Mit der Ural nach New York, Teil 2: Die erste Etappe

geschraubt wurde noch bis zum Schluss - mit freiwilligern Helfern
 
Nur noch Minuten - Abschied vor dem Atelier in der Büschdorfer Straße in Halle
 
Kommando aufsitzen - Effy, die Zypriotischie Grafikerin, die seit einem halben Jahr ehrenamtlich mit hilft, fährt noch ein Stück der Strecke im Beiwagen mit

"Die erste Etappe ist die Wichtigste"


Die Denkwürdigkeit des siebten Septembers 2014 ist in manchen Herzen riesig. Nicht, weil der 07.09.2014 der 250. Tag des gregorianischen Kalenderjahres ist. Nicht, weil heute vor 95 Jahren die erste Waldorfschule in Stuttgart eröffnet wurde oder der deutsche Afrikareisende Heinrich Barth auf den Tag genau vor 161 Jahren Timbuktu betrat. Auch nicht, weil der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, vor 27 Jahren die Bundesrepublik Deutschland besuchte, oder der französische Polarforscher Jules Dumont d' Urville mit den Schiffen Astrolabe und Zèlèe zum Südpol aufbrach, wenn schon wir bei letzterem der Sache schon näher kommen.
Vor 107 Jahren startete auch der britische Passagierdampfer RMS Lusitania seine Jungfernfahrt von Liverpool nach New York und eben New York ist auch das Ziel der Gruppe junger Hallenser Künstler, die an diesem siebten September 2014 pünktlich um vier Uhr Nachmittags aus der Büschdorfer Straße in Halle bogen, Richtung Autobahn.

Etwa fünfzig Menschen waren gekommen, um dabei zu sein, wenn die Kickstarter der fünf Uralmaschinen zum ersten mal auf dieser Reise nach unten getreten werden, das Röhren der Boxermotoren die Scheibe des Ateliers der Künstler zum Vibrieren bringen und sich das Quintett aufmacht gen New York.
Unter den Fünfzig, viele Freunde und Bekannte. Hier und da fließen Tränen. Eine letzte Umarmung, ein letztes Mal in die Augen des Freundes, der Freundin sehen, ein letztes Mal „gute Reise“ wünschen und viel Glück und ein letztes Mal das kleine bisschen Hoffnung der Verwandten, dass gleich einer die Farce auflöst und sagt, dass all das nur ein schlechter Scherz gewesen ist. Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Denn der Plan war genauso wenig ein Scherz, wie die vielen Stunden Arbeit, die in den Vorbereitungen für die Reise stecken.
Seit mehr als einem halben Jahr arbeiten die Fünf sieben Tage die Woche, manchmal elf, zwölf Stunden am Tag. „Man setzt sich nicht einfach auf die Karre und fährt los, das würde ja gar nicht gehen!“ -erklärte mir Johannes, als wir uns zum ersten Mal über das Vorhaben unterhielten.

Einige derer, die heute Zeuge sein wollten vom Start der Unternehmung, wurden erst durch die Presse aufmerksam. So berichtet Elisabeth am Abend in Kühdorf/Thüringen, als auch ich Abschied nehme, dass ein Redakteur vom Radiosender MDR Sputnik bedauernd äußerte, dass er von all dem nicht gewusst habe. Allerdings lag allen Redaktionen der lokalen und vieler überregionaler Sender, Magazine und Zeitungen die Pressemitteilung vor, die schon vor Wochen, ja, vor Monaten in mühevoller Kleinarbeit über den Äther gejagt wurde.
Nun jedoch ist es zu spät für ein spontanes Interview. Die Uhr tickt, der Zeitplan will nicht schon am ersten Tag missachtet sein.

Gemeinsam mit ihrem Verleger Tom, der -passend zum Gesamtbild einen alten LKW Marke Steier BJ`76 fährt und das Buch „Gedacht-Gemacht“ auf den Markt brachte, in dem es um eine ähnlich waghalsige Tour der Künstler geht, mit Simson S50 Mopeds nach Indien zu fahren, und zwei weiteren Ural-Gespannen von Bekannten der Fünf unter Anderem einem begnadeten Schrauber, den man einfach nur den Capt'n (später mehr über ihn) nennt und der eigens aus Detmold angereist war, geht es nun endlich los.
Die Straße ruft. Es hat lang genug gedauert. Jetzt heißt es: Nichts wie raus! Die Motoren knattern, Steine fallen wie Felsen von fünf Herzen, Hände drehen den Gasknauf, die Kupplung wird gelöst, es beginnt ein Abenteuer.

Erstes Ziel: Kühdorf in Thüringen. Ein kleines Nest in der Nähe von Greiz, 20 Km von Gera entfernt, zwischen den Autobahnen 4 und 9. Hier wuchs Elisabeth auf, hier betreiben die Eltern der 29 jährigen Bildhauerin ein Café.
Und tatsächlich, nach drei Stunden und 110 Kilometern erreicht die Kolonne das gesetzte Ziel beinahe pannenfrei. Einzig der Gepäckträger eines der Motorräder lockerte sich auf der Fahrt von Sachsen Anhalt nach Thüringen. Dies jedoch konnte bei dem eigens für ein paar Pressefotos eingelegten Stopp auf einer Raststätte der A4 schnell behoben werden.
Hier verließen dann auch die beiden Begleit-Urals den Tross. Von nun an geht’s zu fünft weiter. Plus Verleger nebst LKW. Vorerst.
Empfangen wurden die Fünf in Kühdorf nicht nur von einem familiären Komitee, sondern auch von einer originalen Drehleier, gespielt von Elisabeths Vater, der eine zehn minütige Hommage auf die Reise der Fünf zum Besten gab.

Und weil ich beim Start in Halle nicht dabei sein konnte, griff ich die Gelegenheit beim Schopfe, die drei Mädels und zwei Jungs am Abend dieses 7. September noch einmal zu besuchen, ein paar Fragen zu stellen und mich persönlich von ihnen zu verabschieden.
Wie der Abend verlief, wie Annes Vater diesen letzten Abend sah, wie Johannes und Elisabeths Eltern über die Reise denken, wie ich die Abschiedsparty im Atelier empfand und meine letzten Minuten mit den fünf Künstlern, die inzwischen so etwas wie Freunde für mich sind, erfahren Sie in Bälde auf meinem Blog in einem ausführlicheren Artikel und also im dritten Teil von 30 000 Kilometer – 2 Jahre – 5 Menschen – fünf Ural Motorräder

Im Übrigen: Das Crowdfounding – Projekt läuft noch bis zum 24.10.2014. Helfen Sie mit, das Ziel New York zu erreichen:
https://www.indiegogo.com/projects/leavinghomefunk...


Lesen Sie mit:


30 000 Kilometer werden die fünf Reisefreunde auf ihrem Weg zum Ziel durch Europa, Asien, Alaska und Kanada zurücklegen. Wenn alles gut geht, parken die Uralmotorräder im August 2016 in New York.
Teil 9: Schießwütige Georgier, Hangranaten und Hünen mit Äxten
Teil 8: Angekommen im Land des Winterlagers
Teil 7: Frieren ist relativ
Teil 6: Durchgeknallte Lkw-Fahrer und eine Nacht im Maisfeld
Teil 5: Eine schmerzhafte Wurzelbehandlung und Ankunft in Serbien.
Teil 4: Station im Paradies und Ärger mit dem Motor
Teil 3: Probleme mit den Maschinen und eine Irrfahrt durch Passau
Teil 2: Die erste Etappe
Teil 1: Die fünf Köpfe unter den Helmen
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3 Kommentare
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M. Kruppe aus Halle (Saale) | 12.09.2014 | 17:01   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 17.09.2014 | 17:32   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 17.09.2014 | 18:00   Melden
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