Julius Maggi und August Reinhard

  Gräfenhainichen: Historische Bauschlosserei | Julius Maggi und August Reinhard

Da mag sich doch der Leser fragen, was hat der ehemalige Innungsobermeister der Schlosser-und Schmiedeinnung Gräfenhainichen, August Reinhard, mit dem Begründer der „Maggi-Würze“ ,Julius Maggi zu tun?

Die Antwort ist schnell gegeben – August hatte von Maggi die Lizenz, in seinem Kolonialwarenladen Maggi-Gewürze zu verkaufen !
Noch zeugen über 70 Maggi-Großhandelsflaschen der Größe 5 und 6 im 2010 wiedereröffneten musealen Kolonialwaren-Laden in 06773 Gräfenhainichen Fr.-Ebert-Str. 2 von einer damals erworbenen Lizenz, dieses Gewürz verkaufen zu dürfen.
Diese Flaschen mit dem aufgeklebten Kreuzstern als Glassiegel ist ,so Maggi, mit dem Mund geblasen und wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts auf halbautomatische Fertigung umgestellt. Die Nummer 6 zum Beispiel besagt, dass diese Flasche nach 1913 erschien. Bei näherer Betrachtung sind Maggi - Flaschen der „Ersten Generation“ als historisch wertvoll zu bezeichnen. Der Patentierungshinweis „Patented“ und „Brevete“(Patent) ist Zeugnis dafür.

Diese seltenen Stücke befinden sich ebenfalls in unserer Ausstellung.

Die ersten Würzen wurden in Flaschen nach englischen Gewichten (2 Pfund;1/2 Pfund;1/4 Pfund und 1/8 Pfund) abgefüllt und vertrieben. Neben den Großhandelsflaschen gab es die „Pendlerflasche“, ein kleineres ,für den Kunden gedachtes Flaschenmodell. Sie waren oftmals Jahrzehnte im Umlauf, wobei die Etikettierung sich abgriff, und die Konkurrenz sich gern das Markenprodukt dann aneignete ,um mit minderwertiger gepanschter Abfüllung als Konkurrenz am Markt zu erscheinen. Maggi & Co (1886) wußte dies zu verhindern indem sie ihr Flaschenprodukt mit Maggi-Glasschrift unter dem Etikett kennzeichneten. Die Flaschen Nummer 5 und 6 hatten dies nicht, eben weil sie nur vom Großhandel vertrieben wurden. Warum Maggi grüne und braune Flaschen vertrieb, konnte ich nicht klären.

Spender oder auch Ausgießer lieferte Maggi gleich mit. Das „Gießhähnchen“ war dabei für den Händler, so wie für August Reinhard gedacht und ermöglichte ein schnelles Umfüllen der Großhandelsflasche auf die Pendlerflasche. Hier sei auch der Glasstöpsel als Flaschenhals-Verschluss nicht vergessen, er war ebenfalls mit dem Namenszug Maggi in Glas versehen.

Zurück zur Großhandelsflasche Nummer 6. Sie hat eine eigene Geschichte.

Bis etwa 1907 gab es nur die Großhandelsflasche Nummer 5, Händler und Gastronomen, Hotels und Militärmenagen liebäugelten aber mit größeren Abfüllungen, und so brachte Maggi die Korbflasche mit 10 bzw. 25 Liter mit einer Weidenkorbummantelung auf den Markt.

Aber eine runde Korbflasche hatte gegenüber einem viereckigen Behältnis einen wesentlichen Nachteil – die Ausnutzung einer Ladefläche von einem Transportfahrzeug. Und so entstand 1913 die Glasflasche Nummer 6 , welche grösser als die Nummer 5 war. Jetzt wurden auch die Flaschen mit einer Plombe versehen.

Die Glasschrift unter dem Etikett, die patentierte Flaschenform, das Glassiegel bzw. Glaskreuz (Schutzmarke), Produktkontrollen und Festpreise sowie die Plombe, konnten trotz wechselnder Sicherheitskriterien nicht verhindern, das Maggi viele Gerichtsverfahren gegen Panscherei und Betrug führen mußte.

Die Flasche Nummer 6 kostet 1913 6,- Reichsmark.
Maggi wechselte mehrere Male die Etiketten, aber immer waren die Hinweise auf strafrechtliche Konsequenzen bei Fälschungen zu lesen.
Ein Maggi Suppen Regal und Bouillon Werbung (5Pfg.das Stck.) sind weitere Zeugen alter Maggi Geschichte.Die Unterschiede zwischen Bouillon-Würfel (Brühwürfel) und Suppenwürfel sind einfach: Bouillon Würfel hatten immer die gleiche Masse,Suppenwürfel variierten.

Neben Maggi Zeitzeugen gibt es aber noch viele andere stumme Zeitzeugen in unserem Museum, welche ihre Geschichte erzählen möchten.

So hatte der Kaufmann August Reinhard zu seiner Zeit neben Maggi eine Werbung über Seperatoren an seiner Hauswand angebracht.

Wussten Sie, was ein Seperator ist?

Wenn nicht, dann freuen Sie sich auf eine andere Geschichte. Bei einer Führung in unserem Museum können Sie sogar einen Original - Seperator bestaunen.

Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt A. Reinhard e. V.
06773 Gräfenhainichen Fr.-Ebert-Str. 2

Rolf Hennig
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.MZ | Erschienen am 12.03.2013
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2 Kommentare
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 18.05.2013 | 07:44   Melden
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Rolf Hennig aus Gräfenhainichen | 18.05.2013 | 12:23   Melden
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