ⒽⓂ Die Händelin ♡

So könnte sie ausgesehen haben...

(Foto: Maler Teborch Gerard 1684)
 

Kirche St Anna in Dieskau

 

Altarraum von St Anna in Dieskau

Diesen Bericht gab es schon einmal auf dem Portal der MZ-Bürgerreporter. Doch als ich meinen Account damals löschen ließ, gab es auch „Die Händelin“ nicht mehr. Heute möchte ich mit diesen Zeilen wiederholt an den Tag erinnern, an dem Georg Friedrich Händel vor 332 Jahren in Halle das Licht der Welt erblickte

Schon Balzac wusste: „Alle wirklich großen Männer lassen sich gern von einem schwachen Wesen beherrschen.“

Ob Ehefrau, Geliebte, Schwester, Freundin, Muse oder Mutter – seit jeher inspirieren Frauen das „starke Geschlecht“ zu großen Taten. Aber nur sehr selten wird über diese Frauen berichtet und deshalb wissen wir auch nur sehr wenig über das Leben von Dorothea Taust. Wer war diese Frau, die einem Genie am 23.2.1685 das Leben schenkte und ihn zusammen mit ihrem 30 Jahre älteren Gatten auf den Namen Georg Friedrich taufen ließ?

Dorothea Händel, geborene Taust war die Mutter von Georg Friedrich Händel!

Im Jahre 1651 wurde sie als Pfarrerstochter in Dieskau, nahe der Stadt Halle/Saale geboren und getauft. Dort lebte sie zusammen mit ihrer Familie bis zu ihrem fünften Lebensjahr, denn ihr Vater Georg Taust amtierte von 1640 bis 1654 als Pfarrer in Dieskau, ehe er das Pfarramt in Giebichenstein an St. Bartholomäus übernahm. Obwohl durch den Dreißigjährigen Krieg große Not unter allen Bevölkerungsschichten herrschte, bot das lutherisch orthodoxe Elternhaus ihr und ihren Brüdern die gleichen Bildungschancen, was Zu dieser Zeit wirklich nicht selbstverständlich war. Das Musizieren und Singen spielte in Dorotheas Leben eine große Rolle.

Das Haus zum Gelben Hirschen

Während sie zusammen mit fünf Geschwistern wohl behütet in ihrem Elternhaus aufwuchs, führte ein angesehener Herr mit Namen Georg Händel als Amtschirurg von Giebichenstein eine harmonische Ehe mit seiner 11 Jahre älteren Frau Anna. Seine Berühmtheit und Wohlhabenheit ermöglichten ihm den Kauf „Zum gelben Hirschen“, dem späteren Geburtshaus seines Sohnes Georg Friedrich.

Die Pest

Die damaligen hygienischen Verhältnisse waren schuld daran, dass sich schlimme Krankheiten und Seuchen ungehindert ausbreiten konnten. Man glaubte, dass Bäder und Dampfbäder Krankheiten und Tod herbei führen würden und reinigte lediglich die Unterwäsche. Parfümierte Essenzen aus Moschus und Ambra sollten den üblen Körpergeruch überdecken. So geschah es, dass sich in den Jahren 1681 bis 1683 die Pest in Halle und Umgebung ausbreitete. Ihr fielen mehr als die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer An dieser schlimmen Seuche erkrankten auch Dorotheas Bruder und ihre Schwester. Man riet ihr deshalb, sich in Sicherheit zu bringen. Doch sie blieb in ihrem Elternhaus und ließ ihre Angehörigen nicht im Stich. In diesen Jahren verlor der Amtschirurg und Pestarzt vom Giebichenstein, Georg Friedrich Händel, seine geliebte Ehefrau Anna und seinen Sohn.

Dorothea Taust, eine junge Frau

Während seiner Amtszeit hatte Georg die Pfarrerstochter Dorothea Elisabeth schon kennengelernt. Sie gefiel ihm, denn Dorothea war eine weltoffene, mutige, gelassene und praktisch veranlagte junge Frau. So kam es, dass er im Alter von 61 Jahren schließlich um ihre Hand anhielt. Obwohl Dorothea nie in der Ehe ihre Bestimmung sah, vermählte sie sich aus Vernunftgründen mit dem 30 Jahre älteren Hofchirurgen und Diener des Wettinischen Herzogs Johann Adolf dem I. Später wurde behauptet, dass der gemeinsame Sohn Georg Friedrich, wohl all diese Vorzüge von seiner Mutter vererbt bekam.

Da Ihr Ehemann noch als Barbier und Wundarzt in der Residenzstadt Halle seine Pflichten zu erfüllen hatte und außerdem als kurfürstlich brandenburgischer Kammerdiener und Leibarzt häufig abwesend war, übernahm Dorothea nun selbstständig die große Hauswirtschaft mit Gärten, Feldern, Wiesen, Weinberg, Weinausschank und Beherbergung von Gästen. Ob sie wohl Türen und Fenster des Hauses offen stehen lassen konnte? Denn auf dem Hallmarkt befanden sich damals ca 100 kleine Siedehütten. Rauch von deren offenen Feuerstellen legte sich bleiern über das gesamte Gelände. Er wurde vom Wind durch die Straßen und Gassen getragen und durch Türen und Fenster in die Häuser getrieben.

Mode im Barock

Als junge Frau kleidete sie sich nach der damaligen Mode, die der französiche Hof diktierte. Die Damen trugen ihre Haare gescheitelt, mit langen Locken über den Ohren und einem zierlichen "Nest" am Hinterkopf. Die Haarmode der Herren war sehr feminin. Sie hatten langes Haar, das glatt oder gelockt auf die Schulter fiel. Wer mit weniger kräftigem Haar ausgestattet war, griff zur Perücke. Selbst die Kleidung der Herren war mit sehr vielen Schleifen, Rüschen und Borten verziert.

Die Familie Händel

Während ihrer Ehe gebar Dorothea vier Kinder. Das erste Kind starb schon bei der Geburt 1684. Georg Friedrich wurde ein Jahr später als ihr zweiter Sohn am 23.02.1685 geboren und einen Tag später in der Marktkirche zu Halle getauft. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits 63 Jahre alt. Dem kleinen Georg folgten noch zwei Schwestern. Der große Hausstand, die Wirtschaft, Kindererziehung und deren Ausbildung erforderten nun die ganze Kraft der jungen Frau.

Immer schon spielte das Singen und Musizieren eine große Rolle in Dorotheas Leben und nun auch in dem ihrer Kinder. Ob sie mit ihnen auch am Heiligen Abend das Lied"Vom Himmel hoch, da komm ich her" gesungen hat? Denn die Popularität des Liedes "Vom Himmel hoch, da komm ich her" spiegelte sich schon damals in der Instrumentalmusik wieder. Geschrieben hatte es Martin Luther und bis heute wird es noch zum Weihnachtsfest gesungen.

Dorothea erkannte schnell die musische Begabung ihres Sohnes Georg Friedrich und förderte sie auch gegen den Widerstand ihres Mannes. Ihr Gatte wollte, dass aus Georg Friedrich etwas Rechtes wird – denn das Musikantentum war während des langen Krieges in Verruf geraten.

Es gibt nur wenige Informationen aus der Kindheit von Georg Friedrich

Bekannt ist aber, dass er bereits im Alter von sechs Jahren heimlich mit dem Clavicordspiel begann. Dieses Instrument stand auf dem Dachboden des Elternhauses und wenn nachts alles schlief, stahl sich der kleine Händel dort hinauf um zu üben. Im Alter von neun Jahren fing er bereits zu komponieren an. Als Herzog Johann Adolf I. den achtjährigen Knaben in Weißenfels Orgel spielen hörte, sah der Herzog im Sohn seines Leibarztes ein großes Talent und überredete den unmusikalischen Vater dazu, Georg die Musikerlaufbahn einschlagen zu lassen. Das war der Beginn des musikalischen Werdeganges von Georg Friedrich Händel junior! Doch das ist dann eine andere, eine größere Geschichte.

…Und nun alleinerzeihend!

Die „Händelin“ war gerade 46 Jahre alt, als ihr Mann nach 14 Jahren Ehe im Jahre 1697 verstarb. Nun war sie für drei Kinder im Alter von 12, 9 und 7 Jahren allein verantwortlich. Es fehlte zwar das Einkommen aus der ärztlichen Praxis und dem Dienst ihres Ehemannes bei Hofe, trotzdem war sie dazu in der Lage, ihre Kinder selbst versorgen und erziehen zu können.

Als ihr Sohn Georg Friedrich nach einem Jahr sein Jurastudium abbrach und die Stadt Halle verließ, um sich ganz der Musik widmen zu können, verfolgte sie stolz dessen Laufbahn. Zeitlebens hielt auch er Kontakt zu seiner Mutter und seinen Schwestern. Im Jahr 1710 besuchte er seine Familie und hielt sich über ein Jahr in Halle auf. Selbst auf der anstrengenden Rückreise von Italien im Jahr 1729, hatte er den Wunsch seine altersschwache Mutter noch einmal sehen zu können. Leider war sie aber zu dieser Zeit schon erblindet.

Die Beisetzung der „Händelin“


Dorothea Elisabeth (Taust) Händel überlebte ihre beiden Töchter Dorothea Sophia und Johanna Christiana. Sie selbst starb am 27. Dezember 1730. Im Schwibbogen 60 des Stadtgottesackers, dessen Halbbogen Georg Händel noch vor dem Tod seiner ersten Frau Anna Händel als Familiengrab im Jahr 1674 hatte einrichten lassen, ruht sie zusammen mit ihrem Mann, seinem Urenkel Phillipp Leberecht Pfersdorff und der jüngsten Tochter Johanna Christina.



Quelle: Im Text als Link hinterlegt / Wikipedia / halle.de,/ frauenzimmergeschichten / Internetseite barockerlebnis.jimdo.com /Das kleine Büchlein „Händels Halle“ von Karsten Eisenmenger / Großer Dank gebührt Frau Kupfer vom "Freundes- und Förderkreis des Händel-Hauses zu Halle e.V." für die Zusendung von Händels Hausmitteilungen 1/2006/Buch von Fritz Vollbach „Händel“

Mich interessiert die Lebensgeschichte dieser Frau sehr - vielleicht weil man nichts, oder ganz wenig über sie nachlesen kann. Die Musikwissenschaftlerin Frau Liselotte Bense beschäftigt sich schon seit Jahren mit Dorotheas Leben.
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4 Kommentare
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 03.02.2017 | 12:08   Melden
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Ralf Springer aus Aschersleben | 03.02.2017 | 12:50   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 03.02.2017 | 18:59   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 03.02.2017 | 20:55   Melden
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