Das Mittelalter, die Stadt Halle und die Hanse

Die Trommlerin
 
Eine mittelalterliche Bummelei
Das Mittelalter in Halle ist tot, schrieb jemand mal im Internet. Aber scheinbar leben Totgeglaubte doch etwas länger. Vielleicht haben die Bürger andere Sorgen, aber die Stadt verdankt nun mal dem Salz und dem damit verbundenen Salzhandel seinen Status. An die Hansezeit erinnert zugegebenermaßen nicht allzu viel und auch die schriftlichen Hinweise sind spärlich. Diese Zeit aber zu ignorieren schaffen nur Leute, denen Belege wichtiger sind, als ein paar Überlegungen. So kam einst im Jahre 1922 ein Herr Erich Sellheim in seiner Doktorarbeit über Halle und die Hanse zu einem eindeutigen Schluss:
„Die Blütezeit des mittelalterlichen Halle ist, … schlechthin identisch mit der Blütezeit des halleschen Patriaziats. In dieser Zeit des Glanzes und der Macht, die rund zwei Jahrhunderte umfasst, fällt die zugehörige Zeit der Stadt Halle zur deutschen Hanse, jenem gewaltigen Städtebund, der sich vom Kap Finisterre bis zu den Lofoten und der Newa hinaus dehnte. Es ist dies ist kein Zufall gewesen. Man kann heute viel mehr mit gutem Recht behaupten, dass das mittelalterliche Halle keineswegs eine so günstige Entwicklung in politischer und wirtschaftlicher Beziehung genommen hätte, wenn es nicht Mitglied dieses Bundes gewesen wäre.“

Das freilich zur Kenntnis zu nehmen fällt vielen schwer. Doch zurück zur Mittelalterszene. Wer kämpfende Ritter sehen will, kann dies auf diversen Märkten im Umkreis der Stadt durch die Bornstedter Ritter (www.ritterschaftbornstedt.de) oder dem Thüringer Ritterorden (www.thueringer-ritterorden.de). Ein paar weitere marodierende und versprengte Ritter sind auch noch bekannt und man hört sie auf dem Salz- oder Hansefest grölen. Die Hansezeit war laut, bunt, voller Marktschreier und natürlich auch Raufbolden. Ein paar haben sich scheinbar in unsere Zeit hinübergerettet. Dann gibt es noch Theatergruppen, wie Pax Domini und Quinta-X-Essentia, die aus Leidenschaft Mittelalterszenen kreieren, parodieren und eruieren. Letztere Gruppe ist Bestandteil des Hallischen Hansevereins e.V., der sich für die Hansezeit im Gestern und Heute einsetzt. Der Verein hat in den letzten sieben Jahren seit seiner Gründung einiges erlebt mit der Stadt und vieles geschafft, meist ohne die Stadt, die hier und da sich als Schirmherr hergibt, aber ansonsten das Treiben eher belächelt, zu mindestens hört das munkeln vom Stadtmarketing, das sich zwar die Hanse als fünfte Säule auf die Fahnen schreibt und auch den Hansebeauftragten stellt, aber ansonsten die Aktivitäten des Hansevereins eher aus weiter Ferne beobachtet. Es ist halt schade, wenn der Fokus nur auf Händel und den Halloren liegt, die zweifelsohne mächtige Zugpferde sind. Aber ich habe mir sagen lassen, dass auch kleine Ponys beachtliche Arbeit leisten können.

So laufen unter dem Namen des Hansevereins einige Projekte:

Zum Beispiel das Projekt „Von Dom zu Dom.“: (www.von-dom-zu-dom.de) Das ist zwar nicht die Hansezeit sondern ein paar hundert Jahre vorher, aber eben doch Mittelalter.
Zum Beispiel das Projekt „Hansefest“: Es nähert sich im nächsten Jahr dem 10. Jahrestag. Geplant ist, ein Buch herauszubringen mit dem wohlklingenden Namen „Halle, die Hanse und das Hansefest“, das Seiten für Erwachsene als auch für Kinder hat. Wie das geht, wird allerdings noch nicht verraten.
Zum Beispiel das Projekt „Videofilme“. Auf Youtube oder Facebook sind diverse Filme aus der Hansezeit zu sehen, ob Dokumentarfilm oder auch Schmunzeleien aus der Hansezeit, die mit dem sprichwörtlichen Augenzwinkern Geschichten aus jener Zeit (1281-1489) zeigen. (http://www.quintaxessentia.de)
Zum Beispiel das Projekt „Fotogeschichten“: Hallische Geschichten kann man in Comicform nachlesen (ISBN: 978-3-7418-8195-4) und ein Infobüchlein über den Hanseverein und das Hansefest gibt es auch schon (ISBN: 978-3-7418-8198-5, http://www.msw-welten.de und http://www.hallischehanse.de)
Zum Beispiel die Hansescheune: Eine neue Hansescheune ist vertraglich dem Verein zugesichert, noch dazu auf dem Gelände eines Reiterhofes (www.reiterhof-schurig.de), was ja dem Mittelalter sehr nahekommt, war damals das Pferd Transportmittel Nummer 1. So soll auf dem Reiterhof Schurig eine Begegnungsstätte für Jung und Alt entstehen, ein begehbares Theater mit Informationen über die Hanse und natürlich auch den Pferden. Ferienspiele einmal anders. Das Gebäude steht schon, muss aber noch saniert werden, ein klarer Fall für Sponsoren.
Wer Mittelalter mag, kann sich auch mit Interessierten treffen, so zum Mittelalterstammtisch, der jeden 1. Donnerstag im Monat stattfindet (http://www.mittelalterstammtisch-halle.de) Dort erfährt man dann einiges über die Projekte und hört auch, dass am Alten Markt bald einige Aktivitäten geplant sind. Immerhin war der Alte Markt mal Zentrum der Stadt, bis er halt zu klein wurde, aber für etwas kleines Mittelalterliches taugt er immer noch. Es müssen ja nicht immer riesige Feste sein. Im August ist also, soweit die vorsichtigen Planungen, ein Rittertag, wo sich echte Ritter in Rüstungen das Schwert geben und kleine Ritter mit Holzschwert ihre Kräfte messen und um die Hansemagd kämpfen können. Vielleicht hat dieses Mädchen mit Namen Ketlin auch einen Rittertaler für die Helden. Über mehr lassen sich die Planer bislang nicht aus, nur soll es ein eher familiäres Fest werden. Ob dort auch Familienstreitigkeiten ausgetragen werden können, war nicht in Erfahrung zu bringen.
Und doch hört man praktisch im Weggehen noch etwas über mittelalterliches Brauchtum in Halle, was dann wohl um die Weihnachtszeit geplant ist. Nun ja wir werden sehen.
Das Mittelalter ist tot? Ach, quatsch, es lebt und macht sogar Spaß heutzutage.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 25.02.2017
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 10.02.2017 | 19:06   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 17.02.2017 | 10:46   Melden
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