Der innere Garten (Michaela Huber)

Lutherstadt Eisleben: Marktplatz |

Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung



„In mancher Hinsicht gleicht die Entwicklung des Gehirns dem Gedeihen eines Gartens: In beiden Fällen kann leicht eingehen, was nicht wächst, und was wachsen will, muss hier wie dort um Nährstoffe und Platz konkurrieren. Das Gehirn tut also gut daran, mit seinen Ressourcen sparsam umzugehen und die Wachstumsfaktoren vor allem dort einzusetzen, wo sie am Dringendsten nötig sind zur Pflege von Verbindungen, di entweder gerade neu entstehen oder häufig in Gebrauch sind und daher besonders wichtig erscheinen“ (Stefan Klein, 2002)

Ich halte ein Buch in den Händen. Mein Buch! Dieses Buch habe ich schon einige Male gelesen. Immer dann, wenn ich der Meinung war, es müsse sich etwas ändern – also muss ich etwas ändern.

Die erste wichtige Erkenntnis: Der entscheidende Handlungsimpuls muss von einem selbst ausgehen. Und dann?
Ich schaue auf den Umschlag des Buches. Es ist nicht, wie vielleicht mancher vermuten mag, ein Botanisches Lehrbuch, nein, es ist für mich ein kleines Arbeitsbuch auf dem achtsamen Weg zur persönlichen Veränderung.
Viele Menschen, in denen ein solcher Gedanke kreist, wissen zunächst nicht einmal, ob sie nur ein Laster loswerden wollen oder ein anderes „Symptom“ verändern – oder noch vielmehr, möglicherweise sogar ein ganz neues Leben beginnen wollen. Sich wieder einmal richtig zu engagieren; etwas Neues lernen; aus dem Hamsterrad aussteigen; was immer es auch sei.
Jeder Mensch hat im Verlaufe seines Lebens einiges erlebt. Schönes, nicht so schönes. Genau das ist es, was uns zu diesen Menschen macht, die wir eben sind. Oft hat unsere Persönlichkeit so viel damit zu tun, im normalen Leben zu funktionieren, sich in der Gesellschaft einen Platz zu schaffen. Oft wurden hier wichtige Ressourcen abgekapselt, erscheinen für uns unzugänglich, ja schlichtweg nicht vorhanden.
Oft geraten wir in den Zustand des Verharrens, in die erlernte Hilflosigkeit.
Einer der Gründe für die Entwicklung erlernter Hilflosigkeit ist – neben belastendenden Lebensereignissen – schlicht die Tatsache, dass viele Menschen verlernen, sich auch mit den „hinteren Regionen“ ihres Gehirns zu beschäftigen und sich darum zu kümmern, früher Gekonntes und anfänglich Gelerntes weiter zu entwickeln. Und das rumort als „latentes Grummeln“ dann so hartnäckig im Hintergrund der Psyche, dass wir es im Alltagsbewusstsein nur als Ambivalenz oder Widerstand empfinden. Und das, was da grummelt, ist immer wieder aufs Neue: Angst. Je weiter sie unterdrückt wird, desto existenzieller fühlt sie sich an: „Ich schaffe das nicht!“ kann sich im schlimmsten Falle wandeln in ein „Ich schaffe das Leben nicht.“ (1)




Wie aber aus dieser resignativen Haltung und der Erlernten Hilflosigkeit herausfinden?
Stefan Klein, einer der jungen Neurowissenschaftler weist nachdrücklich darauf hin: „Es ist uns keineswegs von Geburt an gegeben, wie viel unser Gehirn verrichten kann. Wir können seine Fähigkeiten steigern, aber auch zerstören. Denn wie Muskeln brauchen auch die grauen Zellen ständiges Training, damit sie in Form bleiben. Talente, die wir nicht fordern, verkümmern. Das gilt für alle Leistungen des Gehirns: Wie das Tippen auf der Schreibmaschine, den fließenden Umgang mit der englischen Sprache oder der Genauigkeit unserer Wahrnehmung, so können wir auch unsere Fähigkeit zum Glück trainieren“ (Klein, Stefan (2002). Die Glücksformel oder Wie die guten Gefühle entstehen, Reinbeck: Rowolt)





Das Buch lag noch immer vor mir.
Ich wurde neugierig!
Mich empfingen herzlich geschriebene, gut verständliche Zeilen, leicht. Mit immer wieder zu den Übungen einladenden Worten beschreibt die Autorin den Weg zur persönlichn Veränderung, zum Erkennen und Annehmen dessen, was viele von uns verborgen in sich tragen. Eine Vielzahl von Übungen der Imagination, aber auch bildliche Übungen machen dieses Buch sehr lebhaft.
Der Leser kann selbst entscheiden, ob er erst lesen möchte und sich dann vielleicht auf die auf der CD befindlichen Übungen einlassen möchte, oder aber dem Kapitel entsprechend die Übungen durchführen möchte.
Wichtig wäre, dass der Leser bereit und vor allem in der Verfassung ist, imaginative Übungen durchzuführen.
Das Textlayout ist so übersichtlich gestaltet, dass man nicht durcheinander gerät. Eine angenehme Schriftgröße und eine hervorragende Auswahl des Papiers vollenden es wirkungsvoll.
Ich war begeistert zu erfahren, wie viel Fantasie ich besitze. Nach und nach wurde ich offener. Je freier meine Gedanken flossen, desto mehr Bilder schossen mir durch den Kopf. Ich erwischte mich immer häufiger beim Führen von inneren Monologen. Diese Selbstgespräche gingen mit inneren Bildern einher.
So verarbeitete ich zurückliegende Dinge, sortierte und ordnete sie.
Ich war immer mehr Regisseur meines ganz eigenen inneren Filmes.

Vor mir lag keine Bibel und auch kein Allheilmittel. Ich halte es immer noch für sehr wertvoll, denn ich merkte zunehmend, dass mir diese Übungen halfen, Ressourcen zu wecken. Ich hatte das Gefühl, dass sich viel von meinem Durcheinander durch die einfühlsamen, tröstenden und anleitenden Worte vom Kopf wieder auf die Füße stellten.
Die Antworten stecken in uns selbst. Wir müssen sie nur finden. Genau dabei ist Michaela Huber eine brillante Wegbegleiterin.


(1) Huber, Michaela, Frei, Pauline C. (2009). Von der Dunkelheit zum Licht: Trauma, Krankheit und Todesnähe überwinden. Paderborn: Jungfermann. S. 141, 142
5
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
2 Kommentare
3.634
Gisela Ewe aus Aschersleben | 16.08.2016 | 21:26   Melden
2.072
Hildegard Stelzig aus Sangerhausen | 17.08.2016 | 11:52   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.