Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: Licht am Ende des Tunnels?

Ferropolis im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord: ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH), ein ehemaliger Standort des Braunkohletagebaus im Bitterfelder Revier, heute Veranstaltungsort und Museum zeugt vom Wandel der Wirtschaft in Sachsen Anhalt. (Foto: colourbox.com)
Gräfenhainichen: Ferropolis |

Sachsen-Anhalt hält die so unbeliebte Rote Laterne: die Wirtschaft wächst in dem Bundesland deutlich langsamer als im Durchschnitt bundesweit. 2014 wurde ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,4 Prozent erzielt. Nirgendwo scheint die Wirtschaftskraft geringer zu sein. Zudem war Sachsen-Anhalt das einzige Bundesland, in dem die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr sank. Den schlechten Zahlen zum Trotz gibt es durchaus positive Signale aus der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und die Stimmung bei den Unternehmen ist nicht so schlecht, wie es die nackten Daten vermuten lassen. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Niveau seit über 20 Jahren angelangt und einige Wachstumsbranchen entwickeln sich gut.

Ursachenforschung: woher kommt der Rückstand?


Für das ernüchternde Wachstum im Land gibt es gute Gründe. Neben der Demografie fehlt es besonders an Investitionen und Innovationen für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Es wandern noch zu viele Menschen aus Sachsen-Anhalt ab, gerade ländliche Gebiete sind davon stark betroffen. Verschärft wird das demografische Problem durch die Alterung der Gesellschaft - eine gefährliche Mischung. Vor allem junge Menschen fehlt die Perspektive, in der Heimat zu verweilen. Daher zählt Sachsen-Anhalt zu den am dünnsten besiedelten Ländern.

Die Region um Bitterfeld war von der Krise in der Solarbranche, speziell der Insolvenz von Q-Cells stark betroffen. Die Solarindustrie sollte einst den Aufschwung prägen, mittlerweile stehen zahlreiche Werkshallen leer. Die Sonne steht lange nicht mehr am Zenit.

Außerdem fließen zu wenige Mittel in Forschung und Entwicklung. Das Verhältnis der Forschungsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei kümmerlichen 1,5%. Dies zügelt einen nachhaltigen und stabilen Fortschritt der Produktivität. Ebenso könnten mehr Gelder in den Sektor Bildung für Schulen und Hochschulen wandern.

Die Wirtschaft ist recht kleinteilig und nur wenige Firmen wie die tm Group in Schönebeck, die Armaturenwerk GmbH aus Hötensleben sowie der Betonhersteller Rekers mit dem Werk in Groß Ammensleben verfügen über Strahlkraft für die Region. Die Hälfte der Betriebe hat weniger als fünf Mitarbeiter. Da wundert die geringe Exportquote im Land des Exportweltmeisters kaum noch.

Youtube-Videos der Investitions- und Marketinggesellschaft mbH (IMG)



Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Sachsen-Anhalts zeigt für welche Branchen das Land besonders attraktiv ist.

Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt


Sachsen-Anhalt will sich vom Image einer Region für die traditionellen Branchen Chemie und Schwermaschinenbau verabschieden. Die Agentur für Arbeit Magdeburg sieht die Branchen Gesundheit und Medizin, Logistik, Elektromobilität und Tourismus als Märkte der Zukunft. Dabei sollen besonders kleine bis mittelgroße Betriebe von Fördergeldern profitieren.

Halle und Magdeburg locken Studenten an und sind wichtige Wirtschaftsstandorte in der Region. Die Infrastruktur in der Saaleregion um Halle mit den Autobahnkreuzen sowie dem nahen Flughafen ist gerade für Logistikunternehmen sehr interessant. Die Agentur für Arbeit Magdeburg sieht vor allem die zunehmende Ansiedlung von Unternehmen aus der IT- und Kommunikationsbranche positiv.

Grundsätzlich kann das Land Sachsen-Anhalt. gerade bei jungen Familien punkten: die Kinderbetreuung ist sehr gut organisiert und ausgebaut, attraktive Naturlandschaften sind nah und der lokale Wohnungsmarkt ist noch nicht überlaufen. Unterm Strich lassen sich Familie und Beruf bei günstigen Lebenshaltungskosten gut vereinbaren. Zudem ist die Wohnungssuche in Halle an der Saale noch entspannter als etwa in Berlin.

Halle hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. Die Bevölkerungszahl sinkt nicht mehr und die Stadt entwickelt sich dynamischer. Dies ist auch bei der Wohnungssuche in Halle an der Saale zu spüren. Die Zeiten des hohen Leerstandes in sind vorbei. Ausgehend von der Innenstadt werden einzelne Stadtteile immer weiter aufgewertet. Dabei wohnt es sich in Halle immer noch relativ günstig, vor allem im Verhältnis zum nahe gelegenen Leipzig. Dies wissen gerade Studenten zu schätzen.

Quellen:
http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1514539_Mehr-Arbeitslose-durch-Sommerflaute.html
http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1515712_Firmen-fallen-nicht-vom-Himmel.html
http://www.mz-web.de/wirtschaft/firmen-stellen-mehr-ein-die-arbeitslosigkeit-in-sachsen-anhalt--sinkt-weiter,20642182,30564892.html
http://www.mz-web.de/wirtschaft/wirtschaftswachstum-in-sachsen-anhalt-warum-wir-deutschlands-schlusslicht-sind,20642182,30607408.html
http://www.mz-buergerreporter.de/halle-saale/wirtschaft/arbeitslosenverband-sachsen-kritisiert-statistik-d24015.html
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/interview-mit-iwh-praesident-gropp-betriebe-im-osten-von-folgen-des-demografiewandels-bedroht,20641266,31382916.html
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1 Kommentar
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Ter Spann aus Südliches Anhalt | 25.09.2015 | 09:20   Melden
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