Aus dem Leben gegriffen... (2)

 

Was ist MEINE - was ist DEINE?


Wer kennt sie nicht, die belustigte Frage: Teilen wir brüderlich oder Halbe-Halbe?

Sehr bekannt ist, dass sich bei diesen beiden Arten des Aufteilens einer Sache die Anteile des Einzelnen gravierend unterscheiden können.

Wir wissen:
Teilen will gelernt sein.

.. und nicht nur gelernt, sondern auch vom frühesten Kindesalter an praktiziert.

Alles das, was Kinder aus ihrem eigenen Erleben lernen können, wirkt sich viel nachhaltiger aus, als es Erklärungen oder Ermahnungen jemals bewirken könnten. Es setzt Normen und schafft Werte.

Ein sicheres Gefühl für Gerechtigkeit bringen schon kleine Kinder dafür mit.
Sie bemerken Ungerechtigkeiten sehr genau und reagieren darauf.
Mit ganz kleinen, übersichtlichen Mengen fängt das Aktivieren des Rechtsempfindens an und kann Raum gewinnen.

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Fruchtbonbons, die gut schmecken, sind bei unseren Enkelkindern sehr begehrt. Aber die werden ihnen zugeteilt, weil immer die Hauptmahlzeiten Priorität haben. Der schlechtere Esser hat die geringeren Chancen auf süße Belohnungen. Allerdings wird der ausgleichenden Gerechtigkeit Genüge getan, denn der bessere Esser isst sich schon bei Tisch satt.

Ein Ungleichgewicht hielt erst Einzug, als wir uns nach der fröhlichen Oma-Opa-Zeit wieder auf die Heimfahrt begaben.

Im Eimerchen trug der Sechsjährige für die 2 Autostunden 16 der begehrten Bonbons. Die Hälfte davon gehörte ihm zur freien Verfügung, die andere Hälfte war für den daheim wartenden kleinen Bruder gedacht.

Himbeere - Erdbeere - Kirsche - Melone - Orange - Apfel - Zitrone - Mandarine - er zählte alle Sorten mühelos auf und versicherte eifrig, wir könnten uns ganz auf ihn verlassen. Nur seine Hälfte würde er essen.

Die Fahrt begann, der Knabe teilte seine Schätze: einen Bonbon essen, den anderen beiseite legen. Anfangs fiel es ihm nicht schwer, die Übersicht zu behalten, denn der eigene Anteil war noch groß genug.
Dann schlich sich der erste Fehler ein.
Zu gut hatte scheinbar der Kirschbonbon geschmeckt; der zweite davon verschwand stillschweigend. Wir sahen es am leeren Bonbonpapier.

"Aufpassen, Du wolltest gerecht teilen!", erinnerten wir ihn erneut und hielten uns von da an aus seinen Entscheidungen raus.

Bei Fahrtende befanden sich nur noch 3 Bonbons im Eimerchen ... die überließ er seinem Bruder mit einem schuldbewussten Blick.
Sein Versuch, gerecht zu teilen, war fehlgeschlagen.
Nicht 8/8 sondern 13/3 war sein Ergebnis.

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Zwei Wochen später besuchte uns der Jüngere der beiden Geschwister und auch für ihn hatten wir bei der Rückfahrt einen kleinen Eimer mit 16 Bonbons bereit gestellt.

Der Vierjährige hatte zwar Mühe, die einzelnen Sorten alle aufzuzählen, aber dass es immer zwei von jeder waren, das verstand er schnell.
"Einer ist meine und der andere muss übrig bleiben!", fasste er die Aufgabe zusammen. "Aber er brauche dafür noch einen kleinen Eimer", forderte er von uns.

Ein weiterer Joghurt-Eimer wurde auf der Rückbank platziert und dann begann die Fahrt.

Zwischendurch erfuhren wir von ihm, dass die Bonbons klasse schmecken und mussten die Frage beantworten, ob denn noch welche da wären, wenn er wieder nach Halle käme. Wir hegten die Vermutung, dass er das Teilen mit ähnlichem Ergebnis wie sein Bruder vollziehen würde.

Aber weit gefehlt!

Stolz präsentierte der Kleine uns beim Aussteigen den zweiten Eimer.
Sein eigenes Eimerchen war leer und im anderen befanden sich genau 8 Bonbons.

Das war beim Teilen eine glatte EINS!

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Hier noch ein Ratschlag für's gerechte Teilen, wenn es um die größere und die kleinere "Hälfte" geht:

Einer darf teilen und der andere darf als erster sein Stück wählen.

Von diesem Moment an wird das Augenmaß zu einem ganz unglaublich genauen Maßstab. ;-)
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 10.03.2016 | 14:17   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 10.03.2016 | 19:12   Melden
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