Halle liest - "Auch im Norden tut man morden"

(Foto: http://www.mitteldeutscherverlag.de/index.php?page=shop.product_details&flypage=shop.flypage&product_id=1428&category_id=49&option=com_virtuemart&Itemid=66&vmcchk=1&Itemid=66)
Mehr denn je ist er beliebt der Regionalkrimi und hat mit Blick auf seine Schauplätze inzwischen auch die Küsten von Nord- und Ostsee sowie deren vorgelagerte Inseln erobert. Unter der Bezeichnung „Inselkrimi“ finden sich so auch etliche auf Hiddensee spielende Titel, zu deren Autoren u. a. der in Halle geborene und in Berlin lebende Tim Herden gehört. Herden ist bislang eher noch durch seine Arbeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekannt als durch seine Bücher mit den beiden sich ewig aneinander reibenden skurrilen Ermittlern Stefan Rieder und Ole Damp. Dies könnte sich ändern. Nach „Gellengold“ (2010), „Toter Kerl“ (2012) und „Norderende“ (2014) erschien mit „Harter Ort“ nun rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse der vierte Band seiner Reihe im Mitteldeutschen Verlag in Halle, welcher nach bewährtem Rezept geschrieben wurde. Herdens grundlegendes Herangehen ist dabei ebenso simpel wie genial - er dringt über seine beiden Ermittler mit dem Blick des Fremden in die idyllische, für Außenstehende schwer zugängliche Welt der Insulaner ein. Nicht nur Rieder, ein im Großstadtdschungel Berlins vom Ausbrennen bedrohter Ermittler, der sich nach Hiddensee versetzen ließ, ist so ein Fremder, auch Damp bleibt als Ruganer zumeist außen vor. Sie gehören damit irgendwie zur großen Schar derer, die gern und oftmals auch regelmäßig Urlaub auf der Insel machen und dabei trotz aller Bemühungen kaum Zugang zu den rauhen Eiheimischen finden. Bei der Lektüre können diese Urlauber nicht nur ihre Erlebnisse und Eindrücke mit denen der beiden abgleichen, sondern darüber hinaus schwer einsehbare und bislang unbekannte mentale Areale der Bewohner Hiddensees erkunden. Genaue Weg- und Ortsbeschreibungen sowie anschauliche Schilderungen der Natur wecken rückblickend Erinnerungen an selbst erschlossene oder vorausschauend Neugier auf bislang verborgen gebliebene Bereiche der Insel. Zudem finden sie in ausgewogenem Verhältnis das vor, was sie aus ihrem sonstigen Leben kennen – die Mühen und kleinen Abgründe des beruflichen Lebens, ebenso aber auch die vielen privaten Verquickungen, die da als Nachbarschaftsstreit, Seitensprung, Stammtischgebaren o. ä. daherkommen. Letztendlich bietet Herden dem Leser auch noch das, was einen guten Urlaubskrimi ausmachen sollte – das Verbrechen, welches irgendwie (noch) glaubhaft zur Insel passt, die Leser bewegt, aber nicht über ein gesundes Maß hinaus erregt. Also Geschichten ohne Psychopaten, Weltverschwörungstheorien oder CSI-Hype, dafür mit überschaubarer Aufregung, wenig Blutvergießen und mitunter sogar Restzeit für Romanzen oder die Verkehrssicherheitskontrolle von Fahrrädern. Nachdem in den ersten drei Bänden unspektakulär illegale Schatzsucher, RAF-Aussteiger und expansionswütige Bauunternehmer ums Leben kamen, ist nun ein überambitionierter, zugleich überschuldeter Neuhotelier das Opfer. Wie so oft finden sich zeitlich gut arrangiert wieder vielfältige Spuren, welche geschickt zwischen jüngster Geschichte und aktueller Gegenwart verlaufen, die Ermittelnden in manche spannende Sackgasse führen und von diesen nach einigen Irrungen und Wirrungen letztendlich richtig gedeutet werden und zur Lösung des Falles führen.

Wer sich selbst ein Bild von Tim Herden und seinem neuen Kriminalroman machen möchte, kann dafür die „3. Kriminacht im Landgericht“ nutzen, welche am 16.3. im Rahmen von „Halle liest“ stattfindet.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 12.03.2016
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