Dicht an dicht standen sie, die blank geputzten Gefährte der vielen Gäste. Und wo sie nicht standen, hatten wunderschöne runde Schilder der Obrigkeit in den Farben der Weihnachtszeit - rot und weiß - Einhalt geboten. Niemand half ihm und es plagten ihn schon Zweifel, ob man denn wirklich auf ihn wartete. Doch ein richtiger Nikolaus ist mutig, und so stellte er seine Kutsche genau an einem solchen Schild ab. Leuchtete doch in seiner Kutsche ein besonderer orangefarbener Zettel, der ihm das gestattete, auch in Wörlitz, wie er glaubte. Dann machte er sich auf den Weg zum Adventsmarkt. Und wirklich - er fand etwas sehr Stimmungsvolles, er traf freundliche Wörlitzer und ihre Gäste, er traf artige Kinder und beschenkte sie. Doch bald musste er wieder zu seiner Kutsche zurück, er konnte doch den Weihnachtsmann nicht die ganze Zeit allein arbeiten lassen. Nanu, da flatterte doch ein kleines Zettelchen an der Kutsche, hatte da jemand noch seinen Wunschzettel angebracht? Gespannt nahm er das Zettelchen zur Hand. Und dann wusste er, dass die Obrigkeit in Wörlitz hellwach war, zumindest ein Vertreter von ihr, er nennt ihn einfach Herrn K. Der nämlich hatte wohl seine Ankunft beobachtet, die Zeit aufgeschrieben und damit einen Kandidaten gefunden, dass Stadtsäckel aufzubessern, immerhin forderte er vom Nikolaus 25 Talerchen. Der war sauer, zornig studierte er die winzige Schrift. Da half er nun den Wörlitzern, und dann das! Aber vielleicht, so tröstete er sich, war ja Herr K auch sauer, weil nicht auf den Adventsmarkt durfte und dafür für Recht und Ordnung zu sorgen hatte! Und mit einem sauren städtischen Beamten ist nicht gut Kirschen essen, der sieht dann nicht orange, sondern rot! Schnell verschwand der Nikolaus in seinem Märchenwald, freundlich gegrüßt von anderen Ordnungshütern, die seine Kutsche durch die Absperrung geleitet hatten. Sie waren zum Glück nicht sauer, sondern sehr freundlich .....
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Ralf Springer aus Aschersleben | 24.04.2016 | 22:52   Melden
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