"Lange Nächte in Tiflis"

 

Heute mal kein neuer Artikel über die fünf Reisenden (der kommt in Bälde), sondern eine Ankündigung.
Einige von Euch wissen, dass ich die Damen und Herren vom leavinghomefunktion - Projekt in ihrem georgischen Winterlager besucht habe.


Es waren zehn wirklich interessante, aufregende und zuweilen feuchtfröhliche Tage, in denen mir "einBuch passiert" ist, das nun endlich seinen Weg in die Öffentlichkeit findet. Zunächst ist das Buch bei mir bestellbar (PN an mich) und ab dem 1.8.2015 ist es dann im Handel und bei allen bekannten Onlineanbietern erhältlich.

Im Anschluss an den Klappentext gibt es exklusiv eine kleine Leseprobe.

Klappentext:

Georgien hat mir gezeigt, dass wir anders leben können,
dass wir anders leben sollten, um wieder das zu werden,
was wir waren: Menschen!
Georgien hat mir gezeigt, dass wir das können und
dass wir verstehen sollten, dass wir
eine Gemeinschaft sind, wir Menschen,
dass wir einander und nur einander haben.
Georgien hat mir einmal mehr gezeigt,
dass ich mit MEINER Lebzeit lieber selbst anfange,
was ich meine, damit anfangen zu müssen,
denn sie ist das einzige Besitztum in unserem Sein.
»Lange Nächte in Tiflis« - ein Buch über das Reisen.
Vor allem aber über das Ankommen.
Bei den Anderen und bei sich selbst

Leseprobe aus "Lange Nächte in Tiflis" - Kapitel eins "Der Tag der Abreise"

Vor dem Spiegel wird mir zum ersten Mal flau im Magen. Immer wieder wurde ich in den vergangenen Tagen gefragt, ob ich aufgeregt sei, ob meiner Reise, der Tatsache, zum ersten Mal im Leben zu fliegen. Und immer wieder antwortete ich mit einem ehrlichen "nö!" Nun aber, wo der Zeitpunkt immer näher rückt, wächst das, was sie wohl meinten, mit der Aufregung, von der sie sagten, sie wären es, könnten wohl die Nacht vor dem Start kaum schlafen.
Und diese Aufregung paart sich mit dem Gefühl, meine Freundin zu vermissen und mit der typischen Unsicherheit bezüglich der Reise. Erwische ich den richtigen Zug, verreiße ich irgendwas am Airport, habe ich beim Online-Check-in alles richtig gemacht, sind die Taschen nicht doch zu schwer… Ein Kauderwelsch aus Sätzen mit Fragezeichen am Ende… und mir wird klar, dass ich freilich die letzten Tage aufgeregt war, dass ich jedoch dieses Gefühl gut verdrängen konnte, zumal ich ohnehin ein Mensch bin, der im Jetzt lebt und sich selten mit Gedanken beschäftigt, die sich im Morgen abspielen.

Wie gesagt, nie zuvor bin ich geflogen. Einmal habe ich einen Flughafen von innen gesehen. Sturzbetrunken in der spontanen Idee, mit einem Bekannten, der nicht minder betrunken war, einfach irgendwo hinzufliegen. Am Ende landeten wir mit einem schrottreifen VW in der Nähe der französischen Grenze.
Ich weiß also gar nicht wie das geht… fliegen…
Hätte man es mir nicht gesagt, ich hätte das Online Check In nicht gemacht. Ich wäre wie der Trottel vom Dorf an den Schalter der Airline gegangen, hätte meine Onlinereservierung auf den Tresen gelegt und zugesehen, wie die Dame oder der Herr sich lustig über mich macht.

Und gleich stehe ich in einer riesigen Halle voller Menschen und habe nicht die geringste Ahnung, was ich wie machen muss. Hätte mich früher nicht gejuckt. Ohne mir groß Gedanken zu machen, wäre ich drauf los gefahren, hätte am Flughafen meine Intuition Führer sein lassen und wäre entweder im richtigen Flieger am richtigen Ort gelandet oder eben nicht.
Ich hätte auch nicht plötzlich solch paranoide Gedanken, wie etwa "was ist, wenn die Kiste abstürzt?" "Was, wenn ein durchgeknallter Freak die Maschine entführt?", "Was, wenn während der vier Stunden Aufenthalt in Istanbul ein mit Sprengstoff behängter IS Anhänger das christliche Fest zum Anlass nimmt, eine Hand voll europäischer "Ungläubiger" in die ewigen Jagdgründe zu schicken oder eine Gruppe so genannter Terroristen neue Kopf-ab-Opfer suchen?"
Diese dämlichen Gedanken machen mich noch wahnsinnig. Blöder Unfug in meinem Kopf, der sich strikt meinen Befehlen widersetzt, sich gefälligst zu verpissen!

Versteh mich nicht falsch. Ich will hier nicht rüber kommen wie ein Bettnässer. Oben schrieb ich es schon einmal: die Vernunft ist die Summe aus Wissen. Oder eben dessen, was wir meinen zu wissen. Im Zeitalter der offenen Fenster zur Welt, wo überall alles steht, wo es für alles Expertenmeinungen gibt, wo jeder seinen Mist als Fakten verkaufen kann, ist das mit dem Wissen so eine Sache. Wer weiß, was er weiß? Wer kann mit Fug und Recht behaupten, die ultimative Wahrheit zu kennen, ohne sich dabei lächerlich zu machen?
Und eben deshalb stand ich heute Morgen kurz nach halb fünf im Bad und mir wurde flau im Magen. Zum Frühstück bekam ich kaum etwas herunter. Drei, vier Bier wären mir am liebsten gewesen.

Und nun sitze ich in diesem ICE. Das Schwarz des Himmels ist zu einem dunklen Blau geworden. In weniger als einer halben Stunde werde ich in Berlin sein und wie der Ochs vorm Tor die Informationsfetzen meiner Bekannten in Sachen Fliegen wie ein kompliziertes, dreifarbiges Puzzle zusammenzusetzen versuchen, um mir so eine Karte zu erstellen. Und aus dem flauen Gefühl ist ein ausgewachsenes Kribbeln geworden. Ich fühle mich, als sei ich frisch verliebt und träfe die Angebetete nach drei Wochen zum ersten Mal wieder. Aber vielleicht ist das auch einfach nur der Hunger…

Was bisher geschah ...

Lesen Sie mit:


Teil 13: Die Geduldsfäden werden dünner
Teil 12: Warum es in Russland jetzt schnell gehen muss
Teil 11: Fehlende Papiere
Teil 10: Ende der Winterpause
Teil 9: Schießwütige Georgier, Hangranaten und Hünen mit Äxten
Teil 8: Angekommen im Land des Winterlagers
Teil 7: Frieren ist relativ
Teil 6: Durchgeknallte Lkw-Fahrer und eine Nacht im Maisfeld
Teil 5: Eine schmerzhafte Wurzelbehandlung und Ankunft in Serbien.
Teil 4: Station im Paradies und Ärger mit dem Motor
Teil 3: Probleme mit den Maschinen und eine Irrfahrt durch Passau
Teil 2: Die erste Etappe
Teil 1: Die fünf Köpfe unter den Helmen
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