Von Versuchsstraßen und Versuchsbrücken

  Dessau-Roßlau: Versuchsbauwerke | 

Elbaufwärts, etwas mehr als 10 Kilometer von den sogenannten Hungersteinen bzw.  dem "Wandernden“ Gemäuer der Burg Reina entfernt, ist am Elbkilometer 255 ein weiteres historisches Highlight zu entdecken. Allerdings muss man hierfür nur in die jüngere Vergangenheit reisen. Denn dort befinden sich die Reste einer militärischen Anlage aus den 1930-er Jahren, die sogenannten Versuchsbauwerke. Diese bestehen aus einer Versuchsstraße und Versuchsbrücken sowie einigen weiteren größeren und kleineren Objekten.

Dessau-Roßlau war schon seit je her auch eine Garnisonsstadt, aber insbesondere die deutsche Wehrmacht baute Dessau-Roßlau zu einem Militärzentrum aus. Und auch nach den 2.Weltkrieg hörte die militärische Nutzung nicht auf. Die Vielzahl ehemaliger Kasernen sowie weiterer militärischer Anlagen im Stadtgebiet (u.a. auch nicht so bekannte Objekte wie ein Luftschutzbunker im Waldstück unterhalb des Landschaftsparks Großkühnau, eine Schießanlage im Waldstück Bocksfichten an der Landstraße in Richtung Aken, eine vermutlich von der Roten Armee genutzte Siedlungsfläche an der Grenze zwischen Großkühnau und Aken gegenüber vom „Prinzenstein“, auf der Rosslauer Seite eine direkt in die Elbe führende Straße – wohl zum Üben der Flussquerung) zeugen von dieser Zeitspanne bis ins Jahr 2007, als die letzten Soldaten die Stadt verließen.

Aber zurück zu den Versuchsbauwerken: Zunächst die Versuchsstraße, auf einem Damm im Rosslauer Oberluch gelegen, ist ca. 800 Meter lang und über 6 Meter breit. Verlegt wurden Groß- und Kleinsteinpflaster sowie Katzenkopfpflaster, unterbrochen von einigen Betonplatten. Sie diente insbesondere der Testung, welcher Straßenbelag und welche Bauweise am besten geeignet ist, um von Kettenfahrzeugen befahren zu werden und gleichzeitig auch das Kettenmaterial zu schonen. Eine große Holzbrücke soll sich noch gleich am Anfang des Dammes befunden haben, wurde aber schon bald wieder wegen Baufälligkeit abgerissen.

Richtig interessant wird es am Ende der Versuchsstraße. Hier schließen sich die Versuchsbrücken an. Es handelt sich um 11 hintereinander liegende Brückenbauwerke unterschiedlichster Ausführung. Dabei sind sowohl die für das 20. Jahrhundert typischen Brückenkonstruktionen mit Überbauten aus genieteten Eisenträgern als auch Stahlbetonbrücken. Leider sind die Brücken teilweise baufällig und deshalb zur Sicherheit abgesperrt. Trotzdem bilden sie eine sehr imposante Kulisse in der Landschaft.

Die Versuchsbrücken dienten zur Erprobung der Belastbarkeit der Konstruktionen, aber auch zur Prüfung der Sprengbarkeit und zum Aufzeigen von Schwachpunkten in der Brückenkonstruktion, um diese Stellen für eine Zerstörung nutzen zu können.

Danach wird die Militärstraße, nun schon in Elbnähe, weitergeführt zu einer Pontonanlegestelle. Hinter den Versuchsbrücken ist noch ein beeindruckender gemauerter Wall mit kasemattenartigen Auswölbungen zu sehen. Hier kann man sich militärische Pionierübungen zur Einnahme von Festungswerken regelrecht vorstellen, die dann wohl später im 2.Weltkrieg an der französischen Maginot-Linie und in der Heldenfestung Brest-Litowsk das nötige Rüstzeug für die Soldaten lieferten. Denn es gab wohl kaum einen Pionier in der Wehrmacht, der nicht in Roßlau eine Zeit lang dienen musste.

Heute gehört das Gebiet zum Biosphärenreservat Mittelelbe. Geschlitzte Hochwasserdämme zeugen davon, dass der Natur der Raum wieder zurückgegeben wird. Und so werden auch nach und nach die Spuren der militärischen Nutzung im Rosslauer Oberluch wieder unkenntlicher werden. Völlig verschwinden werden sie wohl allerdings erst nach langer Zeit.    

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