„Und alle zusammen: FREIHEIT, FREIHEIT…!“

Goslar: Lutherstadt Eisleben |

Sich verselbstständigende Kunst






Ich sitze in meinem Auto und höre im Radio den Titel „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen. Viele dieser Wendesongs schallen mich auf meiner Fahrt an. Ich mache mir Gedanken:
Waren die Westmusiker zu dieser Zeit so schnell besonders kreativ?
Gab es Ost Songs, die von der Wende handelten?
Zur Wendezeit hatte ich diese entweder nicht gehört, oder aber mein Fokus war auf die neuen Dinge gerichtet. Ich weiß es nicht mehr.
Daheim, mir gingen meine Fragen nicht aus dem Kopf, recherchierte ich.
Der Text aus dem Lied von Westernhagen passte genau auf die Wende. „Die Verträge sind gemacht…“
„… sollen tanzen auch auf Gräbern“
Sehr stimmig.
Es war anders! Westernhagen schrieb diesen Song, inspiriert von den Worten eines Ortsführers in Frankreich („… sollen tanzen auch auf Gräbern“) den Song „Freiheit“, veröffentlichte diesen 1987 auf einem Album. Der Song fand recht wenig Beachtung. Nur die Fans kannten ihn.
1989 sollte dieses Lied eine ganz andere Bedeutung finden. Überall hört man diesen Song, meist in der Live-Version, bekommt Gänsehaut, wenn das gesamte Stadion „Freiheit“ singt. Es geht unter die Haut, denn jetzt verbindet eine ganze Nation eigene Emotionen mit diesem Song, den Westernhagen eigentlich unter einem ganz anderen Beweggrund schrieb.
In diesem Zusammenhang kommt mir Udo Lindenberg in den Sinn. Zu DDR-Zeiten lag ein suggerierter, böser Schatten auf seinem Tun. Wir Jugendlichen machten uns die Mühe, die Texte, welche mich sehr ansprachen, genau zu hören. Lindenberg besingt noch heute Episoden seines Lebens, aber auch gesellschaftskritische Lieder, oder aber er mahnt uns, mit der Natur besser umzugehen. Manchmal schwer zu verstehen, macht er keinen Hehl aus seiner Alkoholsucht, was ihm oft ein Nasenrümpfen einbringt, obwohl auch Deutschland heute noch zu den Großmächten in der Alkoholstatistik gehört. – Wenigstens was!
In seinem Song „Mädchen aus Ostberlin“ besingt er die Liaison zu einem Mädchen und die wenigen Möglichkeiten des Lebens der Liebe, eingeengt durch die auf diktierten Reiseregeln. Das war im Jahr 1973!!! Der besungene Wunsch nach Freiheit sollen noch viele Jahre auf sich warten lassen.
Aber auch DDR-Gruppen schrieben schon 1987 Songs mit gesellschaftskritischem Inhalt, dem Wunsch nach Kampf und Freiheit. Hier fallen mir City ein, die bereits 1987 sangen: „Wenn du lachst, klingt es auch herüber wie aus einem anderen Land/Wand an Wand“, oder aber im gleichen Jahr von der Gruppe Karussell der Song: „Als ich fortging“

Nun sitze ich hier und überlege. Der Wunsch nach Freiheit und Mauerfall war schon so lange präsent. Er wuchs und wurde größer, bis dieser Wall durch das tiefe Bedürfnis der Menschen nach Entwicklung bröckelte und einfiel. Das war der 9. November 1989!
„Und alle zusammen: FREIHEIT!“

Lindenberg: "Mädchen aus Ostberlin"

Westernhagen: "Freiheit"
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
1 Kommentar
955
Jacqueline Koch aus Eisleben | 10.11.2014 | 07:48   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.