"Vater unser ...!"

Campus der MLU Halle-Wittenberg
 
im Lindenhof der Franckeschen Stiftungen
"Vater unser ...!"

Mit dem Vaterunser und dem hebräischen Kanon "Schalom schaverim" * endete der Reisesegen anlässlich unseres Absolvententreffens am 17. und 18.10 2012 in Halle (Saale) im Jahr des 50. Jubiläums.

Um das Vaterunser geht es auch im zweiten Teil einer Predigt **, die Friedemann Steiger den anderen Teilnehmern des Treffens schenkte.

Darin heißt es wie folgt:

Liebe Mitkonfirmanden! Ihr habt sicher ähnliche oder auch ganz andere Erinnerungen an das alte Gebesee. Ihr seid Euren Lebensweg gegangen. Ihr habt vieles von dem, was in dem Schriftwort aus dem Alten Testament gesagt wird, selbst erlebt oder in Eurem Lebensbereich erfahren. Ich wünsche Euch, dass Ihr nicht nur auf die Zeit in Gebesee (mancher ist ja auch am Ort geblieben) freundlich zurückschaut, sondern Euer ganzes Leben in Dankbarkeit überblicken könnt.
Wie kann das geschehen? Ich habe mir in meinem Leben immer Mühe gegeben, an das anzuknüpfen, was alle Menschen bewegt. Jesus hat das im Vaterunser auf geniale Weise aufgenommen. Dazu möchte ich Euch jetzt noch einige Gedanken sagen:

Alle Menschen nehmen etwas wichtig.

Die Fragen sind klar: Was habt Ihr wichtig genommen? Das Geld? Den Besitz? Die Arbeit? Die Familie? Den Einsatz für die Gesellschaft? Ich glaube, vor allem ist wichtig, dass wir unser Leben als ein Geschenk verstehen. Wie kommen wir dazu? Etwas wichtig nehmen heißt, es heiligen: den Namen Gottes zu heiligen, ihn aussprechen, "geheiligt werde dein Name!" Wenn wir das sagen, werden wir von unseren alltäglichen Ärgernissen weggelenkt auf den eigentlichen Sinn unseres Lebens: wir sollen es als ein Geschenk verstehen.

Alles Menschen sehnen sich nach etwas!

Wie war das in Eurem Leben? Haben sich alle Eure Wünsche erfüllt? Seid Ihr zufrieden mit dem, was Ihr erreicht habt? Ich finde, in jeder Sehnsucht steckt der Wunsch, das Reich Gottes, also eine gerechte und glückliche Welt, möge in Erfüllung gehen und sich ereignen. Darum: "dein Reiche komme".

Alle Menschen protestieren.

Wir auch; wir protestieren gegen die Zustände dieser Welt, wir stellen unsere Fragen: müsste Gott, wenn es ihn gäbe, nicht eingreifen in die Torheiten und Dummheiten der Menschen? Wie kann Gott das alles zulassen? Vor allem, wie kann er zulassen, dass wir Menschen an der Gier zugrunde gehen? Wir protestieren und sagen "dein Wille geschehe!" Wir protestieren also gegen Gott und bitten ihn darum, doch seinen Willen geschehen zu lassen.

Alle Menschen sorgen sich.

Das war es doch, was unser Leben ausgefüllt hat: "Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon da!" Wir sorgten uns von früh bis spät, und doch haben die Sorgen unser Leben kaputtgemacht. Die Sorge um das tägliche Brot hat uns so sehr ausgefüllt, dass wir an nichts anderes mehr denken konnten. Jesus sagt uns: "Sorget nicht! Kümmert euch um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit."
Wichtiger als das tägliche Brot ist das tägliche gute Wort; das bleiben wir uns oft schuldig. Es kann uns und unseren Nächsten froh machen. Das alles ist in die Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute!" eingeschlossen.

Alle Menschen fühlen sich schuldig.

Ist das so? Fühlt ihr euch schuldig, wenn ihr an Euer Leben denkt? Wir haben es doch so gut wie möglich zu leben versucht. Wir haben uns an die zehn Gebote gehalten. Wir haben unsere Arbeit gemacht, uns etwas geschaffen, haben Freude an unserer Familie gehabt; wir haben uns in die gesellschaftlichen Zusammenhänge eingebracht; freilich war mancher etwas zu eifrig. Es wird auch heute noch von Versöhnung gesprochen. Das ist sicher richtig. Ich habe mich da in eine offene Diskussion hineinbegeben. Meine Rede war immer: "Bei den Menschen bleiben!" So habe ich die Menschen begleitet; habe versucht, ihnen in ihren Freuden und Nöten
beizustehen, besonders angesichts des Todes. Ich habe versucht sie zu lehren, dass die wichtigste Bewegung die "Vom Tod zum Leben" ist; und mich bemüht, sie in diese Bewegung hineinzunehmen. Ihr werdet ähnliche oder andere Wege gegangen sein.
Wenn ich aber die Überschrift über die 10 Gebote ansehe: "Ich bin der Herr, dein Gott!", dann müssen wir uns alle schuldig fühlen; denn danach zu leben, ist uns allen schwer gefallen. Wir können da nur um Vergebung bitten.

Zuletzt: Alle Menschen haben Angst. Erlöse uns von dem Bösen!

Das ist eine dringliche und eindrückliche Bitte. Das Böse umgibt uns. Das Böse ist in uns. Es ist wie mit den Händen: wir können sie zum Guten und zum Bösen gebrauchen; und da die Technik die verlängerte Hand des Menschen ist, führt uns das Nachdenken darüber in die Probleme unserer Welt. Wir hier in Deutschland durften in einer Periode des Friedens leben. Das hat es in der deutschen Geschichte noch nie gegeben, dass eine so lange Zeit ohne Krieg verging. Auf unserer Erde aber gab es in dieser Zeit etwa 500 Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen.
Das Böse aber breitet sich darüber hinaus aus in Form von Krankheiten, Gier, Neid, Machtdenken, Rechthaberei, Geltungssucht, Besitzdenken und vieles andere mehr. Wir sind, auch wenn wir das alles wissen, doch eingebunden in die Strukturen dieser Welt, und wir müssen uns jeden Tag neu zum Guten motivieren. Darum die Bitte des Vaterunsers: "Erlöse uns von dem Bösen!"


* Schalom chaverim, schalom chaverim, schalom, schalom,
lehitraot, lehitraot, schalom, schalom.


Der Friede des Herrn geleite euch, Schalom, Schalom.
Der Friede des Herrn geleite euch,
Schalom, Schalom.

** Friedemann Steiger, Predigt anlässlich der Diamantenen Konfirmation
des Jahrgangs 1952 in Gebesee am 22.4.2012 (Bibeltext: Prediger 3)
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3 Kommentare
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Frank Motzki aus Halle (Saale) | 22.11.2014 | 11:17   Melden
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Hartmut B aus Dessau-Roßlau | 24.11.2014 | 18:52   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 26.11.2014 | 04:54   Melden
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