Kalorienalarm: Hilfe, es weihnachtet sehr

Eine festlich gedeckte Tafel weckt natürlich Begehrlichkeiten – da helfen oft auch beste Vorsätze und ein schlechtes Gewissen nicht.
 
Keine Vorweihnachtszeit ohne Plätzchenbacken – der Verzicht auf Kalorien wird damit aber auch nicht leichter.
 
Der Gang auf die Waage kann mit einer Crash-Diät kurzfristig durchaus angenehm sein – langfristig schwindet das Vergnügen aber höchstwahrscheinlich.
 
Tee statt Wasser: Auch wenn das Durstgefühl im Winter weniger stark ist, sollte die Flüssigkeitszufuhr nicht vernachlässigt werden.

Der Blick in die Süßwarenabteilungen der Supermärkte lässt schon Böses ahnen: Mit schnellen Schritten geht es über Lebkuchen- und Schokoladengepflasterte Wege in Richtung Weihnachtsfest. Traditionalisten – die stoisch dem Grundsatz folgen, dass es vor dem Beginn des Dezembers kein Weihnachtsnaschwerk gibt – werden vom süßen Vorweihnachtsangebot vielleicht nicht aus der Bahn geworfen.

Für die weniger Strengen und die noch weniger Willensstarken bedeutet der wöchentliche Einkauf ab diesem Zeitpunkt aber möglicherweise einen wahren Spießrutenlauf zwischen Verlockung und schlechtem Gewissen. Schließlich warten die wirklich fetten Tage ja erst noch. Damit Waage und Hosenbund an den Feiertagen noch ausreichend Luft für den Genuss an der Festtafel lassen, muss also ein Plan her – oder muss er überhaupt?

The same procedure as every year

Es unter die Redensart “mit offenen Augen in das Verderben rennen” zu fassen, ist vielleicht etwas überdramatisch, trifft das stets wiederkehrende Vorweihnachtsdilemma aber im Kern auf den Punkt. Das Weihnachtsfest ist beileibe kein gänzlich überraschend im Kalender auftauchender Termin, trotzdem gerät er mit erstaunlicher Regelmäßigkeit aus dem planerischen Blickfeld. Wahrscheinlich, weil er sich im Jahresverlauf so weit hinten versteckt.

Sobald dann die ersten Lebkuchen, Dominosteine und Schokoladen-Weihnachtsmänner aus den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels grüßen, kommt die Erkenntnis des bevorstehenden Festes zurück – und die der damit verbundenen Stressfaktoren. Die sich selbst bei akribischster Planung als genau solche herausstellen, so dass, wie in jedem Jahr, der Geschenkekauf – der im Prinzip immer noch einfacher ist als die Vorauswahl –, die Dekoration, die Menü-Gestaltung und die Absprachen mit der Verwandtschaft für Hektik zum Jahresende sorgen.

Dazu kommt ein kaum weniger gewichtiges Problem und das im wahrsten Sinne des Wortes: Entgegen besserer Vorsätze zeigen sich auch bei den Abläufen an den Festtagen gewisse Neigungen zur Wiederholung. Die geplante Entzerrung des kulinarischen Genießens endet vielfach eben doch mit einem nahtlosen Übergang von der Vorspeise über ein umfangreiches Hauptgang-Angebot zum Dessert mit einem krönenden Kuchen-Abschluss.

Die Reihenfolge kann dabei natürlich variieren, das Ergebnis ist meistens aber ein durchgehendes Essen mit wenigen Verschnaufpausen. Dass, für den schwer denkbaren, aber dennoch unbedingt zu berücksichtigenden Fall zwischenzeitlich auftretender Hungergefühle, das Darreichen von Süßigkeiten obligatorisch ist, stellt sich spätestens am Ende der Weihnachtszeit als ebenfalls kaum hilfreich heraus. Womit sich der alljährliche Weihnachtskreis wieder schließt, nämlich mit einem schlechten Gewissen vor und auf der Waage und der Frage, wie die Überreste der Festtage in möglichst kurzer Zeit wieder beseitigt werden können.

Und ewig lockt…

Die Sorge um das Nach-Weihnachtsgewicht ist in Anbetracht der allgegenwärtigen Versuchungen sicherlich berechtigt. Immerhin gehören Weihnachten und gutes Essen untrennbar zusammen, genauso wie das Backen in der Adventszeit und der gelegentliche Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Da fällt der Verzicht selbstverständlich schwer, egal wie groß die Gewissensbisse auch sein mögen. Sollte der eiserne Wille einmal – oder womöglich sogar mehrmals – fehlen, muss die Hilfe also an anderer Stelle ansetzen. Glücklicherweise mangelt es zum Start der Vorweihnachtszeit nicht an mehr oder weniger hilfreichen Tipps, eventuell auftretenden Abweichungen vom Idealgewicht entgegenzuwirken. Oder im günstigsten Fall schon vorzubeugen, damit der Ausschlag der Waage nach oben weniger drastisch ausfällt. Die Frage bleibt, wie wirksam solche Ratschläge in der praktischen Umsetzung tatsächlich sind.

Bruchlandung mit Crash-Diäten

Ein vermeintlich probates Mittel, um den Körper auf die erhöhte Kalorienzufuhr vorzubereiten, sind die sogenannten Crash-Diäten, die innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums einen ausreichend großen Gewichtsverlust bewirken können. Der zugrundeliegende Gedanke ist offensichtlich: Wenn ich davon ausgehe, vielleicht sogar auf Basis langjähriger Erfahrungswerte, zwischen Heiligabend und zweitem Weihnachtsfeiertag X Kilogramm (X ist natürlich ein sehr individueller Wert, den jeder für sich selbst mit einem konkreten Wert füllen kann) zuzulegen, nehme ich im Vorfeld einfach genau diese Summe X ab. Das ist ein klassisches Nullsummenspiel, das zumindest in der Theorie eine denkbare Lösung darstellt.

Alle Theorie ist aber bekanntermaßen grau und solche Diäten haben häufig genug einen folgenschweren Nachteil – sie wirken bestenfalls sehr kurzzeitig und das Ziel der Punktlandung bei einem Plus-Minus-Wert von Null ist in ständiger Gefahr, durch den Jojo-Effekt in unerwartet und unerwünscht große Höhen zu schießen. Die eingeplante Gewichtszunahme durch die Feiertagsköstlichkeiten wird dann schnell übertroffen, was nicht zwingend am übermäßigen Genuss liegen muss. Sie ist vielmehr das Ergebnis des Crash-Diät-Konzepts selbst. Denn das übliche Vorgehen, bei dem für den gesetzten Zeitraum die Kalorienzufuhr unter die benötigte Menge gesenkt wird, hat erschreckend viele Nachteile:

• Der Jojo-Effekt

Das prominenteste und frustrierendste Resultat einer falsch angegangenen Diät äußert sich auf verschiedene Art und Weise, wovon die neuerliche Gewichtszunahme die schlimmste ist. Warum es überhaupt dazu kommt? Durch die zeitweise Enthaltsamkeit legt der Körper bei der ersten sich bietenden Gelegenheit neue Fettreserven an und verringert gleichzeitig den Grundumsatz, sprich: Er verbraucht sicherheitshalber schon im Ruhezustand weniger Energie. In Kombination mit dem kaum zu verhindernden Heißhunger auf das, was nicht mehr auf dem Speiseplan stehen darf, ist der Gewichtsbumerang sozusagen vorprogrammiert.

• Am falschen Ende abgenommen

Gewünscht ist ein Abbau noch vorhandener Fettpölsterchen. Das ist allerdings ein langwieriger Prozess, den Diäten so gar nicht leisten können. So erfreulich der Blick auf die Waage dann sein mag, er kommt hauptsächlich durch Verluste von Wasser und Muskelmasse zustande. Besonders im zweiten Fall ist das umso ärgerlicher, denn gerade die Muskeln tragen zu einem höheren Grundumsatz bei, was langfristig bei der Gewichtsreduzierung helfen würde.

• Schlank, aber nicht gesund

Folgt die Diät der Wahl einem zu einseitigen Ernährungsplan, kommen als weitere Schwierigkeiten unter Umständen noch gesundheitliche Risiken hinzu: Auf der rein körperlichen Seite drohen Vitamin- und Nährstoffmängel, woraus Leistungsabfälle, Müdigkeit und Anfälligkeiten des Herzkreislauf- und des Immunsystems entstehen können. Essstörungen stehen in gewisser Weise an der Grenze zu psychischen Folgeerscheinungen, Depressionen aufgrund der ausbleibenden Erfolge gehören eindeutig hierzu. Das sind natürlich extreme Auswirkungen, aber sie liegen eben durchaus im Bereich des Möglichen.

Das Kind beim (neuen) Namen nennen: Pre-Tox

Da Crash-Diäten als vorbereitende Maßnahme des Körpers auf die weihnachtliche Kalorienflut also denkbar ungeeignet sind, braucht es einen anderen Weg. Das neudeutsche Zauberwort in dieser Hinsicht könnte „Pre-Tox“ lauten. Was im ersten Moment wie eine unangenehme und schmerzhafte Schönheitsbehandlung klingt, ist im weitesten Sinne genau das – nur ohne die negativen Vorzeichen. Wie seine engen Verwandten De-Tox und Re-Tox dreht sich auch der mutmaßlich neue Trend für die Vorweihnachtszeit um das Entgiften des Körpers.

In diesem Fall geht es aber nicht darum, etwaig aufgenommene Gifte nachträglich wieder abzuführen – oder, wie beim Re-Tox, sie dem Körper als Form der Belohnung wieder zuzuführen (wobei „Gift“ dann ein sehr relativer Begriff ist, der vielleicht durch „nicht so gesund, wie es sein könnte“ ersetzt werden sollte). Ziel ist vielmehr eine präventive Entgiftung, die das Immunsystem und den Körper im Allgemeinen auf die Belastungen der Feiertage vorbereitet. Erfreulicherweise ist dazu nicht zwingend ein vollständiger Verzicht auf manche Lebensmittel erforderlich, obwohl eine gewisse Zurückhaltung bei den typischen Verlockungen der Vorweihnachtszeit schon geboten ist.

Eine Frage des Maßes

Regelmäßige Mahlzeiten mit gesunden Lebensmittel und die Möglichkeit des wenigstens moderaten Genusses der Dinge, die bei Diäten definitiv auf der Streichliste stehen – ein durchaus vielversprechender Ansatz. Der sich allerdings mit minimalem Mehraufwand auch über die Funktion als Prophylaxe gegen unangenehme Folgen des übermäßigen Genusses ausweiten lässt und zwar auf ein Konzept, das einen weitaus weniger modernen Namen hat: ausgewogene Ernährung.

Zugegeben, das hört sich langweiliger an als Pre-Tox und die Ergebnisse sind, kurzfristig betrachtet, sehr viel weniger spektakulär als bei den sonst üblichen Blitzdiäten. Andererseits ist die Wirksamkeit von letzteren mehr als fraglich und Pre-Tox bietet ohnehin schon einige Überschneidungen mit einer gesunden Ernährung, etwa

• das ausreichende Trinken, das eben nicht nur gegen den Mineral- und Flüssigkeitsverlust beim Genuss alkoholhaltiger Getränke hilft, sondern auch generell und jahreszeitenunabhängig – auch wenn es in den kalten Monaten vielleicht etwas mehr persönliches Engagement braucht, um die angemessenen zwei bis drei Liter pro Tag zu erreichen;

• den Verzicht auf Kohlenhydrate oder zumindest auf die falschen unter ihnen. Für eine ausgewogene Ernährung und die notwendige Energiezufuhr sind sie unerlässlich. Es kommt allerdings auf die richtige Balance zwischen Energieversorgung und Sättigung an, ansonsten drohen genau die Heißhungerattacken, die auch im Rahmen von Crash-Diäten auftreten können.

Von der Ernährungsbasis ausgehend braucht es dann wirklich nicht sehr viel mehr, um den Körper nicht nur für die Weihnachtsfeiertage in Form zu bringen, sondern ihn langfristig in selbiger zu halten. Bewegung beispielsweise würde allgemein schon helfen, richtiger Sport ganz sicher sogar noch mehr. Denn er fördert den Abnehmeffekt durch Fettverbrennung und Muskelaufbau gleichermaßen – das Stichwort lautet einmal mehr Grundumsatz –, und bildet daher völlig zurecht zusammen mit der grundsätzlichen Motivation das Fundament einer nachhaltigen Lebensweise.

Obwohl das wie eine große Aufgabe klingt, ist die Umstellung unterm Strich einfacher, als immer wieder Rückschläge bei den Abnehmversuchen einstecken zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass die Versuchung durch das Festessen sehr viel geringer ausfällt, wenn sich Kopf und Körper an das Zusammenspiel von bewusster Ernährung und körperlicher Betätigung gewöhnt haben. Außerdem sind kleinere „Belohnungen“ keineswegs ausgeschlossen. Was angesichts der weihnachtlichen Fülle an Leckereien auch wirklich schade wäre.



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