Der Design- und Kunstmarkt im Rahmen der Händel-Festspiele: Nur schwer sichtbares „Mauerblümchen“

Wenig übersichtlich: Veranstaltungsplakat vor der Moritzburg
 
Wenige Ausstellerstände verlieren sich im Innenhof der Moritzburg
Halle (Saale): Moritzburg |

Der zweite Versuch nach 2014, während der Händel-Festspiele mit einem Design- und Kunstmarkt auf lokale kreative und künstlerische Potenziale aufmerksam zu machen, führte leider nicht über ein „Mauerblümchen“-Dasein im Hof der Moritzburg hinaus.

Begrüßenswerte Initiative: Städtisches Kulturprogramm „sichtbar…“ soll Festspielbesuchern die lokale Kunstszene näher bringen

In der MZ wurde wiederholt die Kritik vorgebracht, dass die Hallesche Kunstszene die Händel-Festspiele kaum als Anknüpfungspunkt dafür nutzt, die Festspielbesucher als generell Kunstinteressierte wahrzunehmen und diese für das eigene Schaffen zu interessieren. Dieses Defizit versucht die Stadt Halle mit dem Kulturprogramm „sichtbar – zeitgenössische Kunst im Rahmen der Händel-Festspiele“ abzubauen. Unter den 26 im Programm-Flyer aufgeführten sichtbar-Orten und –Teilnehmern findet sich auch ein Design- und Kunstmarkt, der am Wochenende 6./7. Juni im Hof der Moritzburg stattfand.

Idee sehr gut – Ausführung mangelhaft

An sich erscheint der Hof der Moritzburg als gut geeigneter Standort für einen solchen Markt: Im Flair des Kunstmuseums und abgeschirmt vom störenden Verkehr können sich die Besucher auf die ausgestellten Objekte konzentrieren und bei Bedarf im MoritzKunstCafé stärken. Die Erwartungsfreude auf ein reges Treiben und interessante Objekte wird jedoch bereits dadurch getrübt, dass der Blick durch den Eingangs-Torbogen in den Hof zunächst nichts anderes als die vertraute Kulisse bietet. Im Innenhof angelangt schweift der Blick nach vorn, nach rechts – erst mit dem Blick nach links sind ein paar wenige weiß bedachte Ausstellungsstände wahrzunehmen. Einige junge Künstler nutzen für ihren Stand auch die Arkaden-Bögen der Moritzburg. Dies sieht zwar malerisch aus, verstärkt andrerseits den Eindruck, dass der Markt sich im großen Innenhof versteckt und diesen nicht dominiert. Ähnlich übersichtlich ist die Zahl der Besucher, zumindest am Sonntag, den 7. Juni um die Mittagszeit herum. Laut Programm rekrutieren sich die Aussteller aus Absolventen der örtlichen Kunsthochschule. Man weiß allerdings nicht: Kommt jeder der Bewerber zum Zug? Werden jüngere, sozusagen frische Absolventen bevorzugt? Laut Auskunft einer der Aussteller werden von diesen 50 Euro als Standgebühr pro Tag gefordert. Könnte es sein, dass diese Summe eine Zugangshürde für den einen oder anderen potenziellen Aussteller darstellt? Warum muss überhaupt eine Standgebühr erhoben werden, wenn das Kulturprogramm aus EU-Mitteln gefördert wird? Erstes Ziel einer solchen innovativen Veranstaltung sollte sein, dass die Zahl der Anbieter groß genug ist, um wirklich den Eindruck eines Marktes entstehen zu lassen. Dies könnte schon dadurch erreicht werden, dass den verschiedenen auf dem Programm-Flyer aufgeführten bildenden Künstlern die Möglichkeit eingeräumt wird, ihre Objekte zusätzlich auf dem Kunst- und Designmarkt anzubieten. So könnte im kommenden Jahr aus einem schüchternen „Mauerblümchen“ ein attraktiver Kunstmarkt werden, der mehr Besucher und Aussteller anlockt.
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2 Kommentare
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Gabriele Degen aus Halle (Saale) | 10.06.2015 | 18:44   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 20.06.2015 | 11:38   Melden
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