Gedanken zum Muttertag

(Foto: Marion Glaser)

Alljährlich am 2.Sonntag im Mai haben Blumengeschäfte Hochsaison, Fleurop-Boten tragen nimmermüde bunte Blumensträuße treppauf und die Tankstellen verkaufen auch die mickrigsten Sträuße - es ist mal wieder Muttertag.

Vier Kinder habe ich grossgezogen, was sich leicht anhört, aber nicht einfach war.
Erinnern Sie sich an den Film "Meerjungfrauen küssen besser"? Die alleinerziehende Mrs. Flax (Cher) sagt zu ihrer älteren Tochter Charlotte ( Winona Ryder) sinngemäss: "Als du geboren wurdest, gab es leider keine Gebrauchsanweisung dazu!" ...und genau so habe ich mich manchmal gefühlt. Auch eine Ansammlung von Erziehungsratgebern half mir nicht vollständig bei auftretenden Problemen. Und so habe ich getan, was ich gefühlsmässig für richtig empfunden habe:
Hunderte Windeln gewechselt, angeblich ekligen Hustensaft verabreicht, Pflaster auf aufgeschrammte Knie geklebt, Hausaufgaben kontrolliert und manchmal für falsch befunden, immer wieder über unaufgeräumte Kinderzimmer diskutiert, Lieblingsessen in vierfach verschiedener Ausführung gekocht, reichlich Kindergeburtstage überstanden, Elternabende besucht...auch die Unter-vier-Augen-Gespräche, gefühlte 1000x Fieber gemessen, unzählige Arme-Ritter gebraten, Diktate unterschrieben (auch die weniger erfolgreichen), bei Liebeskummer mitgelitten, Vokabeln abgehört (auch in Sprachen, die ich selbst nicht beherrsche), angeblich zu oft das Zähneputzen kontrolliert, bei Prüfungen jeder Art mitgefiebert, notwendige Medikamente in unwillige Kindermünder gesteckt, verschiedene Haustiere versorgt.... usw, usf...
Später änderten sich die Anforderungen. Es galt über Ausgehzeiten zu verhandeln, Lehrstellenverträge zu unterschreiben, eigenartige Modekapriolen einzukaufen, Studienanträge auszufüllen, Frisuren und Haarfarben zu ertragen (die einem fast die Augen verblitzt hätten), Wohnungen einzurichten, wieder Babyerstausstattungen zu kaufen, denn man zögerte nicht, mich zur Oma zu machen.
Wenn ich heute auf meine Kinderschar sehe, erfüllt mich Stolz. Alle haben ihren Weg gemacht, wie man so schön sagt. Sie stehen beruflich fest auf dem Treppchen nach oben und haben ihren Lebensmittelpunkt irgendwo auf der Welt gefunden.
Ich kann mich entspannt zurücklehnen. Offensichtlich habe ich so manches richtig gemacht, oder sagen wir mal: nicht alles falsch. Das ist ein gutes Gefühl.

Meine jüngste Tochter hat lächelnd auf ihre Karte geschrieben: "Ich danke Dir für jede Aufopferung und Qual, die Du meinetwegen erleiden musstest. Aber - wie man sieht- es hat sich ja gelohnt!"
Recht hat sie und das ist besser als jedes Konfekt und jeder Strauss.
Ich wünsche allen Müttern, dass sie etwas ähnlich Liebes gesagt bekommen... und ein paar Blumen dürfen schon dabei sein! ;-))
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