Wahrhaftiges von Ständen, Zünften und alten Berufen

 
Besuchen Sie unser Museum, Bilder und Gerätschaften aus längst vergangenen Zeiten erinnern an Berufe und alten Handwerkskünsten; Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt in Gräfenhainichen
Wahrhaftiges von Ständen, Zünften
und alten Berufen

Heute noch deuten Familiennamen den Stand und das Handwerk unserer Vorfahren an. Häufig gewandelt in all den Jahrhunderten wechselndem Lauf, lässt sich dennoch manch Rätsel lösen.
Geheimnisvoll und unverständlich muten die damaligen Berufe an. In Schreibart und Dialekten der Heimat oftmals geschuldet, zeigen sich Berufe und Gewerbe, welche längst vergessen sind und sich nur noch dem Forschenden erschließen.

Des Handwerks Schaffen, so lesen wir in alten Satzungen, geleitet von großen Gemeinschaftsgedanken, zeigt uns heute, wie der Einzelne schwach, die Gesamtheit der Interessen in Einigkeit mächtig und stark waren.

Gemessen am Wandel der Zeiten, erscheint uns heute der Fund alter Schriften in denen wir von Sitten und Gebräuchen lesen , wie ein seltsames Märchen.

Weit gefehlt - in der Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt A. Reinhard finden sich Zeitzeugen aus jener Zeit, die zeigen, wie eindrucksvoll Gilden und Zünfte ihre Gewerbeinteressen niederschrieben.

So regelten die alten Meister des Hufschmiedehandwerks aber auch der Schneiderinnung 1670 in 42 Innungsmatrikeln ihre beruflichen Interessen in tiefsinniger Art. Ungehorsam, Zank und Hader zogen ein Maß an Strafen nach sich.

Auch wurde der Nachweiß einer ehrlichen Geburt vorgegeben. Ein Geburtsbrief musste der Innung für die Aufnahme vorgelegt werden. Solche Geburtsbriefe sind in der Historischen Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt zu sehen. Geschrieben und gesiegelt 1677 von Borchard von Bodenhausen zu Radis. Bemerkenswert ist der Matrikel über die soziale Absicherung der Witwen nach dem Versterben des Meisters. Auch über das Abwerben von Gesinde wurden Strafen angedroht.

Das Maß der Dinge bestand im Wesentlichen aus Geldzahlungen an das Amt - oft gehälftet und der Rest kam in die Innungslade. Erstaunlich für den Leser heute ist, dass oftmals ein Vergehen gegen das Regelwerk mit Maßen in Bier bestraft wurde. Dies ist auch wiederrum nicht so erstaunlich, weil fast jedes Haus in Gräfenhainichen eine Brauberechtigung hatte. (BB-Brauberechtigtes Bürgerhaus) So auch das Bürgerhaus Markt 10 in Gräfenhainichen.(Reinhard Plan 105)
Nur ehrliche und redliche Bürger prägten anfänglich das Brauchtum. Zunfthäuser entstanden in denen Zunftrecht gesprochen wurde.

So legte das Handwerk den Grundstein für Rechte und Pflichten, für Ansehen und Wohlstand.
Nach außen der inneren Ordnung Ansehen zu geben, wurden Banner, Symbole und Wappen geschaffen. Ein solches Wappen ist im Bild von den Schlossern, Sporern und Uhrmachern aus Dresden in der Historischen Bauschlosserei in Gräfenhainichen zu sehen.
August Reinhard aus Gräfenhainichen hat 1883 in dieser Zunft gearbeitet.


So lässt sich hier trefflich über die Vielzahl von Gilden, Zünften. Ständen und Innungen erzählen, es bietet sich uns ein Bild von Mannigfaltigkeit und schöpferischer Fülle einer Zeit, in welcher Gewerbefleiß und Kunstfertigkeit unvergängliche Werte geschaffen haben.

Zeiten vergehen - Werke bestehen.

Bände würden nicht reichen, um über all die Vielzahl der Berufe aus vergangener Zeit zu berichten, ob Hüfner, Beutler, Schultheiß, Tüncher, Börtler ,Lohmüller oder Feilenhauer und viele andere mehr, sie alle begründeten mehr oder weniger das Fundament des altehrwürdigen Handwerks.

Dem alten Handwerksmeister und Kaufmann August Reinhard sei geschuldet, noch einmal einen der ältesten Berufe zu gedenken. Er vertrat von 1912-1924 als Innungsobermeister der Schlosser-und Schmiedeberufe diese Interessengemeinschaft. So berichten Schriften in Sütterlin aber auch Petschaften, Werkzeuge und Gerätschaften von seinem Wirken. Er war Vertreter eines der ältesten Berufe der Menschheit. Eine Spezialisierung der Schmiede-und Schlosserberufe begann sich alsdann aber schon frühzeitig abzuzeichnen.
Noch in Erinnerung seien zum Beispiel der Kettenschmied, der Kupferschmied, der Waffenschmied oder auch der Goldschmied.
Zu hinterfragen und fast vergessen sind aber schon alte Berufe wie Sporer,(Mann -u. Roßbeschlag) Grobschmied ,Zirkelschmied, Klingenschmied und auch der Blechschmied um hier nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch der Plattner scheint vergessen.(Helm-u. Harnisch)

Der Beckenschläger, ähnlich dem Börtler, hat sich ebenfalls aus diesen Berufen entwickelt.(Blechformer und Treiber) Der Büchsenschäftner, auch Pognerhandwerk genannt, hat seinen Ursprung im Schmiedehandwerk.(Waffen-Haken-u.Büchsenschlösser).

Lassen wir es an dieser Stelle mit den Schmieden gut sein. Ob Landmann, Fuhrmann oder Amtmann,
Buchdrucker, Paternostermacher, oder all die hier nicht genannten Gewerbe, sie fügen sich ein in die Handwerkskünste alter Meister von denen wir heute mit Bewunderung zu berichten wissen.

Aber das wird sicherlich eine andere Geschichte.

Kurioses zum Schluss:
Ein wenig anrüchig war der Beruf des Buttenweibes oder auch Abtrittsanbieterin. Sie bot ihre Dienste
vor allem auf Märkten an. Unter weitem Gewand verbarg sie einen Eimer, in welchem die Notdurft, verdeckt vom Umhang, verrichtet werden konnte. Das war im Sinne des Magistrates, um öffentliche Plätze sauber zu halten.


Rolf Hennig
Vorstand und Gründungsmitglied
Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt A. Reinhard e. V.
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