Wittenberger Ausstellung zur „Geschichte von (Sachsen)-Anhalt und seiner Namensgebung“

Arsenalplatz am 28.11.2015 10 Uhr; links Ratsarchiv, rechts ehemalige Klosterkirche mit der Ausstellung
 
Eingang
  Lutherstadt Wittenberg: Historische Stadtinformation | Ich will neugierig machen, ohne Anspruch auf Vollkommenheit. Wer hat die Wittenberger Ausstellung auch schon gesehen? Für mein Worträtsel haben sich leider nur wenige interessiert, am Schluss des Artikels kommt die versprochene Auflösung zu
http://www.mz-buergerreporter.de/sandersdorf-brehn...
Tatsächlich wollte ich auf den letzten Drücker in Wittenberg noch die Cranach-Ausstellung in den Cranach-Häusern besuchen und danach in den Wörlitzer Park weiter fahren. Doch dann las ich einen Tag vorher in der MZ von einer Ausstellungs-Eröffnung am 28. Oktober 2015 über die

„Zeit, als Wittenberg Residenzstadt der Askanier war“

.
Wenn ich schon in Wittenberg bin, wollte ich mir diese Chance, zu den ersten Besuchern .in der „Historischen Stadtinformation“ zu gehören, nicht entgehen lassen.
Doch diese war für mich gar nicht so einfach zu finden, nicht einmal das Personal im Cranach-Museum am Marktplatz konnte mir genau sagen, wohin ich meine Schritte lenken sollte (fragen Sie mal in der Stadtinformation beim Schloss nach!).

Die Ausstellung selbst hat mich dann für einige in Kauf genommene Irrwege voll entschädigt. Aus meiner Sicht ist es eine außerordentlich gut gelungene Multivisions-Präsentation in diesen mystisch wirkenden heiligen Hallen.

Schade, dass es gegenwärtig dazu noch keinerlei schriftliches Informationsmaterial gibt und fotografieren leider verboten ist.
Es gibt zumindest eine interessante Schautafeln vor dem Klostereingang.
Wenn man durch die Eingangstür der wieder aufgebauten Ruine tritt, steht man plötzlich nahezu im Dunkeln. Dann sollte man unter dem aus Bruchstücken rekonstruierten Chorportal (aus Sandstein, um 1260) des ehemaligen Klosters einen Moment zur Einstimmung verweilen. Von hier aus kann man den ersten optischen Eindruck gut auf sich wirken lassen. Ganz hinten im langgestreckten Kirchenschiff meint man im vagen Dämmerlicht eine Apsis zu erkennen. Alles nur Illusion. Dort befinden sich zwei mächtige -reale- steinerne Grabplatten.

Bilder und Texte auf mehreren Schichten transparenten Stoffs (für 9 Fürsten) beiderseits der wiedererrichteten Mauern des Klosterschiffes und eine raffinierte, ständig wechselnde Beleuchtung verblüffen zusätzlich die Besucher.

Es ist beinahe unmöglich, sich die Unmenge an geschichtlichen Fakten, Jahreszahlen, Herrschern und Herrschaftsgebieten über mehrere Jahrhunderte hinweg zu merken. Ich bin mehrmals zwischen den Schautafeln und Vorhängen hin und hergelaufen und kam verwirrt aus dem Staunen nicht heraus.
Aus dem fast ständigen Dämmerlicht strahlten allmählich einzelne Herrscher, in überdimensionaler Größe an die Wand bzw. Stoffschichten projiziert, hervor (um kurz danach wieder im dunkeln zu verschwinden). Auf beleuchteten Tafeln konnte man dann viel Bedeutsames über den Fürsten, sein Wirken und seine Zeit lesen. Nach etwa sieben Minuten fing das Schauspiel (in einer Endlosschleife) wieder von vorn an. Mächtig gewaltig Egon, nein, anstrengend!!!

In einem angrenzenden Seitenschiff, wo es mehr (Lese-)Fakten und zu diesem Zweck auch etwas mehr Licht gibt, steht man im hinteren Teil in Nähe der Fundstelle vor dem wiederbestatteten Grab von Kurfürst Rudolf II (1307-1370), seiner Frau Elisabeth aus 2. Ehe und Tochter Elisabeth.
Besonders hier bekommt man umfangreiche Informationen zur Fundstelle des Markgrafen einschließlich der Grabbeigaben, sowie zur Stadtgeschichte von Wittenberg und zur Geschichte des ehemaligen Klosters.

Mit meiner Beschreibung und dem Versuch, trotz der sehr ungünstigen Lichtverhältnisse einiges zufotografieren, möchte ich Neugierde für eigene Erkundungen wecken. Man müsste die Ausstellung für alle Sachsen-Anhalter (und solche, die es wie ich geworden sind), zum Pflichtbesuch erheben! Heimatgeschichte pur, schaut es euch selbst an.

Mit der gleichen Eintrittskarte von 2 € kann man auch das südlich vom Arsenalplatz Richtung Markt gelegene Zeughaus (Museums für Stadtgeschichte) besuchen. Hier hat mir besonders ein großes historisches Stadtmodell von Wittenberg imponiert.
Die jetzige Gestaltung der Gebäude im Herzen von Wittenberg verdanken wir übrigens der sensationellen Entdeckung der Gebeine von Kurfürst Rudolf II., seiner Frau und seiner Tochter bei archäologischen Grabungen. Man fand sie im Februar 2009 in einer gemauerten Gruft unter der ehemaligen Klosterkirche der Franziskaner am Arsenalplatz. Ursprünglich sollte hier das Bürgerhaus seinen Standort finden. Der damalige Wirtschaftsminister und heutige Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) schaltete sich ein, die Idee eines Askanier-Besucherzentrums wurde geboren und die gesamte ehemalige Klosteranlage in die Planungen einbezogen.
Und so sieht es jetzt aus:
In den Grundmauern der lange aufgegebenen Franziskanerklosterkirche wurde diese „Historische Stadtinformation“ als vierter und letzter Teil des “Zentralen Besucherempfangs“ eingeweiht. Damit ist der Umbau am Arsenalplatz abgeschlossen. Alle vier Elemente - weiterhin die Stadtinformation(1) als neue zentrale Anlaufstelle Wittenbergs, das Stadthaus(2) und das Ratsarchiv(3) - wurden zwischen 2012 und 2015 errichtet.

Aus meiner Sicht ist der Name noch nicht optimal gewählt, denn zuerst war das Gebäude ein Franziskanerkloster und diente danach fast 500 Jahre verschiedenen Nutzern (u.a. Preußen und nach 1945 der Sowjetarmee) als Kaserne.
Für eine treffendere Bezeichnung dazu laufen derzeit übrigens Ausschreibungen.

Nun noch zur Auflösung meines Worträtsels, sie wäre locker einen eigenständigen Artikel wert:
http://www.mz-buergerreporter.de/sandersdorf-brehn...
In der Ausstellung gibt es folgende Deutung.
Die Stammburg der Askanier wird 1140 durch ein Feuer zerstört und noch im selben Jahr „on holt“, also ohne Holz wieder aufgebaut.

Folgende andere Quelle besagt:
http://www.burgen.ausflugsziele-harz.de/ausflugszi...
„Zur Zeit der Völkerwanderung ließ sich ein verdrängter Stamm, aus dem Volk der Sueben, am nordöstlichen Harzrand nieder. Um sich gegen die ständig eindringenden Sachsen verteidigen zu können, wurden auf vielen Anhöhen hölzerne Befestigungen erbaut. Auch eine Art Balkenburg wurde von dem ersten überlieferten Grafen Albert II. auf einer Anhöhe errichtet, die Ballenstedt genannt wurde, was so viel wie Balken-Stätte bedeutet. Aus dem suebischen Stamm entwickelte …… sich, um das Jahr 1000, durch Verheiratung mit sächsischen Adelshäusern, das Geschlecht der Askanier. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts waren sich also Sueben und Sachsen näher gekommen. Dann aber erschlug der suebische Askanier, Graf Esico, einen sächsischen Grafen. Zur Strafe befahl der Kaiser, dass Esico seine Balkenburg in ein Kloster umwandeln musste.
…. Esico brauchte aber eine neue, repräsentative und wehrhafte Burg. Da bot sich das nahegelegene Selketal, mit seinem Großen Hausberg, als idealer Standort an. Und Graf Esico baute eine gewaltige Burg, deren Anlage 130 x 220 Meter maß. Und er nannte sie Burg Ane-Holt, was aus dem Althochdeutschen übersetzt so viel wie „ohne Holz“ bedeutet. Aus Ane-Holt wurde Anhalt, dass später einem ganzen Land seinen Namen gab…..
Heute ist die einst gewaltige Burganlage eine Ruine, von der nur noch Mauerreste von Kapelle, Wohntrakt, Bergfried und Ringmauer vorhanden sind. Trotzdem sind die Ruine und der Große Hausberg eine Wanderung wert. Und die startet man von der Selkemühle…“
Ein Modell der Burg Anhalt im Maßstab 1:15 kann übrigens in Ballenstedt am Schlossplatz bewundert werden.
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6 Kommentare
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 27.11.2015 | 07:01   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 27.11.2015 | 13:06   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 28.11.2015 | 15:10   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 30.11.2015 | 05:09   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 30.11.2015 | 05:09   Melden
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Thomas Lang aus Seegrehna | 30.08.2016 | 14:41   Melden
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