Lesen tut doch heute sowieso keiner mehr

Bald geht es wieder nach Leipzig zur Buchmesse. Und ich habe mir einige Gedanken zum Lesen gemacht. Hier das Essay von mir und mit den tollen Dingen, die es ohne das Lesen nicht gäbe. Eine Hommage an das Lesen und an die Bücher selbst.

Lesen tut doch heute sowieso keiner mehr. Kann man fast denken.
Wenn ich im Bus sitze, sehe ich mit meinem Buch sehr außerirdisch aus.
Da ich der mit Einzigste bin, der liest.
Alle starren in dieses Smartphone und nicht mehr in ein gedrucktes Buch.
Vielleicht noch ein eReader. Doch heute doch ehrlich kein Buch mehr!
Moment mal!? Das verstehe ich nicht.
Die Leipziger und auch die Frankfurter Buchmesse locken Hunderttausende Besucher an - ob alt oder auch jung.
Bei den Jüngsten nimmt der Anteil der Lesenden zum Glück den Freizeit- und Bildungsstudien nach zu.
Und in der Schule wird auch im Literatur-Unterricht viel gelesen - doch oft nicht das, was die Neugier und Begeisterung der Jugendlichen weckt.
Im Konglomerat mit Leistungsdruck - ja, du musst das Buch lesen, auch wenn es Dir nicht gefällt - verlieren die jungen Menschen leider oft die Lust am Lesen.
Und wenn man auf die Deutschkompetenz der Menschen in den Alphabetisierungs-Studien schaut, steht es um die Lesekompetenz weniger gut: "7 Millionen können nicht richtig lesen und schreiben", so der Kanon des Bundesverbands für Alphabetisierung und Grundbildung.
Und das Lesen hat es nicht leicht in der Erwachsenenwelt: es ist ein Metier der hohen Intellektuellen, der Bücherwürmer und der Freaks. Heißt: Mit Buch sieht man seltsam aus.
Anders herum ist das Lesen wohltuend: dies bestätigen Psychologen in vielen Studien. Denn wer liest, hat eine bessere emotionale Kompetenz und ein besseres Mitgefühl. Und mehr bildliches Vorstellungsvermögen, da Lesen sehr gut die Fantasie anregt.
Und die Bildungsstudien bescheinigen Lesenden bessere Sprachkompetenz und auch eine bessere sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie auch einen weit größeren Wortschatz.
Und das Lesen ist selbst auch ein Lebensinhalt: viele mit ihrer Lebenserfahrung schreiben diese auf und lassen andere teilhaben und so kann man zum Autor seiner eigenen Lebensgeschichte und generell zu seinem Leben sein.
In der Bibliotherapie arbeiten Menschen mit dem Schreiben, um ihre Biographie in einem stimmigen Kontext mit sich zu bringen - um Traumata und schwere Lebensereignisse anders zu sehen, um diese besser zu integrieren.
Um Integration kommt das Schreiben nicht vorbei: wie die Zeitschrift Ohrenkuss, wo Menschen mit Down-Syndrom sehr eindrückliche und auch lyrische Texte verfassen.
Und das hilft gegen Vorurteile: denn gerade den Menschen mit Beeinträchtigung spricht man oft die vor allem sprachliche Kompetenz ab.
Und im Schreiben liegt ein großer Reichtum: vom Ich zum Wir.
Leider muss man sagen, dass man als Autor ganz schön klappern muss, um gelesen und wahrgenommen zu werden.
Wenn man nicht den Weg zur Selbstveröffentlichung geht, muss man in den sozialen Medien aktiv sein. Oder einen großen Freundeskreis haben.
Denn sonst bleibt man oft mit seinen Texten allein. Ist leider so in der Literatur-Landschaft hier in Deutschland.
Und ein Autorenvertrag ist schon wie ein Sechser im Lotto.
Doch auch im Kleinen hilft das Lesen und Schreiben: für einen Lesenden ist es ein Blick in ein anderes Leben und der Schreibende findet sich selbst und drückt sich aus.
Wie sagte Karl May so schön vor über 100 Jahren: "Wer liest, lebt tausend Leben und wer nicht liest, lebt nur ein Leben."
Und ehrlich: ohne Bücher wäre die Welt um vieles ärmer – auch im Zeitalter von Internet, Facebook und eReadern.
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