Günther Rechn stellt wieder in Halle aus

Blumenmeer und mehr im Atelier von Günther Rechn
 
Staccato (Öl auf Leinwand) von Günther Rechn
Halle (Saale): Galerie Zaglmaier |

„Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen."
 
Hermann Hesse

Blumen zum 70. Geburtstag eines wunderbaren Malers und Grafikers


Man kann trefflich reimen, wenn ein Künstler namens Rechn in eine Stadt kommt, die auf das Engste mit dem Namen Blechn verbunden ist. So geschah es 1977 als Günther Rechn Halle verließ, alle Angebote einer mehr als aussichtsreichen Hochschulkarriere an der Burg ausschlug und als freischaffender Maler und Grafiker in die Niederlausitz zog. Im März dieses Jahres feierte Günther Rechn nun seinen 70. Geburtstag. Für uns Anlass zu einer umfassenden, längst fälligen Werkausstellung des Künstlers in diesen Räumen.
 
„Das ist der Maler Günther Rechn“ tuschelte man damals, wenn der Mann mit dem markanten Bart und den zwei großen Doggen spazieren ging. Die Hunde waren immer dabei – auch manches Mal im Zeichensaal an der Kunsthochschule, wo Günther Rechn nach Abschluss seines Studiums als Assistent selbst Naturstudium und Aktzeichnen lehrte.
 
Ich traf Günther Rechn 2012 in Dessau aus Anlass einer Ausstellung für Heinz Rammelt, jenem Tierzeichner der auch als „Walt Disney des Ostens“ und vor allem als Autor der Zeichnungen zum Buch „Die Tiere haben das Wort“ von sich bis heute reden machte. Wenn Günther Rechn Heinz Rammelt als Künstler benennt, der sein eigenes Schaffen stark beeinflusst hat, so kommt er mit ebensolcher Achtung auch auf seine Lehrer Hans Rothe, Lothar Zitzmann, Willi Sitte und Hannes H. Wagner zu sprechen. Es ist auch die Wertschätzung gegenüber Lehrern, die es vermochten, die Klassen der Maler und Grafiker an der Burg zu etablieren, obwohl zur damaligen Zeit eine solche Ausbildung für Halle nicht den politischen Zielstellungen entsprach. Dass die Gobelinwirkerei letztlich Malerei ohne Ölfarbe ist, machte den Kniff aus, der nachhaltig zum Erfolg führte.
 
Wenn Günther Rechn Tiere malt, entstehen charaktervolle Porträts von Individuen. Er zeigt sie in der Landschaft, beim arttypischen Spiel in Schönheit und mit Kraft. Die leider noch immer manchen Ortes durchgeführten Hundekämpfe, die Pits, verabscheut der Maler.
 
Seit 1945 ist der „Turm der blauen Pferde“ von Franz Marc verschollen und dennoch großartiger Teil der Kunstgeschichte. Ganz anders ging Günther Rechn auf das Thema zu. Jeder Ton steht, wenn sich Rechns Pferde im Staccato zum Turm formieren. Es ist eine gewaltige Sinfonie von Pferdestärken, deren energetische Ladung selbst die zeitgenössischen Energieerzeuger im Hintergrund verblassen lassen. Hufgetrampel, Wiehern, Staub, Schweiß - kein einfältiger Don Quichotte, der die Mühlen noch als adäquaten Gegner wahrnehmen könnte.
 
In seiner Cottbuser Ausstellung zeigt Günther Rechn ebenso Arbeiten, welche aus meiner Sicht für zeitgenössische Kunstmuseen interessant sein müssten. „Der Raub der Sabinerinnen“ und „Erlkönigs Töchter“ gehören mit Sicherheit zu tragenden Werken mit intellektuell-gegenwartsbezogenem Hintergrund eines großartigen Künstlers.
 
Günther Rechn hat seit einigen Jahren die Gärtnerei zu einer weiteren Leidenschaft für sich angenommen. Fast das ganze Jahr über malt er mit Blumen und Blüten im Garten am Atelier sich stetig verändernde Bilder. Er schätze die Natur mit keimenden Sprossen, die sich üppig entwickelt und über die Blüte und den Verfall vielfältigste Phasen der Entwicklung durchlebt. Seine Landschafts- und Blumenbilder lassen seine Liebe für uns in Öl auf Leinwand miterleben.
 
Landschaften und Architektur malt Günther Rechn in der Niederlausitz wie in Italien. Er interessiert sich für Parks, die Menschen geschaffen haben, ebenso wie für Unberührtes. Getrieben von einem unstillbaren Bedürfnis arbeitet Günther Rechn stetig – kein Tag vergeht ohne einen Strich, jeder mit explosiver Kraft. In seinem Atelierkeller stehen bereits zwei wunderbare Lithopressen. Auch Steine sind da. Günther Rechn fiebert schon nach neuen Arbeiten und wir sind freudig gespannt.

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