Breitbandausbau: Die Folgen der Digitalisierung

Schnelles Internet, jederzeit und überall: Das Digitale Zeitalter ist eine Herausforderung für Technologie und Kompetenzen gleichermaßen.
 
Glasfaserkabel sind für die zukünftigen Anforderungen der Internetnutzung besser – aber eben auch teurer.
 
Für Musiker und Veranstalter musikalischer Events wird es langsam eng: Die Digitale Dividende bedeutet erhebliche Einschnitte in die bislang verwendeten Funkfrequenzen.
 
Unabhängig von der Branche werden die Anforderungen an die technischen und digitalen Kompetenzen in Zukunft weiter zunehmen – eine Herausforderung für jeden Arbeitnehmer.

Nicht umsonst ist immer wieder vom „Digitalen Zeitalter“ die Rede, wenn es um die Zeit geht, in der wir leben. Ohne Internet geht es heutzutage nicht mehr, Kommunikation, Informationsbeschaffung, kurz: so ziemlich alle Tätigkeiten des alltäglichen Lebens werden mehr und mehr auf digitalem Wege erledigt. Das alles erscheint wie eine Selbstverständlichkeit und keineswegs wie das von Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete „Neuland“. Was damals noch milde, dafür aber in der breiten Öffentlichkeit als Fehleinschätzung der Lage belächelt wurde, muss bei genauerer Betrachtung allerdings als Aussage mit einem wenigstens teilweise wahren Kern aufgefasst werden.

Die Digitalisierung als Entwicklungsarbeit

Denn Fakt ist: Auch wenn der Breitbandausbau auf nationaler und internationaler Ebene weiter vorangetrieben wird, so kann er kaum als abgeschlossenes Projekt vermerkt werden. Das liegt nicht allein an der Bereitstellung der technischen Voraussetzungen, sondern an einem vielfach noch bestehenden Mangel an Fähigkeiten bezüglich des Umgangs. So sehr gerade letzterer von der „Generation Smartphone“ auch abgestritten werden mag, bleibt die rasante Entwicklung im Bereich der Digitalisierung eine weitere Tatsache, die nicht einfach weggelächelt werden kann.

Die erfordert eben nicht einfach nur den Auf- und Ausbau leistungsfähiger Breitbandnetze. Natürlich ist es unter den heutigen Vorzeichen des Informations- und Wissensaustauschs unabdingbar, den Menschen flächendeckend eine Zugangsmöglichkeit hierzu zu bieten. Erforderlich sind daneben aber auch immer neue Fähigkeiten im Umgang mit neuen Medien, mit Datenschutzfragen und immer fortschrittlicheren Technologien. Das ist ein andauernder Prozess, der in der Tat eine ständige Weiterentwicklung von Hintergrundwissen und Kompetenzen notwendig macht. Im Zusammenhang mit Internet und digitaler Kommunikation von „Neuland“ zu sprechen, ist daher bei weitem nicht so abwegig, wie es im ersten Augenblick klingen mag.

Breitbandausbau in Deutschland im europäischen Vergleich

Aber auch bei der zugrundeliegenden Infrastruktur gibt es nach wie vor genug Baustellen, wie der im Mai 2016 vorgestellte Jahresbericht zum digitalen Fortschritt der europäischen Mitgliedstaaten der EU-Kommission aufzeigt. Die Ergebnisse weisen aber auch in vielen Bereichen erfreuliche Fortschritte auf, der neunte Platz unter den 28 EU-Ländern ist jedoch ausbaufähig. Ein kurzer Überblick über die Resultate des Berichts:

• „Basis-Breitbanddienste“, die eine Datentransferrate von bis zu 30 MBit/s über das Festnetz, den Mobilfunk oder Satelliten erlauben, sind inzwischen landesweit verfügbar. Auf dem Land liegt die Quote angeschlossener Haushalte mit 93 Prozent minimal über dem EU-Durchschnitt (91 Prozent). Das Ziel, flächendeckend in allen Haushalten für durchschnittlich 50 Mbit/s zu sorgen, ist jedoch noch lange nicht erreicht – die vom Bund hierfür gesetzte Frist für die Erfüllung läuft allerdings erst 2018 aus.

• Demgegenüber erscheint der bestenfalls schleppende Ausbau der Glasfasernetze als dickes Minus in der Bilanz: Der Anteil liegt bundesweit bei lediglich 1,3 Prozent, was im europäischen Vergleich – und auch hier liegt der Wert bei ebenfalls überschaubaren 18,7 Prozent – deutlich zu wenig ist.
Der Grund für die zögerliche Entwicklung ist ein überaus profaner – es ist schlichtweg eine Kostenfrage, eine Kostenfrage, von Kupfer auf Glasfaser umzusteigenvon Kupfer auf Glasfaser umzusteigen. Statt der notwendigen Investitionen, die sich für die Anbieter wohl in einem zweistelligen Milliardenbereich bewegen dürften, gibt es deshalb eine kostengünstigere Aufwertung der bestehenden (Kupfer-)Netze. Damit werden kurzfristig die geforderten Transferraten erreicht, ob diese Maßnahmen den steigenden Anforderungen zukünftig genügen können, ist aber schon jetzt fraglich.

• Nachholbedarf besteht auch hinsichtlich des E-Government, die Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung werden nur von etwa einem Fünftel der Internetnutzer in Anspruch genommen. Die Gründe für einen der europaweit niedrigsten Werte sind bei der Nutzerfreundlichkeit und Datenschutzfragen zu suchen, vielfach sind die Möglichkeiten der Online-Interaktion aber auch gar nicht erst bekannt.

• Als positiv wurde hingegen die Bereitstellung des gesamten Funkfrequenzspektrums für mobile Breitbanddienste vermerkt. Dieses Vorgehen hat Deutschland im europäischen Vergleich exklusiv.

Gewinner und Verlierer der Digitalen Dividende

Ganz unproblematisch ist diese Vergabe von Funkfrequenzen, die im Zuge der inzwischen zweiten Digitalen Dividende im letzten Jahr vorgenommen wurde, allerdings nicht. Für den Mobilfunk bedeutet das Mehr an freigewordenen Frequenzen ohne Zweifel eine nochmalige Verbesserung der Netzstrukturen und der Erreichbarkeit. Die Nutzer mobiler Endgeräte, deren Zahl nun einmal ständig steigt und für den höheren Bedarf sorgt, sollten davon in jedem Fall profitieren. Anders gestaltet sich die Situation bei der Internet-Breitbandanbindung, denn den Netzbetreibern wurden nur vage Vorgaben bezüglich der Versorgung diktiert.
Damit der flächendeckende Zugang zu Breitbandverbindungen dennoch gewährleistet werden kann, wendet die Bundesnetzagentur die aus der Versteigerung der Frequenzbänder erzielten Gewinne für den Ausbau der Infrastruktur auf. Die Auktion von 2015, zu der die Telefónica Germany, die Telekom Deutschland und Vodafone als Bieter zugelassen waren, brachte zu diesem Zweck fast 5,1 Milliarden Euro ein.

Auf Fördermittel aus diesen Geldern hoffen seither beispielsweise Regionen wie der Landkreis Saale-Orla, unter der Leitung von Michael Kleine treibt eine Projektgruppe den Breitbandausbau in den zugehörigen Kommunen voran. Die Förderungen aus Bundes- und Landesmitteln sind allerdings heiß begehrt, was zum einen am bestehenden Bedarf liegt – die 42 noch unterversorgten Gemeinden des Saale-Orla-Kreises stehen mit diesem Problem schließlich nicht allein da – und zum anderen an der zeitlich begrenzten Verfügbarkeit bis 2018 beziehungsweise 2020.

Verfügbarkeit ist wiederum ein treffendes Stichwort, wenn es um mögliche Verlierer der Digitalen Dividende geht. Denn auch wenn die zweite Versteigerungsrunde der Funkfrequenzen möglicherweise einen anderen Eindruck erweckt: Die Zahl der verfügbaren Bänder ist begrenzt und sie wird für manche Nutzer immer kleiner. Zu den Leidtragenden gehören vor allem Musiker und Eventveranstalter, weil der Gebrauch von Funkmikrofonen und Funkanlagen beeinträchtigt wird. Wer also bei Konzerten oder ähnlichen Veranstaltungen Störungen der drahtlosen Mikrofone vermeiden möchte, ist unter Umständen gezwungen, die vorhandene Technik aufzurüsten – oder schlimmstenfalls sogar ganz zu ersetzen. Die Aussicht auf Ausgleichszahlungen ist angesichts der immer eingeschränkteren Möglichkeiten wohl nur ein geringer Trost.

Folgen des Digitalen Wandels

Über die Bedeutung und Notwendigkeit der digitalen Kommunikation muss dennoch nicht mehr groß gesprochen werden. Beide sind eine unumstößliche und nicht mehr umkehrbare Tatsache. Es kann also nur noch darum gehen, den Digitalen Wandel bestmöglich – und das heißt für alle Menschen – zu gestalten. Bei allen Chancen, die sich durch die neuen Technologien in Wirtschaft und Industrie, in der Medizin und Bildung, kurzum in nahezu allen Lebensbereichen ergeben, darf aber der Blick für die potenziellen Risiken nicht verstellt werden.
Zu Beginn des Jahres hat der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn vor dem Hintergrund des Weltentwicklungsberichtes 2016 der Weltbank genau darauf verwiesen. Sein Fazit der bisherigen Entwicklungsarbeit im digitalen Bereich: Die positiven Auswirkungen des digitalen Wandels sind erkennbar, insbesondere beim wirtschaftlichen Wachstum, der Arbeitsplatzentwicklung und den Standards von Dienstleistungen sind die Verbesserungen auf internationaler Ebene spürbar. Dennoch muss dieser gute Eindruck auch Einschränkungen erfahren.

• Das betrifft vor allem die nach wie vor ungleiche Verteilung der notwendigen Technologien, rund 60 Prozent der Weltbevölkerung bleiben diese sogar gänzlich vorenthalten.

• Schwierigkeiten drohen auch an anderer Stelle, etwa bei der Entwicklung des Marktes für digitale Technologien. Mangelt es hier an regulativem Eingreifen von Seiten der Politik, bilden einzelne Akteure womöglich Monopole und erschweren so einen einfachen (d.h. eben auch: erschwinglichen) Zugang.

• Wachsende Ungleichheit ist zudem hinsichtlich der technischen Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt zu befürchten. Der erfordert ohnehin ein ständiges Anpassen und Weiterbilden, was durch den digitalen Wandel nur verschärft wird. Fehlende IT-Kenntnisse bedeuten dann womöglich, innerhalb kürzester Zeit den Anschluss zu verlieren.

Die beschriebenen Auswirkungen sind dabei keineswegs nur in der Entwicklungszusammenarbeit zu beobachten. Die weit verbreitete Vorstellung einer digitalen Kluft zwischen Nord und Süd ist in dieser Form kaum mehr haltbar, dennoch lassen sich gravierende Unterschiede allerorten ausmachen – aber nicht mehr im Vergleich zwischen Industrieländern und Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Gegenteil holen gerade diese im Eiltempo auf, nicht nur was die Zahl der Internetnutzer anbelangt.

Viele der Zielsetzungen der Entwicklungszusammenarbeit, wie

• ein bezahlbarer Internetzugang für alle Menschen,

• eine bessere Regulierung und Steuerung des Marktes durch die Politik,

• die Unterstützung bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen und IT-Kenntnissen für das Bestehen auf dem Arbeitsmarkt,

dürften also auch mit Blick auf die Bundesrepublik mehr als nur eine gewisse Berechtigung haben. Das sollte auch in Anbetracht des vergleichsweise guten Abschneidens im europäischen Vergleich nicht vergessen werden.



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