Der Veilchenduft des Todes

Romelia Lichtenstein, Andriy Holubovskyy (Foto: Anna Kolata)
 
Ralph Ertel, Bruno Ribeiro, Svitlana Slyvia, Hauschor der Oper Halle (Foto: Anna Kolata)
Halle (Saale): Opernhaus |

"Adriana Lecouvreur" begeistert an der Oper Halle


VON MARIE BLANKENBURG

Die Oper Halle überzeugt mit dem Werk "Adriana Lecouvreur" des italienischen Komponisten Francesco Cilea. Ein Abend mit exzellenten Solisten, fabelhaften Orchestermusikern und optisch ansprechenden Kostümen und Bühnenbildern.
Nach einem authentischen Libretto von Arturo Colautti lebt die Schauspielerin Adriana Lecouvreur 1730 in Paris und ist der Star an der Comédie-Française. Sie verliebt sich in Maurizio, illegitimer Graf von Sachsen. Die verheiratete Fürstin von Bouillon ist ihre heimliche Nebenbuhlerin. Maurizio ist durch gesellschaftliche und politische Zwänge der Fürstin dienlich, kann sich seiner Gefühle für Adriana indes nicht verschließen. Die Dreiecksbeziehung nimmt ihren Lauf und spitzt sich durch gegenseitige Racheaktionen der Rivalinnen zu. Die Tragödie endet durch einen vergifteten Veilchenstrauß von der Fürstin, durch dessen Duft Adriana in den Armen ihres liebesbekennenden Grafen Maurizio stirbt.

Eine Rarität unter den italienischen Opern

Die selten aufgeführte Oper "Adriana Lecouvreur" steht in der Tradition der großen italienischen Opern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Komponist Francesco Cilea ist im Schatten von Puccini und Verdi heute kaum mehr bekannt. Umso erfreulicher also die Beachtung des halleschen Opernhauses und die Würdigung des Komponisten als Vertreter einer emotionalisierenden und mitreißend schönen Musik.
Die Inszenierung von Ulrich Peters, Gastregisseur und Generalintendant des Theaters Münster, ist ein musikalisch und visuell spektakuläres Fest für alle Sinne. In Peters Aufführung wurde augenscheinlich demonstriert, dass es nicht immer hochmodern und dem neuzeitigen Regietheater entsprechend zugehen muss. Dies bestätigte auch der stürmische Applaus des halleschen Publikums, nachdem der letzte Vorhang gefallen war. Die wunderbar klassisch gehaltenen Kostüme und Bühnenbilder (Christian Floeren) überzeugten durch ihren realistischen Einsatz. Die detailreiche Mode des Rokoko mit Reifröcken und Roben um die Handlungszeit der Oper wurde ebenso verarbeitet wie elegante Kleider und Sakkos aus der Entstehungszeit um die Jahrhundertwende. Das Bühnenbild in vier Bildern erstrahlte im Kerzenschein durch hohe Fenster und Räume im Glanz der Belle Époque und offenbarte durch den gezielten Einsatz von Licht (Matthias Hönig) unverhofft räumliche Zwischenebenen. So befand sich der Zuschauer bei einem Auftritt Adriennes auf der Bühne und im selben Moment in der Umkleide der Schauspielerin.

Musikalische Höchstleistungen

Die musikalische Qualität war an diesem Abend herausragend und zeigte sich in Spitzenleistungen der Sänger und Musiker. Generalmusikdirektor Josep Caballé Domenech übernahm die musikalische Leitung und interpretierte Cileas Oper als hochemotionales und imposantes Klangwerk. Dabei fehlten jedoch, wie in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen, eindeutige Einsätze für die Solisten durch den Dirigenten. Dies tat der musikalischen Qualität durch die Professionalität der Sängerinnen und Sänger und der Staatskapelle jedoch keinen Abbruch. Die Titelheldin Adriana passte hervorragend zu der erfahrenen Kammersängerin des Hauses Romelia Lichtenstein, welche die zahlreichen dramatischen Arien mit Leichtigkeit darbot. Auch die eingeschobenen und für eine Oper unüblich gesprochenen Monologe meisterte die Sopranistin ohne größere Probleme. Vor allem berührte sie den Zuhörer in den leisen und zurückhaltenden Passagen der Adriana-Partie. Ganz im Sinne ihrer Rolle zeigte die Kammersängerin höchste Professionalität, nachdem sie beim Abgang vom zweiten Akt auf der Bühne stürzte und die Premiere dennoch bravourös bis zum Ende spielte. Stimmlich überzeugten auch der Tenor Bruno Ribeiro, als Graf Maurizio von Sachsen und die Mezzosopranistin Svitlana Slyvia, in der Rolle der Fürstin von Bouillon. Der Portugiese Ribeiro schmetterte der Tradition des italienischen Heldentenors entsprechend die lang anhaltenden Forte-Stellen und zeigte nur seltene anfängliche Unsicherheiten in den Höhen. Als Fürstin von Bouillon und Rivalin von Adrienne begeisterte Svitlana Slyvia mit ihrer düsteren Mimik und ihrem dunklen Timbre. Gewohnt souverän waren auch Ki-Hyung Park als Fürst von Bouillon mit kräftigem Bass und Kwang-Keun Lee in der Rolle des Michonnet. Für den Chor (Einstudierung Jens Petereit) bot die Oper nur wenige stimmliche Einsätze, dafür stachen die Sängerinnen und Sänger mit eleganten und glitzernden Kostümen dem Publikum ins Auge.

Der Tod lauert auf der Bühne

Die Oper “Adriana Lecouvreur“ steht für die Liebe zur Kunst einer Schauspielerin, die an den politischen und sozialen Intrigen ihrer Gesellschaft zerbricht. Der Tod in personifizierter Gestalt (Andriy Holubovskyy) verfolgt Adriana von Beginn an und gibt ihr am Ende den alles entscheidenden Todeskuss. Gemeinsam betreten sie schließlich die Bühne des Todes: „So mild und stark wie der Kuss des Todes ist der Kuss der Liebe“.

Es gab einen veilchenlosen Blumenregen für die angeschlagene Romelia Lichtenstein. Bravi tutti für eine grandiose Premiere!

Nächste Vorstellung: 19. Februar um 19.30 Uhr.
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