Merseburg auf Wanderschaft – ein Kunstprojekt

Merseburg? Ist das nicht die B91 mit ein paar Häusern links und rechts der Straße? Mit dieser provokanten Gegenfrage ist zu rechnen, wenn gegenüber einem Nicht-Einheimischen die Rede von der Stadt der Zaubersprüche ist. Merseburg fristet zwischen den Städten Halle und Leipzig ein Schattendasein, ohne das wirklich verdient zu haben. Selbst Einheimische wissen oft nicht den Zauber ihrer eigenen Stadt zu schätzen. Wie kommt das?
Näheres Nachfragen offenbart meist, dass der Betreffende, der sich eben noch wenig angetan von Merseburg zeigte, schlecht begründen kann, wie er zu dieser Einstellung gekommen ist. Manche haben Merseburg nicht einmal besucht, sind tatsächlich nur hindurchgefahren, ohne einmal genauer hinzuschauen.
Ich kann jedem nur empfehlen, Merseburg einmal in seiner Saale-Radtour zu berücksichtigen oder auch vom Bahnhof aus zu Fuß zum Merseburger Schloss hinaufzulaufen. Sobald man durch das Krumme Tor hindurch auf den Merseburger Dom zuläuft, tritt man in eine dem Alltag ein wenig entrückte Welt ein. Im Sommer bei guten Wetter ist der Schlosspark ein wahrer Augenschmaus und lädt ein, auf einer Bank oberhalb des Wehrs gelegen, dem Saalerauschen zu lauschen. Die Gegend um das Merseburger Schloss offenbart sich als ein Kleinod, in dem zu verweilen sich lohnt.
Wir, die Brüder Pockrandt, haben uns zur Aufgabe gemacht, das Image unserer Geburtsstadt durch ein gemeinsames Kunstprojekt aufzupolieren. Panoramafotografien und malerische Mischtechniken setzen Merseburg neu in Szene und verblüfften schon im vergangenen Jahr den geneigten Betrachter.
So sprachen uns auf einer Vernissage in Halle ehemalige Merseburger an, die im Betrachten unserer Arbeiten wieder Heimat fanden. Es gibt auch Merseburger, die ihrer in die USA ausgewanderten Verwandschaft den zum Projekt erschienenen Kunstkalender zuschickten, um ihnen ein Stück heimischen Boden zukommen zu lassen. Selbst zur diesjährigen „Kunst-Stadt(t)-Mauer“ in Zerbst erstaunten die Besucher beim Blättern unseres Kunstkalenders und nahmen sich vor, Merseburg einmal zu besuchen.
Kunst ist Kommunikation. Dieser allgemeine Satz ist für uns durch das gemeinsame Projekt FoKus Merseburg lebendig geworden. Auch in Bottrop, Merseburgs Partnerstadt, wurde eine Künstlerin auf das Projekt aufmerksam und kümmert sich nun darum, dass wir dort im nächsten Jahr ausstellen können.
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Dieses Klee-Zitat fällt mir ein, wenn ich darüber nachdenke, dass unser Kunstkalender dem Betrachter eine Stadt vor Augen führt, die er im alltäglichen Leben wahrzunehmen verlernt hat.
Merseburg? Das ist nicht die B 91 mit ein paar Häusern links und rechts der Straße! Aber um das zu entdecken, muss man sich etwas Zeit nehmen.

Nähere Informationen zum Projekt unter www.pro-fokus.de.
1
1
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
6 Kommentare
1.214
Jürgen Jankofsky aus Leuna | 03.12.2012 | 17:18   Melden
15
Frieder Badstübner aus Halle (Saale) | 04.12.2012 | 14:18   Melden
58
Ute Werneyer aus Landsberg | 05.12.2012 | 23:26   Melden
295
Danilo Pockrandt aus Halle (Saale) | 24.12.2012 | 10:55   Melden
2.980
Gottlob Philipps aus Halle (Saale) | 29.12.2012 | 19:21   Melden
295
Danilo Pockrandt aus Halle (Saale) | 29.12.2012 | 20:52   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.