Triathlon Seeburg 1985

Seeburg: Süßer See | Vor 25 Jahren aus Eisleben nach Berlin gezogen, sendete mir dieser Tage eine alte Bekannte, die der Heimat treu geblieben ist Ihren Artikel vom Triathlon am Süßen See.
Da wurden viele alte Erinnerungen wach.
Vom Grundwehrdienst im April 1985 als junger "gestälter" 22-jähriger Kerl joggte ich damals sporadisch mit Kumpels ein, zweimal die Woche 5 bis 7km.
Da hörten wir von einem Triathlon, der am nächsten Wochenende in Seeburg sein sollte. Man hatte mal was vom Iron Man im Fernsehen gehört und da wollten wir, mein damaliger Kumpel Steffen Pommer (Bommel) und ich kurz entschlossen mit machen.
Nun war es jedoch so, dass ich zwischen meiner Armeezeit und dem Studium in Magdeburg auf der Kupfer-Silber-Hütte in Hettstedt im 3-Schichtsystem arbeitete und den Schichtplan nicht mehr umschmeißen konnte oder wollte. Egal wir wollten dabei sein bei dem, wie ich dank Ihres Artikels nun weiß, 2. Triathlon am Süßen See.
Was brauchte man? Mut, Willen und ein Fahrrad. Ich hatte noch eins, was ich aber seit dem ich mit 15 Jahren Moped fahren konnte nicht mehr angesehen hatte.
Es war ein 26er Tourenrad mit einer 3er Gangschaltung und einem nachträglich angebauten Rennlenker. Also ab in den Fahrradkeller und gucken wie das Rad aussieht. Luft aufgepumpt. Hat gehalten. Aber die Bowdenzüge der Handbremse für das Vorderrad und die Gangschaltung waren gerissen. Also ab nach Eisleben in die Stadt und an den zwei, drei Stellen wo es Fahrrad-Ersatzteile geben konnte, gab es natürlich nicht die dringend benötigten Teile.
Also die Gangschaltung fest gestellt auf den 2. Gang, was den Effekt hatte als ob man keine Schaltung hat und ohne Handbremse kann man ja fahren, denn man hat ja noch den Rücktritt. Und wer will schon bremsen, wenn er ein Rennen fährt. Was das jedoch für Folgen haben würde, stellte sich erst später raus.
Auch der "Rennlenker" war aus heutiger Sicht eine Katastrophe! Der Durchmesser eines Rennlenkers ist größer als der eines Tourenrad-Lenkers. Damit der jedoch in die Halterung passte, hatte ich an dem Rennlenker so lange gefeilt, bis er so dünn war, dass er in die normale Halterung passte. Dass dieser Lenker nicht gebrochen ist, ist bis heute ein unfassbares Glück.
Also Freitag in die Nachtschicht, Sonnabend früh 6.30Uhr ins Bett bis 8.30Uhr, denn wir dachten es geht um 10.00Uhr in Seeburg los. Die 2 Stunden bekam ich jedenfalls vor Aufregung kein Auge zu und setzte mich auf mein Rad um die 10km auf der F80 nach Seeburg an den Start zu fahren.
Dort erfuhren wir, dass der Start erst Mittags ist. Ich kann nicht sagen ob der Start verschoben wurde oder wir falsch informiert waren. Also legte ich mich ins Gras der Straßenböschung und versuchte wieder vergebens den fehlenden Schlaf nach zu holen.
Dann ging es irgend wann endlich los. Ab mit vielen Menschen ins Wasser um vom Volksbad an der Burg vorbei zum Seeblick (800m) zu schwimmen. 800m schwimmen geht ja, aber wenn Wellen sind und rings um einen herum strampeln die Leute, dann kommt schon mal ein Schluck Wasser in die falsche Kehle.
Am anderen Ufer endlich angekommen, zog man die nasse Badehose aus und Sportzeug an. Wie meine Sachen und das Fahrrad dahin gekommen waren kann ich nicht mehr sagen. Aber ich erinnere mich noch, dass man dort die Startnummer noch mit Sicherheitsnadel am Trikot befestigen musste. Keine Ahnung, warum das nicht schon im Vorfeld geschah. Ich erinnere mich jedoch noch wie ich verzweifelt versuchte mit vor Entkräftung zitternden Händen die Sicherheitsnadeln an meinem Trikot zu befestigen. Es muss so bedürftig ausgesehen haben, dass eine fremde Frau zu mir kam und mir dabei half.
Nun ging es los mit meinem "Renn"rad. Geschätzt 40km Berg hoch und runter. Aber man macht sich heute keine Vorstellung wie die Straßen aussahen. Alles Kopfsteinpflaster und das war das kräftezehrndste. Wenn man 5 Sekunden nicht in die Pedalen getreten hat, dann stand man.
Aber ich strampelte mich durch, denn das Ziel war: Nicht aufgeben!
Dann kam der letzte Fahrrad-Kilometer und da ging es von Neehausen kommend abwärts. Das war gut, dachte ich. Aber wer die Serpentinen kurz vor dem Süßen See kennt, dem ist klar, dass man auch mal bremsen muss, denn da sind so einige Haarnadelkurven dabei. Als ich jedoch das erste mal bremsen wollte oder musste, und das ging mit meinem Rücktritt-Fahrad mit angebauter Gangschaltung nur so, dass man die Pedalen eine halbe Umdrehung nach hinten drehen muss, wobein die Fahrradkette sehr locker nach unten hängt. Da führte die holprige Straße dazu, dass die Kette herunter sprang und ich nun überhaupt keine Bremse mehr hatte. Ich raste also ungebremst mit weichen Armen und Knien diese Seprentinen runter, sah mich schon in Bäumen hängen und versuchte lediglich mit den Sohlen meiner Turnschuhe, was denen nicht gut tat, zu bremsen. Ich denke noch heute daran, was für ein Glück ich gehabt haben muss, dass mir da nichts passiert ist. Der einzige Vorteil war, dass ich auf diesen 1000 Metern sicherlich ein paar Plätze gut gemacht habe.
Ich lebte noch, legte mein Fahrrad ab und begab mich auf den unglaublich langen Weg von geschätzten 15km joggend um den Süßen See. Kurz vor dem Ende des Sees also kurz vor Wormsleben plagten mich immer öfter Krämpfe. Aber da kam zum Glück ein Verpflegungsstützpunkt, bei dem u.a. Salz und Wasser angeboten wurde. Mein Kumpel (Bommel) mit dem ich irgendwie auf den ersten 5 Laufkilometern zum ersten mal wieder zusammen kam, riet mir löffelweise Salz zu essen. Ich nahm 3 gehäufte Esslöffel Speisesalz und Wasser zu mir und wie durch ein Wunder waren die Krämpfe weg und wir schafften es bis ins Ziel. Das war ein unglaublich gutes Gefühl diesen Kampf bestanden zu haben ohne auf zu geben.
Meine Zeit kann ich leider nicht mehr sagen. Es war irgend was mit 4 Stunden.
Dann ging es nach Hause zum Abendessen und 20.30Uhr fuhr ich dann wieder mit dem Schichtbus nach Hettstedt und die nächste Nachtschicht, ohne geschlafen zu haben zu verrichten. Dort wurde ich jedenfalls als Held bewundert und bestaunt und ich glaube man hat mir in dieser Nacht auch keine schweren Aufgaben gegeben.
All das ist in mir wieder wach geworden, als ich Ihren Artikel las.

Mit freundlichen Grüßen
Wulf Trauboth
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2 Kommentare
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 17.04.2014 | 08:38   Melden
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Andrea Getrost aus Klostermansfeld | 17.04.2014 | 10:11   Melden
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