Im Namen des Churfürsten und König in Polen

Der Gräfenhainicher Amtmann Ernst am Ende besiegelt ein amtliches Schreiben im Namen "August des Starken"
  Im Namen des Churfürsten und Königs in Polen

Wir schreiben das Jahr 1744.

Der Bürger Christian Mückenberger aus Zschiesewitz bittet den Gräfenhainicher Amtmann Ernst am Ende um ein Empfehlungsschreiben für seinen Bruder Andreas.

(Fragmente zum Teil i. Original übernommen)
Des allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Fürsten und Herrns, Herr Friedrich Augusts, König in Polen und Churfürstens zu Sachsen,auch Burg Grafens zu Magdeburg p.meines allergnädigsten Herrns der Zeit bestallten Amtmann zu Gräffenhaynichen,ich Joh. Ernst am Ende uhrkunde hierdurch und bekenne welchergestalt vor mir, an gwöhnlichen Amts = Stelle erschienen,Christian Mückenberger aus dem hiesigen Amts Dorffe Zschiesewitz seines Bruders anhero gelernt bei Meister Gottlob Friesen in Gräffenhyinichen das Schmiedehandwerk……

(Friedrich August, genannt August der Starke (1670-1733) ,war bereits nach der Siegelung dieses Geburtsbriefes schon 11 Jahre tot, sein Sohn führte die Geschäfte noch bis 1763 weiter)
Der 1. Sohn von August dem Starken, ,Fr.-August II, folgte seinem Vater auf den Thron von Sachsen und Polen, woraus sich auch die Titulatur erklärt.

Der Amtmann Ernst am Ende befragt daraufhin den Pfarrer zu Jüdenberg Friedrich Karg, ob denn der Bürger Andreas Mückenberger von ehrlichen und christlichen Eltern in reinem keuschen und unbeflecktem Ehebett in rechter freier „teutscher Arth“ gezeugt ist. Das vom Superindententen David Bert ausgestellte Attest vom 20 November 1708 bezeugt dabei die corpulierung (Eheschluß) der Eltern in Gremmin und die Geburt des Andreas am 6. September 1722 mit Taufzeugen Elias Krüger, Maria Elisabeth, Simon Strensches und Meister Christian Lönnigen, Leineweber zu Gremmin. So liest man weiter….

…bezeuge, dass ihm niemand im Bestande etwas böses nachzusagen vermacht, und die zeugen Gottfried Hohmann als Gerichtsschöppe und Christoph Graßmann beyderseits aus Zschiesewitz von Eyde statt, ausgesagt und bezeugt haben. Mir auch selbst nie anders nicht bewußt.Als habe ich dem beschehenen suchen defirieret und gelanget dannenhero an alle dieses gerichtliche schreiben gezeiget wird mein freundliches Ersuchen Andreas Mückerberger in Zunfft und Innung willig aufnehmen…..

Obwohl hier die eigentliche Geburt schon vom Pfarrer bestätigt wurde, gibt das gerichtliche Schreiben den Namen Geburtsbrief vor. Heute würden wir diese Schreiben eher als Empfehlungsschreiben bezeichnen, vielleicht auch als polizeiliches Führungszeugnis. Das amtliche Schreiben endet mit den Worten…

..zu mehrerer Urkund deßen habe ich gegenwärtigen Geburths Brieff unter Vordrückung des Allergnädigst mir anvertrauen,, den Amts Grüßern Insigels und meiner eigenhändigen Unterrschrift ausgestellet.So geschehen AMT Gräffenhaynichen,am 18. Novenbr: nach Christi unsers Geburths Ein Tausend,Sieben Hundert,und Vier und Vierzigsten Jahre

Johann Ernst am Ende
Cristian Heinrich Leonhardo

SIEGEL


Das Siegel ist in Pergament geprägt und hat die Inschrift „Chur Sächsisches Amt Gräfenhainichen“
Geburtsbriefe, oder auch Herkunftsbriefe bzw. Leumundsbriefe gab es schon 1400. Oftmals für Handwerksburschen vor der Wanderschaft ausgestellt, sollten sie die Aufnahme in Gilden, Zünfte und Innungen begünstigen.

In der Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt A. Reinhard 06773 Gräfenhainichen Fr.-Ebert-Str. 2 sind einige dieser alten Reliquien zu sehen. Sie zu lesen löst Erstaunen über die Formulierung und Bewunderung über den höflichen Schreibstiel aus.

Mit freundlichen Grüßen
Rolf Hennig
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
4 Kommentare
563
Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 04.04.2013 | 10:51   Melden
472
Willibald Schliemann aus Halle (Saale) | 04.04.2013 | 12:42   Melden
371
Rolf Hennig aus Gräfenhainichen | 05.04.2013 | 12:42   Melden
11.417
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 05.05.2013 | 07:19   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.