Bin ich glücklich? – Lesestoff für graue Wintertage

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Buchrezension: Francois Lelord: "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück", erschienen im Pieperverlag


„Es war einmal ein junger Psychiater,…“ beginnt Francois Lelords Geschichte.
Möge der Leser jetzt denken, er halte ein Märchenbuch im Taschenbuchformat in den Händen, so wird er enttäuscht sein.
Ist es märchenhafte Utopie, die Lelord dazu trieb, sich dieses Themas anzunehmen?
Ich maße mir einmal an zu behaupten, dass jeder von uns sich schon mindestens einmal die Frage gestellt hat, ob er/sie denn wirklich glücklich sei, oder wann er/sie es endlich sein dürfe. Warum erscheinen andere Menschen so glücklich, und vor allem, sind sie es wirklich?
Warum kann ich nicht immer glücklich sein?
Eine Reihe spannender Fragen!
Hector, der Held dieser amüsanten aber auch sehr tiefgründigen Geschichte, ist ein junger Psychiater, welcher intellektuell durch seine runde Brille schaut und den Menschen, die zu ihm kommen, mit wirklichem Interesse zuhört. Er versucht die Sorgen der Menschen zu verstehen, ihnen Hilfe zu sein.

Immer häufiger kommen Menschen in seine Praxis, die ihm erzählen, wie unglücklich sie seien, obwohl Hector glaubt, sie eigentlich gar keinen Grund zu diesem Gefühl hätten.
Zunehmen merkt Hector, dass auch er nicht richtig glücklich ist. Er bemerkt, dass er immer weniger helfen kann und stellt sich selbst die große Frage nach dem Glück.

Wer jetzt wieder denkt, er halte ein psychologisches Fachbuch in den Händen, in welchem im Fachchinesisch explizit ein Rezept zu erlesen ist, um bis ans Ende seiner Tage durchweg glücklich leben zu können, ist falsch gewickelt.

Hector, der putzige Psychiater beschließt, eine Weltreise zu unternehmen, obwohl seine Praxis in einer französischen Stadt gut gefüllt ist, sich dem Thema zu widmen.
Er begibt sich auf die Suche nach dem Glück!

Bewaffnet mit einem Notizbuch macht er sich auf den Weg.
Ich möchte an dieser Stelle einfach nichts verraten!
Kurzweilig geschrieben nimmt der Leser an dieser Reise teil und erlebt witzige, aber auch nachdenklich stimmende, ebenso gefährliche Unternehmungen, trifft auf viele Menschen unterschiedlicher Kulturen und erfährt ganz unterschiedliche Betrachtungsweisen über das Glück.
Hector erlebt sehr viel, hat manchmal ungeheuerliches Glück ganz elementarer Natur, was die Geschichte immer wieder spannend gestaltet.

Ich legte das Buch manchmal zur Seite, um fester nachdenken zu können, dann gab es Episoden, bei welchen ich laut lachend auf meinem Balkon saß und meinen Nachbarn sicher Blicke der Verwunderung verschaffte.
Ich vermochte es, schnell in die Geschichte abzutauchen und fand es unheimlich schade, das Buch aus der Hand legen zu müssen, oder aber zu spüren, dass es immer weiter gen Schluss zuging.
Auf der letzten Seite war ich, das muss ich ehrlich zugeben, ein wenig unglücklich!

Das ist gar nicht nötig!
Francois Lelord, 1953 in Paris geboren, studierte Medizin und Psychologie, wurde Psychiater.
1996 schloss er seine Praxis, um sich und seinen lesern die wirklich großen Fragen des Lebens zu beantworten, und bis 2004 Personalabteilungen von Unternehmen und Institutionen in den Bereichen Arbeitszufriedenheit und Stress zu beraten.
Seit 2004 praktiziert er als Psychiater in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Lelord ist mit einer Vietnamesin verheiratet und lebt seit 2008 jeweils ein halbes Jahr in Paris und Bangkok.


Lektion Nr. 12: Glück ist schwieriger in einem Land, das von schlechten Leuten regiert wird.“ – aus Hectors Reise.


Bislang publizierte er fünf Romane um den Psychiater Hector. Diese fanden enormen Anklang in Frankreich, standen wochenlang auf Bestsellerlisten, erschienen in 14 Ländern.
In Deutschland wurden mehr als 1,5 Mio. Exemplare seiner Hector-Romane verkauft. Mehr als in Frankreich.
So schnell sollte also der kurzweilige Lesestoff nicht ausgehen und ich bin mir sicher, dass ich diesen Roman nicht das letzte Mal in den Händen hielt.


Neulich stieß ich auf das Hörbuch zum Roman. Ich konnte nicht wiederstehen, denn besonders in den Wintermonaten finde ich es kuschlig, abends, die kalten Füße mit dicken Socken versorgt, auf den Ohren die großen Kopfhörer, in der Nackenrolle unter der Bettdecke zu verschwinden und der Geschichte zu lauschen.
Diese ist sehr ruhig, scheinbar emotionsfrei vorgetragen. Den Esprit erhält diese durch die eigentliche Handlung. Es bedarf also keiner zusätzlichen sprachlichen Technik, den Hörer zu bannen.
Für mich zwei Möglichkeiten, dem Wintergrau zu entfliehen und ich verspreche, Hectors Reise vermag es, uns aus dem winterlichen Grau Deutschlands zu entführen. Zumindest für den Moment.
Somit sind Leseratten und –muffel gleichfalls befriedigt und nach dem Lesen oder Hören dieser grandiosen Geschichte garantiert glücklich!
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