Mit der Ural nach New York - Schießwütige Georgier, Hangranaten und Hünen mit Äxten

Strandpromenda (Foto: leavinghomefunktion.com)
 
blaues Häuschen bei Nacht (Foto: leavinghomefunktion.com)
 
Blaues Häuschen bei Tag (Foto: leavinghomefunktion.com)
 
Elisabeths fest gefahrene Ural (Foto: leavinghomefunktion.com)
 
Aufwachen im Fischerhäuschen (Foto: leavinghomefunktion.com)
 
Georgischer Gebirgspass (Foto: leavinghomefunktion.com)
 

Mit Lisas Augen durch Georgien


Nicht selten bevor ich beginne, einen weiteren Teil über die Uralgang zu schreiben, sitze ich an meinem Schreibtisch, stütze die Ellenbogen auf die Tischplatte, lege den Kopf in die Hände, schließe die Augen und versuche, mich in den Bericht zu denken, den ich kurz zuvor las. Ich projiziere mich in die Person, von der ich die Stichpunkte, oder Tagebucheinträge aktuell bekommen habe, stehe morgens auf, indem ich mich schwerfällig aus dem warmen Schlafsack in die recht kühle Morgenluft schäle, in den Resten des abendlichen Feuers stochere, um die verbliebene Glut zu überreden, die vier, fünf kleinen Zweige zu entzünden, die ich eben oben auf legte.

Ich hole den Kaffee aus dem Beiwagen von Lisas Motorrad, der den gesamten Vorrat in Sachen Verpflegung transportiert. Ich blicke mich um. Die Anderen schlafen noch. Svens Schnarchen schallt durch das Tal in dem wir uns befinden und hält auch das hungrigste Untier davon ab, den 25 Meter Respektradius zu durchbrechen.

Es funktioniert. Mit einer kleinen Flamme beginnen die Zweige zu lodern, ich lege nach und fülle Wasser aus dem Kanister in den kleinen Alutopf, stelle in auf die Steine, die den Rand des Feuers säumen und warte darauf, dass das Wasser zu kochen beginnt. Währenddessen drehe ich mir eine Zigarette und als sei dieser typische Geruch von dunklem Tabak, dessen bläulicher Qualm gerade über die Schlafsäcke der Anderen weht, ein zuverlässiger Wecker, stoppt das Schnarchen von Sven, Johannes öffnet die Augen und noch bevor er ein zerknittertes „Guten Morgen“ durch die Lippen zu pressen imstande ist, reckt sich seine Hand der meinen entgegen, die die Zigarette hält. „Lass mich mal ziehen!“ soll das heißen und natürlich - ohne Dampf kein Kampf – reiche ich
sie weiter.

Und so erwachen allmählich alle. Das Wasser kocht, es gibt Kaffee und die Reste des gestrigen Abendbrotes. Zwei Stunden später ist alles verstaut und festgezurrt. Ich stehe an meiner Ural, trete den Kickstarter gen fremdländischen Boden und drehe dabei den Gasgriff eine Zehntel Umdrehung, der Motor tuckert los, als fehle ihm Schlaf aber kommt recht schnell auf Touren. Ich schwinge mein rechtes Bein über die Sitzbank und lasse mich auf der Selben nieder.

Spätestens hier endet meist meine Vorstellungskraft. Vor einigen Jahren saß ich einmal auf einer Simson S50. Sturzbetrunken, im wahrsten Sinne des Wortes. Die jugendliche Unerfahrenheit, gepaart mit der Promillezahl und dem proportional zu ihr steigenden Leichtsinn, ließen mich keine 500 Meter weit kommen. Das Ergebnis: S50 Schrott, Fleischwunden an Ellenbogen, Knie und Kinn, doppelt gebrochener Kiefer. Eine Lehre! Ich stieg nie wieder auf ein Motor – betriebenes Fahrzeug, das weniger als vier Räder hat. Und so komme ich eben immer nur bis zu dem Punkt, an dem ich auf die Ural steige. Dann bin ich wieder Kruppe, sitze an meinem Schreibtisch und beginne, zu tippen.

Soviel zu meiner Person. Die jedoch ist ja so gesehen recht unwichtig. Wir wollen wissen, wie es weitergeht, höre ich euch schimpfen, als machen wir weiter. Mit Anne passierten wir die Grenze nach Georgien. Mit Lisa wollen wir nun einen kurzen Abstecher nach Russland machen. Und wie schon Anne zuvor, schickte mir auch Lisa, einen recht ausführlichen Auszug ihrer Tagebucheinträge. Ein neuerlicher, sechsseitiger Konflikt für mich, denn auch, wenn Lisas Ausdruck anders als der von Anne ist, so steht er in Sachen Transport des Erlebten, in Sachen schriftlicher Zeichnung von gesehenen Bildern in nichts nach. Und wieder bleibt mir nur, hier und da die eine oder andere Korrektur vorzunehmen, allzu verschachtelte Sätz vielleicht ein bisschen zu vereinfachen und einen Kommentar von Außen zu verfassen, der selbsthin eigentlich auch nur die Aufgabe erfüllt, mich nicht gänzlich nutzlos dastehen zu lassen.

Zunächst jedoch, und auch das kennen wir ja nun schon, betrachten wir den Schluss des letzten

Berichts erst einmal mit Lisas Augen:

„Wahnsinn – heute erreichen wir tatsächlich schon Georgien“


Tag 38 – Dienstag 14.10.14 / 225 km / 15 l!

„Es ist erstaunlich, wie schnell etwas zu einem Zuhause wird, denke ich, als wir heute Morgen in dem kleinen Fischerhäuschen, das wir uns gestern Nacht auf dem kaum mehr als 3 m breiten Streifen zwischen Straße und steinigem Abhang zur Brandung, als Schlafplatz okkupiert haben, erwachen. Notgedrungen – da die Türken – absurderweise – ab Samsun ihren kompletten Küstenstreifen mit einer Schnellstraße verbaut haben, und somit die Möglichkeit, auf wild-lauschige Standidylle, erstickten.
Heute Morgen ist Svens Maschine der Übeltäter, der wie fast jeden Tage einen raschen, komplikationslosen Aufbruch vereitelt. Naja gut, die Batterie war leer, weil der Gute sie gestern Abend ‘auf Zündung’ in die Nacht entlassen hat. Kann schon mal passieren. Ich denke solche „Fauxpas“schleichen sich ein, weil sich die Anfangseuphorie in der Rolle ’Fahrer einer Ural’, der vorbildlich, bei jedem Stopp den Zündschlüssel umdreht, den Benzinhahn schließt und zum Schutz vor dem Wegrollen einen Gang einlegt, langsam in tägliche Routine verwandelt – und die Ural mehr und mehr zum völlig selbstverständlichen Gebrauchsgegenstand wird.
Nach mittlerweile gut einstudierter Starthilfe, brechen wir also mit der üblichen Verspätung in Richtung Batumi auf. Wahnsinn – heute erreichen wir tatsächlich schon Georgien.

Aber vorher gibt es noch eine kurze Rast in einem türkischen Lokal mit (Nadelöhr-großem) Blick aufs Meer zum „Pide“ essen. Elle hat diesen Wunsch schon vor Tagen geäußert, und so kommen wir diesem auf den letzten hundert Metern Türkei noch nach. Das Menü ist reichlich, spottbillig und nebenan findet sich passenderweise noch ein Motorrad-laden, in dem wir einkehren und unsere, allmählich an ihre Grenzen stoßende Städter-Garderobe aufstocken. Meine Nieren freuen sich über einen neuen Gurt, Elisabeth ist mit einer Jacke beglückt, in der sie, nicht wie in der bisherigen, total schwimmt und Anne hat die Hosen an. Die Jungs hingegen sind unbelehrbar. Unsere Versuche, ihnen Helme anzudrehen, die vielleicht etwas mehr abhalten als nur die Sonne, laufen ins Leere. Johannes bezichtigt uns des Kaufrausches und Sven vertritt seinen Entschluss, alles, was von nun an gegen Kälte angeschafft werde, müsse mindestens aus Fell sein.

Zu guter Letzt, ist die Inkompatibilität unseres Plastegeldes schuld, dass wir von einem der vielen, in und um das Geschäft abhängenden Männer, stundenlang, völlig umständlich, zum Bezahlen in ein scheinbar verbrüdertes Musterhaus-Küchen-Fachgeschäft, bis an’s andere Ende der Stadt und zurück gefahren werden. Etwas nervig, wenn man bedenkt dass ich zum Beispiel umgerechnet ungefähr 10 € bezahlt habe… Was soll’s – als wir zurückkommen, warten die Jungs schon ungeduldig und endlich geht es weiter in Richtung Grenzübergang.

Keine zwei Stunden später führt Anne, hoch-euphorisiert und mit vor Hitze glänzenden, knallroten Wangen, ihr erstes, georgisches Freudentänzchen auf – im übertragenen Sinne. Es ist schon verrückt, was so ein Grenzpfosten ausmachen kann.
Wo mancher Übergang kaum spürbar war, scheint an der türkisch-georgischen Grenze auf einmal alles Kopf zu stehen – sogar das Wetter. Kaum eine halbe Stunde auf georgischem Boden, reißen wir uns vor Hitze die Klamotten vom Leib und auch das Zufallsroulette der Schlafplatz-suche meint es gut mit uns und spuckt uns an eine eigenartige, aber schöne, künstlich angelegte 3-Komponenten-Strandpromenade.

Vom Wasser aus ein 20m breiter Streifen etwa Katzenkopf-großer, aufgeschütteter Steine, angrenzend an eine kilometerlange, ca. 5m breite, akkurat von Palmen gesäumte Promenade mit einer fragwürdigen, in den Beton eingepressten, Holzoptik.
Wir alle halten am Ende dieser Promenade, nur Elisabeth kann die sibirischen Offroad-Disaster, die uns noch blühen, nicht mehr erwarten und beschließt kurzer Hand, sich in diesem ominösen Steinstreifen festzufahren. Eigentlich ist sie eine sehr gute Fahrerin, und beantwortet die deshalb aufkeimende Frage „wieso nur???“ lachend mit „Naja…ich wollt halt mal probieren ob’s geht“. Ganz klar – das wird morgen ein Fall für unsere neue Seilwinde. Von georgischem Koriander-Bier und Schokolade beseelt, schlafen wir inmitten unserer Karren ein.“

Gewehre, Handgranaten, Schüsse und Hünen mit Äxten… Georgien scheint gefährlich!


Tag 39 – Mittwoch 15.10.14 / 111,1 km!

„Sollten wir jemals des Nachts im Schlafe überrascht werden, beziehungsweise in eine lebensbedrohliche Situation kommen, dann gehe ich als erstes drauf. Als ich heute Morgen aufwache, sitzen die Anderen, wie so oft, schon in ihren Schlafsäcken, rauchen und werten die jüngsten Geschehnisse aus. Heute: Vier von fünf werden von Stimmen geweckt und finden sich in ihrem Schlaflager umringt von Männern mit Hunden wieder. „Ich dachte mein Schwein pfeift – der Eine hatte ein Gewehr über der Schulter“ – berichten sie.
Also ich für meinen Teil habe geschlafen. Was soll ich sagen – ein Stein, ist ein Stein, ist ein Stein. Nach dem ersten Kaffee geht es gleich weiter im Programm der Absurditäten, als ein Jogger heran naht und statt Gewichte in den Händen zwei Handgranaten mit sich führt. Er ist freundlich und unterbricht auf unserer Höhe sein Fitnessprogramms für einen kurzen Schnack. Hat man so was schon erlebt?

Etwas später, nach dem morgendlichen Bad im schwarzen Meer, fallen nicht weit die ersten Schüsse. Wir sind erst ziemlich irritiert, bis sich eben jene Schüsse, einem Mann zuordnen lassen, der sich einige hundert Meter entfernt, scheinbar auf die Jagt begeben hat. Fragt sich nur worauf… Irgendwann, nachdem er etwa zwanzig Mal abgedrückt hat, beobachten wir, wie über dem Schützen ein winzig kleiner Vogel vom Himmel fällt. Das Sprichwort „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ drängt sich auf und schnell ist dem Mann unter Gekicher die „traditionell-georgische Zaunkönig-Jagd“ angedichtet.

Herrlich – ich mag das Land jetzt schon.

Erste Amtshandlung unsererseits, ist nach Elisabeth’s gestrigem ‚Parkmanöver‘ nun der feierliche, erste Gebrauch der Seilwinde. Gesagt getan, ist – zack zack zack – der Bock wieder an Land geleiert, Elle kann wieder aufsteigen und muss nicht unter die hiesigen Zaunkönigjäger gehen. Wir brechen auf, denn vor uns liegen rund 470 km georgisches Land, dass es bis Russland noch zu überqueren gilt und die Zeit sitzt uns im Nacken. In einer Woche läuft unser erstes Russland- Visum aus, das für die längerfristigen Visa, die wir nächstes Jahr beantragen müssen, um Russland durchqueren zu können, von essentieller Bedeutung ist.

Die durch diesen Zeitdruck entstandene Hast drückt der Gruppe spürbar auf das Gemüt. Wo Umgebung und Geschehnisse, förmlich danach schreien, können wir nicht Innehalten. Ein großes Opfer, dass wir für das Ziel – den russischen Stempel im Pass – bringen müssen. Die sehnsüchtige Freude aller, auf das geplante Winterlager nach Russland, ist deutlich spürbar. Endlich zur Ruhe kommen, all die liegengebliebenen Eindrücke verarbeiten und die Zeit finden, das in Angriff zu nehmen, was sich jeder von uns seit Ewigkeiten vorgenommen hat.

Die heutigen 111,1 km die wir zurücklegen bevor uns die Dunkelheit bremst, sind gar kein so schlechter Schnitt, wenn man bedenkt dass ein zu überquerender Gebirgspass mit einfließt. Erwähnenswert, sind an dieser Stelle auch die grottenschlechten, georgischen Straßen – dicht besät mit Schlaglöchern so tief wie Bordsteinkanten hoch. Die einschlägiste Baumaßnahme der letzten Jahre nämlich, ist keine Verbesserung an den Straßen selbst, sondern lediglich eine Flut von am Straßenrand neu errichteten Schildern, auf denen sich mehrsprachig und in aller Form für die schlechten Straßenverhältnisse entschuldigt wird (kein Witz!).

Es ist bereits stockfinster, als wir uns in einem der zahlreichen, leuchtend angestrichenen, „Haltestellen-Häuschen“ für Marschrutka-Passagiere der Bergregion niederlassen. Unseres ist neben gesichteten gelb- und rosafarbenen, Himmelblau gestrichen.
(Marschrutka = weiße, meist extrem lädierte und überfüllte Kleinbusse, die generell mit überhöhter Geschwindigkeit wie Schrapnelle über die georgischen Straßen schießen und definitiv lebensbedrohliches Potential für den jeweiligen Gegenverkehr haben) Kurz bevor das Abendessen fertig ist, bekommen wir Besuch, der uns zuerst nicht ganz geheuer ist. Zwei Männer, Hünen, besteigen wortlos die drei Holzstufen zum Eingang unserer Hütte. Der Eine hat eine Axt über der Schulter.

„Gamarjoba!“, tastet sich Johannes vor.

„Gamarjoba“, erwidern sie.

Ok, die erste Irritation verfliegt. Axtmörder die freundlich grüßen, das ist doch eher unwahrscheinlich. Es sind Holzfäller, wie sich bald herausstellt, die nach getaner Arbeit, von den Bergen in’s Dorf zurückkehren und denen auf ihrem Heimweg unsere ungewöhnliche Residenz nicht unbemerkt bleibt.

Sie sind neugierig. Nach den üblichen, ersten Sprachverhedderungen, (georgisch? – nein -englisch? – nein – russisch? – etwas, eher schlecht u.s.w.) versucht Anne es auf türkisch und hat Glück. Sie haben wohl einige Zeit in der Türkei als Teepflücker gearbeitet und so die Sprache gelernt.

Es war ein netter, kleiner Besuch – mitessen, wollten sie nicht, aber als Sven nach einer Einkaufsmöglichkeit fragt, um Bier und Salz, dass uns ausgegangen war, zu besorgen, fasst sich der Eine ein Herz und steigt für die Besorgungen zu Sven auf die Ural. Eigentlich hatte er ihm nur den Weg erklären wollen – „ganz einfach – nur ein Kilometer, kann man nicht verfehlen“ – aber Sven erzählt später, dass es gut war, ihn dabei gehabt zu haben, weil er sonst nie im Leben den Weg, über die verworrenen, stockfinsteren Waldstraßen, zu uns zurück gefunden hätte. Dass den Richtungs- beziehungsweise Entfernungsangaben hier zu Lande nicht zu trauen ist, haben wir uns mittlerweile schon anhand etlicher Situationen hinter die Ohren schreiben können.“

Und vielleicht auch bald aus erster Hand


Nichts also für zartbesaitete Hotelreisende. So ein Trip ist eben auch ein Abenteuer, auch, wenn ich mich erinnere, dass das Wort „Abenteuer“ bei den fünf Freunden eher auf Ablehnung stieß, als ich sie im August über ihr Vorhaben ausfragte. Dennoch, ich versuche mir vorzustellen, was ich in solchen Situationen wie den oben beschriebenen gedacht und gefühlt hätte. Abgesehen davon, dass mir der Arsch mehrfach auf Grundeis gegangen wäre, hätte ich spätestens nach den Schüssen am Meer eine gut sortierte Apotheke gesucht, um mir Blutdrucksenker zu besorgen. Und noch bevor ich zu lebensrettenden Maßnahmen im Nachthort gegriffen hätte, hätte ich wohl panisch nach dem kleinen braunen Glasfläschchen gesucht, mir eine Dosis zu verpassen, bevor die Axt des Hünen meiner physischen Versehrtheit bedrohlich nahe gekommen wäre. Mit gesenktem Blutdruck stirbt sich’s vielleicht nicht einfacher, aber man kann den letzten Sekunden seines Seins eher ruhig entgegenblicken. Kurzum: ich hätte mir wohl mehrfach die Hosen bis zum Stehkragen beschmutzt.

Aber die unbefangene Lockerheit jedes einzelnen dieses außergewöhnlichen Quintetts, scheint jede noch so brenzliche Situation mit Bravour und einer Gelassenheit zu meistern, die ihren Vergleich sucht. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein kleiner Schisser der zu viele Filme gesehen hat und du, lieber Leser, denkst an dieser Stelle: was für eine Memme. Nun, da hast du im Ansatz recht. Deshalb sitze ich ja auch hier am heimischen Schreibtisch. Ein Feigling der sich mit den Abenteuern Mutiger brüstet? Nicht ganz, denn wenn alles so klappt, wie wir uns das alle vorstellen, besteige ich im Dezember zum ersten Mal in meinem Leben ein Flugzeug, um unsere fünf Freunde in Georgien zu besuchen. Dann natürlich mit allem Drum und Dran – und mit Blutdrucksenkern, die ich allein für den Flug schon brauchen werde. Aber ich will nicht immer nur aus der Ferne schreiben, versuchen, mir vorzustellen, wie das wohl ist, da draußen, in der großen Welt, sondern dabei sein, um eine gewisse Nachvollziehbarkeit (für mich) herzustellen, damit ich dich, euch, geneigte Leser, weiterhin mit Textwerk und Berichten versorgenkann und dabei zumindest auf eine kleine Schatzkiste eigener Erfahrungen zurückgreifen kann. Dann nämlich, muss ich den Kopf vielleicht nicht mehr in die Hände legen und mich an den Ort des Geschehens denken, so unerfahren wie ich in Sachen reisen nun einmal bin, und aus erdachten Bildern reale Geschichten formen, wie es einst Karl May tat, sondern kann, um beim Beispiel zu bleiben, auf Erinnerungen an die Indianer zurückgreifen, die ich besuchte.
Ich kann dann sagen, dass ich den Kickstarter tatsächlich einmal gen georgischen Boden getreten, das rechte Bein über die Sitzbank der Ural geschwungen und auf ihr Platz genommen habe. Und wer weiß, vielleicht überwinde ich sogar meine Lähmung, und bewege den Gasknauf, lasse die Kupplung kommen und rolle langsam aber bedacht an, ziehe den Kupplungshebel, lege einen höheren Gang ein und wage es, schneller zu fahren. Die, ich nenn’ sie mal „Drei – Räder – Stabilität“ sorgt ja im Grunde dafür, nicht einfach umzukippen, wennschon ich damals ja auch nicht umkippte, sondern im leichtsinnigen Geschwindigkeitsrausch den Superman über den S50 Lenker mimte. (Es gibt dazu eine Story, die in meinem bald erscheinenden Buch enthalten sein wird. Ihr habt Interesse, sie schon vorab zu lesen? Melden sich mehr als 15 Menschen via Kommentar oder per Nachricht an mich, dann lasse ich mich überreden, sie schon vor Veröffentlichung des Buches auf meinem Blog zur Verfügung zu stellen.)

Ich will selbst erfahren, wie der georgische Winter ist, will mit den fünf Hallensern gemeinsam arbeiten und über ihre Projekte berichten, die Lisa oben schon ansatzweise erwähnt hat. Und natürlich werde ich ausführliche Interviews führen. Zu diesem Zwecke seid nun auch ihr angehalten: Ihr habt Fragen an Anne, Lisa, Elisabeth, Sven und/ oder Johannes? Was interessiert euch im Bezug auf die Reise? Was wollt ihr wissen? Schickt mir euren Fragenkatalog per Mail an

M.Kruppe1@web.de .

Ich werde ausnahmslos alles fragen, was nicht unter der Gürtellinie balanciert.

Hier enden wir zum neunten Mal. Und erneut wird es einen zweiten Teil geben, denn -ich erwähnte es bereits- auch Lisas Text ist lang und bedarf eines solchen. Freut euch also, in Bälde weiterzufahren, auf Lisas Motorrad, unter Lisas Helm, seid lieb gegrüßt und bleibt anständig.

Lesen Sie mit:


30 000 Kilometer werden die fünf Reisefreunde auf ihrem Weg zum Ziel durch Europa, Asien, Alaska und Kanada zurücklegen. Wenn alles gut geht, parken die Uralmotorräder im August 2016 in New York.

Teil 8: Angekommen im Land des Winterlagers
Teil 7: Frieren ist relativ
Teil 6: Durchgeknallte Lkw-Fahrer und eine Nacht im Maisfeld
Teil 5: Eine schmerzhafte Wurzelbehandlung und Ankunft in Serbien.
Teil 4: Station im Paradies und Ärger mit dem Motor
Teil 3: Probleme mit den Maschinen und eine Irrfahrt durch Passau
Teil 2: Die erste Etappe
Teil 1: Die fünf Köpfe unter den Helmen
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 21.11.2014
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