Der Hallische Hanse e.V. und der Student

Flyer Seite 1 zum Hansefest
 
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Halle (Saale): Riveufer | Bald ist es nun wieder soweit. Das 8. Hallische Hansefest steht vor der Tür und es ist an der Zeit, etwas über den Hallischen Hanseverein zu erzählen und einen Studenten, den es 1981 nach Halle verschlug. Der junge Mann, der im zarten Alter von 21 im selbigen Jahr das riesige Tschernyschewski betrat, um sich immatrikulieren zu lassen. Nachdem er dieses Wortungetüm und das beeindruckende Haus hinter sich ließ, kam er zu seiner zugewiesenen Unterkunft, den Baracken am Weinberg. Er kam, sah und wollte nur eines, so schnell wie möglich nach Hause, in sein geliebtes Halberstadt.

15 Jahre später, wir hatten uns gerade gewendet aus der alten Haut, schrieb eben jener Student, nun schon lange Lehrer in Halle-Neustadt ein Gedicht über die "Graue Diva", wie Halle auch genannt wurde.

Halle

Die graue Diva
brennt sich in meine Gedanken
und entfaltet ihr Buntsein

Als ich einst ankam
und die Saale querte
legte sich schwerer Nebel
aus den zerfallenen Häusern
wie ein tiefes Unwohlsein
über mich

Ich wollte
nur noch flieh'n

Doch die Salzstadt
wusste mich zu packen
führte mich in die Falten der Geschichte

Augenaufschlagend
öffnete ich meine Seele
sog die Jahreszeiten in mich ein
erkannte die Schönheit
des Grüns am Porhyrgestein

Jetzt bin ich angekommen
und nenn dich Heimat
alte Diva

Es vergingen weitere 13 Jahre und unser Student zog sich eine Gewandung über und wurde zum Bischof und stieß damit sein großes Tor zur leibhaftigen Geschichte auf, trat in den Hallischen Hanse e.V. ein und wurde Vorstandsmitglied. So ändern sich Zeiten, entwickeln sich Menschen.
Der Hanseverein ist sich bewusst, dass er weit hinter den Halloren und noch weiter hinter Händel steht auf dem großen Zeitenstrahl, aber die Hansezeit steht auch kurz über den Wurzeln der Halleschen Salzgeschichte und findet nur wenig Erwähnung aufgrund mangelnder Quellen, aber genug Leute, die der Idee des Handelns aufgeschlossen sind. Immerhin war Halle fast 200 Jahre lang Mitglied der Hanse, das ist länger als Händel lebte. Es gibt zwar wenig Zeugnisse aus jener Zeit, aber einige trutzige Mauern stehen schon noch, an denen man sich heute noch anlehnen kann. Da ist manches Bauwerk der Jetztzeit neidisch. Als dann der Bischof 1478 in Halle eintrat, wurde Halle 1479 durch die bischöfliche Regimentsordnung von der Hanse abgetrennt. Die Geschichte ist zwar nicht immer erfreulich, geht aber weiter, indem sich ein paar Jahre später die Bruderschaft der Salzwirker gründete und die Zeiten überdauerte.

Irgendwer war sich aber Halles Geschichte bewusst und die Stadt trat 2001 in die Neue Hanse ein. Dann vergaß sie das ganze erstmal, die Stadt war schließlich sehr beschäftigt und erinnerte sich 2009 wieder an diesen Umstand. Da war doch was!! Richtig, sagten einige Bürger der Stadt und gründeten den Hallischen Hanseverein 2009, eben jenem Jahr der Erinnerung. Und sie erinnern sich des vorhin erwähnten Studenten, der gleich mal Schriftführer im Vorstand wurde. Ein Lehrer halt. Man führte auch gleich das i im Namen "Hallische Hanse" ein und setzte damit selbigen Punkt. Weil unser Student zudem noch theatererfahren war und der Hanseverein Geschichte nahebringen will, also auch die zum Anfassen, erschien die kulturelle Abteilung auf dem Plan: Quinta-X-Essentia, was wiederum aus der Quintessenz, also noch einem i-Punkt besteht. Das X-freilich zeigt symbolisch die gekreuzten Schwerter an. Denn gekämpft wurde früher sehr gern mit solchen Waffen, wie auch lateinische Namen sehr beliebt waren.

Nun hatte die Hanse zwei i-Punkte, enthusiastische Mitglieder und einen Plan. Sie brauchten DVDs, eine Menge Holz, ein Skript und viel mittelalterliche Luft. Zu Hilfe kam ihnen die temporäre Ausstellung in der Saline „Halle-eine Hansestadt“. Dort wurde im wahrsten Sinne des Wortes Staub aufgewirbelt und die Authenzität dieser Ausstellung bekamen die Menschen zu spüren, wenn sie in Massen ihren Parcours vorbei an originalen Schauplätzen aus viel Holz drehten. Es dauerte eine Weile, bis sich der Staub legte, der tonnenweise aufgeschüttet wurde, um die Wege von damals erlebbarer zu machen.
In diesem Staub der Geschichte drehten der Hanseverein und befreundete Mittelaltergruppen dann auch einen Dokumentarfilm: „Halle – eine Hansestadt im Binnenland“. Der wurde im offenen Kanal Merseburg-Querfurt und dem Offenen Kanal Berlin gezeigt.

Der Hallenser sollte sich nicht wundern, wenn er in diesen Städten jemandem begegnet, der mehr über die Hanse weiß, als er selbst. Aber wer weiß, vielleicht bringt das bewusste Hallenser auch zum Nachdenken. Die Hanse soll ja zu den fünf Säulen der Stadt Halle gehören, das bedeutet nicht, das fünfte Rad am Wagen zu sein - glaube ich.
Doch nicht genug damit! Um das vorhandene Potenzial vollends auszuschlachten, wurden zwei weitere Filme gedreht. Einer mit dem Titel „Szenen einer Ausstellung“, eine Dokumentation über die Ausstellung und der zweite mit dem Titel „Hansische Schmunzeleien“, der in zehn amüsanten Szenen die Ausstellung spielerisch erklärte. Auch diese Filme liefen auf besagten Kanälen und sind heute noch auf YouTube zu bewundern.

So hat der Verein seit 2009 Hansefeste mitorganisiert, zur Sanierung der Pestsäule mit einer Aktion und Geldspende beigetragen, eineKita bei der großen Überschwemmung mit einem Auftritt und einer Geldspende belohnt, haben im Fernsehen unseren Verein vorgestellt und mehr als fünf Filme gedreht (weitere sind in Arbeit), sind auf dem Hanse- und Salzfest mit Geschichten rund um Halle aufgetreten, planen ein Bildband über das Hansefest zum 10-jährigen Jubiläum und haben an einer Broschüre zum diesjährigen Jubiläum gebastelt. Nicht zu vergessen: Unsere Fotogeschichten über Geschichten aus dem Mittelalter, die schon ein Heftchen füllen.
Geplant mit Unterstützung der Saalesparkassen ist eine Begegnungsstätte unter Hansischer Fahne in Lettin. Dort werden wir mit Schulen und Kitas in die Welt des Mittelalters eintauchen und spielerisch Turniere absolvieren oder eben diese Welt kennenlernen. Geplant und durchgeführt wurden solche Aktionen schon in einer anderen Scheune bei Brachwitz, die aber infolge Eigenbedarfs des Besitzers dem Verein entzogen wurde. Doch wir haben neues Quartier im Reiterhof Schurig in Lettin bezogen, das nur ausgebaut werden muss. Eine umfangreiche Aufräumaktion fand schon mit Schülern der Heinrich-Heine-Schule statt. Sie erinnern sich. Aus dem Studenten wurde ein Lehrer und der ist im Vorstand der Hallischen Hanse und hat eine Klasse des Produktiven Lernens.

Auch Auftritte sind geplant, eine Art Theatermuseum und wer Lust hat, kann auch gleich reiten gehen, wie im Mittelalter üblich, denn das Ganze wird, wie schon verlautbart, von einem Reiterhof zur Verfügung gestellt. Das nennt man dann privates Engagement. Die Kulturgruppe des Vereins führt dann auch zu den Hanse- und Salzfesten Theaterstücke rund um das Salz auf. In jedem der Stücke versucht der feiste Kaufmann Erasmus von Halberstadt noch mehr Geld einzunehmen. So fing er einen vermeintliche Salzdieb, obwohl er selbst mauschelte, ließ in einem anderen Stück den Bürgermeister entführen, legte sich mit dem Roland und der Saalenixe an, ging einen Bund mit dem Teufel ein, der bekanntlich die Mauern der Stadt baute und war der eigentliche Esel, der auf Rosen ging, als er sich mit den Kindern der Stadt anlegte. In diesem Jahr hat er es mit der „Stummen Trommlerin“ zu tun. Die versucht den Junker von Ilenburg (Eilenburg) in die Schranken zu weisen. Der hatte, so die Geschichtsquellen 1387 mit der Stadt eine Fehde. Ob es die stumme Trommlerin gab, ist nicht überliefert, wie denn auch, sie ist ja stumm.

So ist Erasmus von Halberstadt nichts anderes als jener Student, der eigentlich Halle den Rücken kehren wollte und nun langsam mit dieser Stadt geschichtlich verwachsen ist. Nun ist auch Erasmus aus damaliger Sicht eine imposante Erscheinung und sein Bauch ist für jedes heiratsfähige junge Mädchen einfach nur Glück, Versorgung und Reichtum. Insofern war er damals als Junggeselle heiß begehrt. Vielleicht ist damit auch die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten erklärbar. Früher war bekanntlich alles besser.
Mancher wird sagen, haben wir denn nicht schon Kultur genug und müssen dann noch die Hanse hochleben lassen, die auch zu damaliger Zeit keine besonders große Rolle spielte?

Nun denn, erstens für die Salzstraßen Richtung Prag, spielte die Hanse schon eine bedeutsame Rolle. Zweitens haben wir in der Tat schon viele kulturelle Höhepunkte, die bekanntlich ja nicht zur Kulturhauptstadt gereicht haben. Und drittens sind wir beim dritten i-Tüpfelchen. Sie erinnern sich? Das i in Hallische Hanse, die Quintessenz von Quinta-X-Essentia und als drittes i dann auch Begegnungsstätte und die Theaterstücke aus der guten alten Zeit. In einer Zeit der Hashtags, WhatsApps und Instagrams sind auch die kleinen kulturellen Höhepunkte wichtig. Ich weiß, jetzt kommt der Lehrer mit erhobenen Zeigefinger durch, aber der Student geht mittlerweile auf die 60 zu und ist gerne Lehrer, man sollte es nicht glauben. Noch lieber allerdings ist er Erasmus von Halberstadt aus dem Hallischen Hanse e.V.
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