Es bedarf echten Schauspiel-Talentes, um so widerwärtig zu wirken

Keine leichte Kost, jedoch überaus fesselnd ist das Stück "Lolita", das aktuell im Neuen Theater läuft. In einem rund einstündigen Monolog inszeniert Harald Höbinger die skandalöse Geschichte "Lolita" von Vladimir Nabokovs neu und übernimmt selbst die tragische Titelrolle des Pädophilen Humbert Humbert, der eine Zwölfjährige liebt - seine Lolita, die selbst nicht in Erscheinung tritt.

Es handelt sich um ein Ein-Mann-Stück plus Nebenrolle. Die Bühne wird zu einem Verhör-Raum. Dort breitet Humbert Humbert all die Gedanken und Gefühle aus, die er nicht haben darf, und erzählt oder vielmehr beichtet die skandalöse Liebesgeschichte von sich und seiner Lolita. Eine Polizistin, die neben Humbert Humbert wortlos auf der Bühne sitzt, ist als stumme Anklage der Gesellschaft permanent präsent.

Man kann Harald Höbinger zu seiner ergreifenden Inszenierung und Darstellung nur gratulieren. Es gelingt ihm, widerwärtig und mitleiderregend zugleich zu erscheinen und das Publikum durch eine überzeugende Darstellung gleichzeitig abzustoßen und zu fesseln.
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.