Schulkinder vor Haltungsschäden schützen

Die Krankenkassen KKH und BKK haben ermittelt, dass 66 Prozent aller Kinder im Alter von mindestens 14 Jahren von Rückenschmerzen geplagt werden. Eine alarmierende Zahl, die Eltern und Ärzte beunruhigt. Welche Gründe gibt es für Haltungsschäden in einem so jungen Alter und wie kann man ihnen vorbeugen?

Haltungsschäden haben sich in den letzten Jahren zu einer Art Volkskrankheit unter Jugendlichen entwickelt. Ihre Ursachen sind von verschiedener Natur: Sie reichen von dem ständigen Blick aufs Smartphone bis hin zum falschen Tragen von Schulranzen. Betroffen sind Kinder aller Altersklasse und Sozialschichten. Die Aufgabe der Eltern ist es, Probleme frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten, die langfristige Schäden eliminieren.

Handynacken: Wenn der Blick nach unten schmerzt


Für viele (junge) Menschen ist das Leben ohne Smartphone undenkbar. Einer britischen Studie zufolge[1] greift der durchschnittliche Verbraucher 214 Mal pro Tag zum Smartphone. Unbewusst wird das Gerät verwendet, um zu prüfen, ob Nachrichten eingegangen sind, ob man angerufen wurde oder um sich die Zeit auf Pinterest und Co. zu vertreiben.

Das (unbewusste) Verwenden des Smartphones beginnt morgens gegen 7:31 Uhr. Der Durchschnittsmensch steht auf, prüft seine E-Mails und loggt sich bei Facebook ein. Alles muss schnell gehen, lautet die Devise. Morgens bleibt nicht viel Zeit, sodass der schnelle Blick aufs Smartphone, um das Wetter zu prüfen und Nachrichten zu lesen, sehr willkommen ist.

Das Resultat dieser Bequemlichkeit ist mit Schmerzen verbunden. Der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, spricht von einem Handynacken. Diese Fehlhaltung führt langfristig zu gesundheitlichen Problemen. Der erwachsene Kopf wiegt zwischen vier und sechs Kilogramm. Bei einer Neigung von 15 Grad nach vorne belastet er laut Dr. Kenneth Hansraj die Halswirbelsäule mit 13 Kilogramm.

Haltungsschäden durch schlechte Schulranzen


Das Problem der Rückenschmerzen beginnt weitaus früher. Eltern ahnen jeden Morgen, dass für ihre Kinder der Weg zur Schule mit dem großen Schulranzen nicht ganz bedenkenlos ist. Das Problem ist nicht sein Gewicht, wie viele vermuten, sondern seine Ergonomie und Tragweise.

Der Schulranzen kann den Rücken auf zwei Arten belasten:


  1. er wird falsch getragen

  2. er ist nicht ergonomisch geformt



Die erste Belastung entsteht durch einseitiges Tragen (auf einer Schulter) oder dadurch, dass er zu hoch oder zu niedrig eingestellt ist.

Die zweite Belastung geht von dem Produkt selbst aus. Viele Eltern kaufen den Schulranzen nach den Wünschen ihrer Kinder, für die das Aussehen wichtiger ist, als die Ergonomie. Dabei sind Schulranzen erhältlich, die ergonomisch geformt und optisch ansprechend sind, wie die Marke ergobag beweist, deren Produkte auf schulranzen.net erhältlich sind. Die 2010 gegründete Marke produziert ergonomische Schulranzen, die nachhaltig hergestellt werden. Eltern schützen mit dem Kauf nicht nur den Rücken ihrer Kinder, sondern auch die Umwelt.

Sollte das Kind bereits ein Hohlkreuz besitzen, finden Eltern auf dieser Seite ein Übungsprogramm, um die Fehlhaltung zu beheben.

Wearable soll falsche Körperhaltungen erkennen


Wie bisher ersichtlich wird, verfolgen uns unnatürliche Körperhaltungen in vielen Lebenslagen. Sie beginnen im frühsten Lebensalter in der Schule und werden viele Jahre lang konsequent fortgeführt. Ein neues Wearable soll das Problem lösen. ALEX nennt sich das Gadget, welches am Hinterkopf angebracht wird. Durch die Position im Nacken soll es Fehlhaltungen erkennen und leicht vibrieren, um dem Träger darauf hinzuweisen.

Das Gadget sucht aktuell eine Finanzhilfe auf Kickstarter, wo es die notwendige Summe von mindestens 50.000 Dollar bereits erreicht hat. Ziel des Wearables ist es, den Träger auf falsche Körperhaltungen hinzuweisen und ihm dabei zu helfen, diese langfristig zu korrigieren. Zum Wearable gehört eine Smartphone-App, mit der der gesamte Prozess gemessen werden kann.

Sport ist die beste Medizin


Eine (kostenlose) Alternative zum Wearable ALEX ist nach Ansicht des Chefarztes der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach, Prof. Bernd Kladny, regelmäßiger Sport. Ihm zufolge kann jedes Kind eine Sportart finden, die ihm Spaß bereitet. Beim Schwimmen empfiehlt er, zu kraulen. Beim Brustschwimmen ist das Risiko groß, die Wirbelsäule zu überstrecken. Falsche Haltungen nehmen einige Menschen auch auf dem Fahrrad ein. Eine krumme Wirbelsäule hilft nicht, das stundenlange Sitzen im Büro auszugleichen.

Interessant ist ein Angebot der Gemeinde Ostrach (suedkurier.de berichtet), die sich an Jugendliche ab 16 Jahren richtet. Der Turnverein ist eine Kooperation mit einem Fitnessstudio eingegangen, um junge Menschen beim Bodybuilding zu unterstützen. Hierbei handelt es sich um ein Angebot, welches darauf abzielt, das Risiko vor Haltungsschäden zu reduzieren.

Sport reduziert nicht nur Rückenprobleme, sondern schützt vor weiteren Krankheiten, wie eine Studie des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Wien demonstriert. Für jeden Euro, der in Sport investiert wird, sparen Verbraucher fünf Euro Krankheitskosten, so das Ergebnis der Studienautoren.

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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 26.02.2016
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 18.02.2016 | 22:57   Melden
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