Fliegen als Inspiration: Vom Flight-Simulator in den Propeller

Im Cockpit sitz es sich doch anders als am Computer
 
Gleich geht es an den Start
 
Über dem Steinbruch

Ohne Computer wäre die Welt von heute nicht mehr vorstellbar. Die Kinder wachsen mit den virtuellen Welten auf. Dass sie dabei viel lernen können, bewies mein Sohn, der am Flight-Simulator schon so manchen Jet flog. Bis der Vater ihm dann zwei Schnupperflug-Stunden bezahlte - auf einer einmotorigen Katana in Halle-Oppin. Der Fluglehrer meinte nach dem Rundflug: Er wäre lieber mit dem ungeübten Vater geflogen, weil es der Jüngste so gut drauf hatte. Ich wiederum bat meinem Sohn, seine Gedanken niederzuschreiben.

Wer träumt nicht davon, frei zu sein, auch wenn es nur ein Bruchteil einer jenen Zeit darstellt, die meint, zu schnell zu verstreichen. Und dieses Minimum an Zeit, ist wertvoll, wertvoller als so manche Wertgegenstände, denn im Alltagsstress fällt es doch zunehmend schwerer, ein paar freie Minütchen für sich definieren zu können.

Seit einigen Jahren träume ich vom Fliegen. Jeder Flug mit einer Maschine in den Urlaub, begeisterte mich immer wieder aufs Neue. Ein Platz am Fenster war Pflicht. Alles zu betrachten, von einer neuen Perspektive, wie ein Vogel, welcher in seinem Element ist, das war schon immer das Richtige für mich. Auch noch heute möchte ich immer auf dem Laufendem in der Luftfahrt bleiben, nichts verpassen. Und wenn es heißt: ,,Was möchtest du denn später einmal werden?``, so antwortete ich stets:,, Pilot!``

Und diese Aussage wollte ich natürlich nicht unberührt lassen und auch in die Tat umsetzen. So kam es zu jenem Tag, der mich in meinen Zukunftsplänen stärkte, nämlich Pilot als Lebensziel zu verwirklichen. Einen Tag, der auch gleichzeitig der Tag der Zeugnisausgabe war, war für mich ein doppelt guter Tag. Sofort nach der Schule ging es per Bahn nach Halle, danach weiter in Begleitung meines Vater zum Flugplatz in Oppin mit dem Auto. Dort gebucht hatte ich einen zweistündigen ,,Schnupperflug“. Ich wollte die ersten Flugerfahrungen sammeln.

Voller Vorfreude und Aufregung begaben wir uns in ein mittelgroßes Gebäude, welches zur Startvorbereitung, Schulung und anderen Zwecken genutzt wird. Unter anderem wartete dort ein erfahrener Fluglehrer, der mich heute auf meinem Flug begleitet, belehrt und unterstützt. Freundlich wurde ich empfangen und nach einem kurzen Small-Talk und einigen Witzen ging es sachlich zu den Startbesprechungen, in der ,,Fliegersprache`` Briefing genannt. Wetter, Flughöhe, Kurs, Orientierung, Flugzeugkentnisse, das alles waren Inhalte dieser Einweisung. Kurz danach betrachteten der Ausbilder und ich unser Fluggerät, eine zweisitzige Diamond DA 20 Katana. Dies ist ein einmotorisches Leichtflugzeug mit einer Spannweite von über zehn Metern. Nach der Untersuchung auf grobe Fehler bzw. Beschädigungen an dem Propeller, dem Rumpf, Flügel, Leitwerk schauten wir uns das Cockpit näher an. Während ich nahezu alle Instrumente problemlos beschreiben und erklären konnte, schoss mein Vater einige Fotos von der Faszination Flugzeug.

Dann setzten wir uns schon in das Cockpit. Ich auf der rechten Seite, nicht wie sonst auf der Linken, was auf Versicherungsangelegenheiten zurückzuführen war. Die neue Umgebung fühlten sich großartig an. Die vielen Informationen mussten erst einmal verarbeitet werden, da wurde schon die erste Checklist, eine einzuhaltende Reihenfolge für bestimme Vorgänge/Abläufe im Cockpit, durchgegangen und der Motor gestartet. Eine völlig neue Erfahrung nun direkt an den entscheidenen Schaltern, Hebeln und Knöpfen zu sein, auch wenn diese nicht im gleichen Ausmaß wie beispielsweise in einem Airbus A380 vorhanden sind.

Nicht minder die Kopfhörer, über welche man miteinander kommuniziert, aber auch mit dem Tower Kontakt hält. Das laute Brummen des Motors wurde fast vollständig von dem Headset gedämpft, eine angenehme Atmosphäre entstand. Schon jetzt war ich vom Fieber des Fliegens und der sich dahinter steckenden Technik fasziniert. Mit einem kleinen Ruck rollten wir zur Startbahn, Runway 29. Kurzzeitig durfte ich auch das Steuer am Boden übernehmen, dies gestaltete sich jedoch schwierig, da man mit dem Abbremsen des jeweiligen Rads eine Kurvenbewegung hervorruft. Da Maschine schlingerte. Kurz hielten wir noch einmal vor der Startbahn und gingen erneut eine Checklist durch, dann bekamen wir die Freigabe vom Tower und wir waren startklar oder auch ,,Ready for Departure``. Langsam wurde Schub gegeben. Ich wurde in den Sitz gedrückt. Schon nach einem Viertel der Startbahn hoben wir ab. Das lag an dem starken Wind, der nahezu in Richtung der Runway uns entgegenkam. Alles fühlte sich großartig an. Mein Fluglehrer hatte noch kurz das Steuer und übergab er es mir mit den Worten: „You’ve control.“ Ich stieg auf 2000 Fuß, was einer Höhe von etwa 610 Metern entspricht. Dieses Level und den Kurs sollte ich halten, während sich mein Nachbar um den Funkkontakt kümmerte. Immer wieder wurde mir ein neues Heading (Kurs) übermittelt. In diesen Augenblicken dachte ich an Nichts, nur die Konzentration beherrschte mich.

Ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich vorher noch nie hatte, hielt mich in Bann. Stetig behielt ich die Instrumente im Blick, genoss jedoch auch die atemberaubende Aussicht, die sich mir bot. Durch den Wind wurde die Maschine immer mal nach oben, unten, rechts, links gedrückt, was einen auch an eine Achterbahnfahrt erinnerte. Viele neue Impressionen und Bilder sowie Entdeckungen sammelte ich schon in den ersten Minuten. Wir überflogen die Porphyr-Steinbrüche von Löbejün, den Goitzsche See und sahen idyllische Landschaften. Als persönliches Highlight überflogen wir den Hugo Junkers Flugplatz von Dessau und folgten der Elbe - während die Maschine die gesamte Zeit in meinen Händen war. Dann ging es auch schon zurück - immer den Petersberg im Blick, der als gute Orientierungshilfe zum Flugplatz Halle-Oppin dient. Dann, kurz vor der Landung, absolvierten wir die Landing-Checklist und mein Fluglehrer übernahm wieder das Steuer. Wir setzten sanft und sicher auf, wo auch mein Vater bereits auf dem Flugfeld auf mich wartete. Dann war es auch schon vorbei. Noch von der Faszination völlig vereinnahmt stellten wir das Flugzeug in den Hangar und begaben uns zur Nachbesprechung, bei der ich viel Lob für meine ,,Flugkünste`` bekam. Die vielen Flugstunden am Simulator daheim haben sich also ausgezahlt. Der Tag wurde mit einem gutschmeckenden Schnitzel im direkt am Flugplatz liegenden ,,Schnitzeltower`` beendet, voller Freude auf den nächsten Flug...
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2 Kommentare
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Béatrice Haas aus Dessau-Roßlau | 20.06.2016 | 19:27   Melden
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Matthias Jäkel aus Eisleben | 20.06.2016 | 20:38   Melden
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