Halle - das 10. Hansefest und der Hanseverein

Titelbild des Hansebuches zum 10. Hansefest
 
Titelblatt für Heft "Der Hansekaufmann", Band 1 ca. 12 Seiten
 
Auszug aus "Der Hansekaufmann" Band I
Als ich einst Anno 1981 Halle das erste Mal betrat, um mich immatrikulieren zu lassen, war meine Motivation in dieser Stadt schon auf dem Weg zum Tschernyschewski Haus (heute Leopoldina – Hauptgebäude der Uni Halle) angeknackst. Hier wirst du nie zu Hause sein, dachte ich mir und sehnte mich, kaum angekommen, in mein Halberstadt zurück. Die Diva in Grau schien mir an diesem Tag besonders grau und lud niemanden ein. Aber wie das so ist mit vernachlässigten alten Damen, in ihnen steckt so viel Geschichte.

36 Jahre später hatte sich nicht nur die gegenwärtige Geschichte verändert, sondern auch meine Einstellung gegenüber dieser alten Salzstadt. Besser noch, ich wurde zu einem Teil ihrer Geschichte und brachte auch gleich etwas aus meiner Halberstädter Geschichte mit. Aus mir wurde ab 2011 mehrmals im Jahr Erasmus von Halberstadt, der als Hansekaufmann in Halle nunmehr beim Hanse- und beim Salzfest sein „Unwesen“ trieb. Im wirklichen Leben wurde so aus dem Studenten ein hauptberuflicher Lehrer und ein „nebenberufliches“ Hansemitglied im Hallischen Hanseverein e.V. Es vollzog sich mit der Wende 1991 auch meine innere Wende. Insofern gelte ich wohl auch als Wendehals, der anderen Art.

2018 jährt sich besagtes Hansefest nunmehr zum 10. Mal und Erasmus tritt zum 8. Mal in einer Geschichte über die Stadt Halle auf. Und Halle ist voll von interessanten Geschichten. Die in Theaterstücken zu erzählen ist das eine, sie der Nachwelt zugänglich zu machen das Andere. Zugegeben, die Buchläden quellen über mit wissenschaftlichen Abhandlungen, Reiseführern, Fotobänden und historischen Fakten über Halle, doch der Hanseverein will ein wenig mehr, besser gesagt ein wenig „weniger“. So wurde in den letzten zwei Jahren fleißig fotografiert und Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes geschrieben.

Da ist zum einen die Publikation „Die Hansemagd erzählt“, die mit Erasmus acht verschiedene historische Orte in Halle besucht und die Geschichte gestrafft wiedergibt. Damit die ganze Sache auch das Auge anspricht, wurden die Fotografien gesketcht (in Zeichnungen umgewandelt) und das Heft in Comicform gestaltet. Zwei Orte hat die Hansemagd schon besucht, den „Giebichenstein“ und die „Moritzburg“, womit wir schon bei der nächsten Serie wären, nämlich der „Hallischen Geschichte“.

Die Moritzburg ist ja bekanntlich eine direkte Folge eines gemeinen Verrats aus dem Jahre 1478. Was dort genau geschah, erfährt man aus der historisch verbürgten Episode „Der Verrat“. Auf 24 Seiten kann man erleben, wie die Stadt ihre Freiheiten aufgeben musste, weil ein Innungsmeister die Pfänner abgrundtief hasste. Hass ist die Triebfeder zur Katastrophe, wie man auch heute leider wieder hautnah erleben kann. Die zweite Episode spielt im Gasthaus „Zum Ritter“, den es heute tatsächlich in Halle gibt. Es werden die deftigen Trinkgelage in einer Zeit gezeigt, wo solch ein Wirtshaus eine willkommene Abwechslung war. Ein fiktives Sittengemälde, das aber durch viele Erzählungen von Augenzeugen jener Zeit belegt ist. Weitere Geschichten sind in Arbeit.

Die dritte Serie „Der Hansekaufmann“ erzählt die fiktive Geschichte an Originalschauplätzen über den Hansekaufmann Erasmus v. Halberstadt. In unterhaltsamer Form wird auch die Geschichte der Hansemagd und ihrer Mutter Betlin, ein Findelkind, dass Erasmus aufzog, erzählt. Auch die Hansemagd gab es zwar so nicht, ist aber Leitfigur des Hallischen Hansevereins. Die Protagonisten geben viel über das Leben in damaliger Zeit preis und unterhaltsam wird die ganze Sache auch durch die schon genannte Comicform, bei der Fotografien in Zeichnungen umgewandelt werden und die berühmten Sprechblasen zum Einsatz kommen.[nbsp] So wird Fiktion mit Wirklichkeit vermengt, ein probates Mittel um Geschichte unterhaltsam zu vermitteln. (Als Autor habe ich wohl zu viel das Mosaik in DDR-Zeiten gelesen.)

Die Arbeit, die in diesen Heftchen steckt ist enorm. Fotoshootings und viel Zeit am Computer sind vonnöten, um jedes Bild umzuwandeln und dann alles sinnvoll zusammenstellen. Da vergeht Zeit, sehr viel Zeit. Aber, und das werden alle Beteiligten bestätigen, es macht auch viel Spaß bei den Shootings in Halle an der Saale. Die graue Diva freut sich dann über die Gewandungen aus alter Zeit und in ihren Falten blitzen die Erinnerungen an vergangene Zeiten ein wenig schelmisch auf.
Freilich werden die Hefte auch erhältlich sein, dann mit ISBN – Nummern, aber da sind noch ein paar wichtige Formalitäten zu erledigen, sodass ab Mai 2018 wohl danach gesucht werden kann.

Im Mai findet dann ja auch das 10. Hallische Hansefest statt (vom 25.05 – 27.05.18), dass diesmal viele mittelalterliche Spiele für Kinder bereithält, die Sage vom „Esel, der auf Rosen geht“ einmal etwas anders erzählt und Waren sowohl aus der alten Hanse als auch der Neuen Hanse bereithält. Man möge sich überraschen lassen.
Die genannten geschichtlichen Serien könne dann im rotweißen Hansezelt zum Hansefest erworben werden, ein Hanse Kino werden Dokumentarfilme und Schmunzelepisoden aus der Zeit der Hanse (1281 – 1479) gezeigt. Der Hallische Hanseverein schreibt nicht nur viel, sondern produziert auch Filme.

Ein besonderes Highlight wird aber das Hansebuch sein, mit dem (vorläufigen) Titel „Die Hansestadt Halle – das Hansefest und der Hanseverein“. Der 148-seitige Bildband erzählt die Hallische Geschichte und über die Bedeutung des Salzes, zeigt die Hansefeste, die Aufgaben und Ziele des Hansevereins und seine vielfältigen Projekte. Auch dieses Buch enthält eine Besonderheit, sogenannte QR-Codes, mit denen man mittels Handy besagten Code scannen kann, die den interessierten Leser ins Internet entführen und Filme sowie Internetseiten und auch Hördateien von Sagen aus Halle vorstellen. Da hat man dann ganz schön zu tun, sich alles zu Gemüte führen zu wollen. So sind viele interessante Filme in den letzten sechs Jahren entstanden und zeigen Geschichte seriös, aber auch zum Schmunzeln. Übrigens laufen die Filme in YouTube, aber auch auf dem Merseburg-Querfurt-Kanal und demnächst in Berlin in einem Freien Sender. Sollten weder die Fotogeschichten, noch das Hansebuch einem Zusagen, so holt man sich zum Hansefest verfilmte Kochrezepte aus alter Zeit. Sieben Rezepte (nicht nur aus dem Mittelalter) werden unterhaltsam dargestellt und sogar Hallische Mundart ist zu hören.

Als ich einstmals mit finsterer Miene Halle im Jahre 1981 betrat, wusste ich nichts von der Geschichte Halles, die mich 36 Jahre später fesselte, sodass sich eine seltsame Liebe zu der alten Dame auftat.
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