Erklären Sie uns die Welt, Herr Platzeck ... (2)

wie vor
2. Teil
Vergleich: http://www.mz-buergerreporter.de/dessau-rosslau/ra...


"Und es gibt keinen neuen Deichgrafen, der uns aus dieser Situation herausführt.
Oder warum haben Männer wie Putin, Trump, Erdogan, Strache und Frauen wie Le Pen und Petry einen solchen Zulauf?" (J. Wolf) *

" Ich glaube, dass für viele Menschen in Deutschland, aber nicht nur in Deutschland, die Demokratie mit ihren Abläufen zu unüberschaubar, zu kompliziert, zu nervend geworden ist -und oft auch auf den ersten Blick mit zu wenigen Ergebnissen behaftet. Demokratie als tägliche Aufgabe wird immer kompliziert sein. Sie hat sich ja zum Ziel gesetzt, unterschiedliche Interessen nicht mit Gewalt, sondern durch Diskussionen und Kompromisse zu
lösen. Das ist nun mal schwierig. Zweitens: Wir haben aber auch, von der kommunalen Ebene bis hinauf zur Europäischen Union, durch zu viel Verwaltung, zu viele Verordnungen und Regelungen zugelassen, dass für Otto Normalbürger Prozesse immer undurchsichtiger wurden. Immer alle Interessen zu berücksichtigen, das kann und wird nicht gehen! Da kann es passieren, dass sich an einem bestimmten Punkt - und da sind wir jetzt - Menschen abwenden und vermeintlich einfache Lösungen suchen. Nach dem Motto: Schluss mit dem Streit und der Debatte, jetzt wird gehandelt!" (M. Platzeck) **

"Sind wir manchmal zu/ forsch dabei, anderen Ländern zum Beispiel in Afrika oder im Nahen Osten einfach unser demokratisches Modell überzustülpen?" (Wolf)

" Ich glaube, da müssen wir gar nicht bis nach Afrika gehen, da reicht es schon, unser schwieriges und schlechtes Verhältnis zu Russland zu betrachten. Man muss sich schon fragen, ob es nicht ein Kernfehler unserer Herangehensweise ist, dass wir immer und überall davon ausgehen, wir sind im Besitz der letzten Weisheit, wir haben das beste System, wir haben die besten Abläufe, und jetzt müssen alle anderen dringend so werden, wie wir sind! Wir berücksichtigen dabei nicht, dass andere Kulturen, andere Traditionen, andere Mentalitäten vielleicht zu anderen Schlüssen und Entwicklungswegen kommen. Allerdings darf dies nur unter Beachtung der grundlegenden Menschenrechte und Menschenwürde erfolgen. Das möchte ich ausdrücklich betonen. Aber unter dieser Prämisse gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, Gesellschaft zu organisieren." (Platzeck)

"Abseits des demokratischen Modells?" (Wolf)

"Ich sage mal so, es wird nicht alles nach der reinen Lehre ablaufen. Wir sind ja da übrigens sehr selektiv: Wir sind in manchen Fällen sehr, sehr kritisch, in anderen Fällen, wie z. B. in Saudi-Arabien, die uns deutlich ferner sind von den demokratischen Vorstellungen her, sehr viel nachsichtiger." (Platzeck)


*Jochen Wolff, 66, und Matthias Platzeck, 62, beim herzlichen Wiedersehen am Templiner See

**Platzeck war elf Jahre lang Ministerpräsident von Brandenburg. Heute ist er Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung


Quelle:
SUPERillu Nr. 24.2016

/Wird fortgesetzt)
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