Stolp in Pommern - Junkers Luftbild 14709

Luftbild 14709, Töpferstad 26, großes Gebäude mit hellem Giebel auf der Straßennordseite
 
Töpferstadt oben im Bild!
Im Jahr 1938 in Stolp in Pommern geboren, habe ich die meiste Zeit der acht Jahre bis zum Verlassen der Stadt im Sommer 1946 in der Töpferstraße Nr. 26 gewohnt.

Am 7. März 1945 gingen wir mit Handgepäck zu Bekannten in die nahe Schulstraße 4, wo wir am nächsten Tag die Besetzung der Stadt durch die Rote Armee und dann die Zerstörung unserer Wohnung wie die vieler Gebäude Stolps durch Brandstiftung erlebten. Von unseren Sachen haben wir nur noch Geschirr-Reste im Eingang des zerstörten Hauses wiedergesehen.

Als ich die Stadt 25 Jahre später 1971 zum ersten Mal wiedersehen konnte, hatte sich nicht nur in der Töpferstadt viel verändert. Seitdem bin ich auf der Suche nach Überbleibseln meiner Heimatstadt wie erhalten gebliebenen Gebäuden und Anlagen, historischen Aufnahmen, Büchern, Stadtplänen u. a.

Das Junkers Luftbild 14709 von 1930 spielt für mich deshalb eine besondere Rolle, weil auf ihm wie sonst nirgends die Töpferstadt Nr. 26 und die nähere Umgebung wie zu meiner Zeit dort abgebildet ist.

Bis zur Herzogsbrücke über die Stolpe in Richtung Stadtzentrum waren nur wenige hundert Meter zu laufen.
In entgegengesetzter Richtung ging die Töpferstadt in die Danziger Straße über, die die Stadt in östlicher Richtung verlässt.
Fast neben der Töpferstadt Nr. 26 mündet die Quebbe(nstraße), aus der damals die Straßenbahn in die Töpferstadt einbog, um sie am Sandberg in Richtung südlichen Stadtausgang wieder zu verlassen und umgekehrt. Ihr Quietschen beim Einbiegen habe ich noch immer im Ohr.
Benutzt haben wir sie wohl besonders dann, wenn wir zur Oma oder den anderen Verwandten in die Bahnhofstraße wollten.
Von der Quebbe zweigt die Schulstraße ab, die hinter der 2. Gemeindeschule bis zur Wilhelmstraße geht, durch die die Straßenbahn dem Stadtzentrum entgegenfährt.
Vor der Herzogbrücke biegt man von der Töpferstadt zu den Mühlen von Kaufmann & Sommerfeld ab, hinter dem Fluss ebenfalls in südlicher Richtung zum Wiesenbad, an das ich mich vor allem noch wegen des Geruchs der Hölzer nach Karbolineum gut erinnere.
Die früher einmal schiffbare Stolpe durchfließt die Stadt in nördlicher Richtung und mündet nach etwa 17 km in die Ostsee mit schönem Badestrand.
Von Ausflügen mit dem Vater her war mir auch noch der Waldkater, das Naherholungszentrum östlich der Stadt ein Begriff.
Petrikirche, Krankenhaus sowie die Kasernen des Sandbergs habe ich erst später näher zu sehen bekommen.
Nur die damals schon katholische Kirche muss noch extra erwähnt werden, weil die genau gegenüber unserem Küchenfenster stand, und das Läuten ihrer Glocken nicht zu überhören war.

Die Wohnung teilten sich meine Eltern mit zwei Kindern mit den beiden unverheirateten Schwestern meiner Mutter. Nicht nur für die Schneiderin spielte die Nähmaschine eine wichtige Rolle, sondern auch beim gemeinsamen Singen. Mitgesungen wurde auch, wenn Militär mit Musikkapelle durch die Töpferstadt marschierte, bei Gelegenheit auf den Schultern des Vaters am Fenster, wenn er gerade mal da war.
In der Küche wurde der Aal am Wasserhahn befestigt, um ihn abzuziehen und anschließend zu braten.
Milch durfte ich mit einer kleinen Henkelkanne auf der anderen Straßenseite holen.

Es muss wohl schon gegen Kriegsende gewesen sein, dass die Fenster wegen der Flieger verdunkelt werden mussten und wir bei Fliegeralarm beim Anziehen vor Aufregung mit den Zähnen klapperten, bevor es in den Keller ging.
Nicht ganz vergessen ist der Volksempfänger und das Wachestehen an der Wohnungstür, wenn die Tante heimlich BBC-Sendungen hören wollte. -
Ach, eingeschult wurde ich noch im September 1944. Nach einem Vierteljahr war allerdings schon Schluss, da der Lehrer zum Volksturm musste.
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 26.02.2015 | 11:46   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 26.02.2015 | 12:33   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 26.02.2015 | 13:23   Melden
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