Ondine Frochaux Pallasthène

Ondine Frochaux Pallasthène
Halle (Saale): Galerie Zaglmaier |

Ausstellung einer halleschen Künstlerin aus der französischen Schweiz noch bis 07. April 2015

"Was macht die Kunst?"


Diese mehr als berechtigte Frage stellte Detlef Färber, als zuständiger Redakteur der Mitteldeutschen Zeitung in den zurückliegenden Monaten wiederholt und beschrieb dabei das tatsächliche Dilemma der derzeitigen halleschen Kunstlandschaft. Den vielbeachteten Beiträgen und der anschließenden Diskussion wäre von meiner Seite nichts hinzuzufügen. Die Kunst macht, was sie immer tat. Sie kämpft, bringt sich ein, probiert sich aus und sucht neue Wege - wird dabei zum Indikator gesellschaftlicher Verhältnisse wie umgekehrt. Und gerade diese Auseinandersetzung ist hart, nicht nur in Halle - überall, nicht nur jetzt - immer. Während man in finnischen Schulen die Schreibschrift abschafft und mit Computertechnik weltweit immer wieder neue Möglichkeiten künstlerischer Ausdrucksformen gefunden werden, setzen viele Künstler überall nach wie vor dennoch auch auf Traditionelles. Beide Wege sind interessant, erfordern unsere Aufmerksamkeit und bieten Möglichkeiten die akademischen Grundlagen der Kunstgeschichte zu rezipieren. Dabei ist der Kunstmarkt heiß umkämpft. Unglaubliche Summen wechseln mancherorts die Besitzer während wir fassungslos staunen und fälschlich meinen Halle sei besonders schlecht dran. Wer Kunst studiert, weiß das - wer sich Kunst öffnet, sie liebt und konsumiert kennt aus eigener beruflicher Erfahrung, was es heißt zu kämpfen - weiß, dass alles auch einen fairen Preis haben muss.

So wusste auch Ondine Frochaux nicht erst als sie 2005 ihr Studium an der halleschen Kunsthochschule bei Prof. Möhwald abschloss um die Probleme des nun folgenden Berufslebens. Aus Achtung gegenüber jener göttlichen Frauenfigur der griechischen Mythologie, deren Name als Synonym für Weisheit im Kampf und für die Kunst steht, gab sie sich selbst den Beinamen „Pallasthène„. Gleichzeitig lässt dies darauf schließen, wie sehr sich die Malerin und Grafikerin der Kunstgeschichte verpflichtet sieht. Mit der griechischen Mythologie und der lateinischen und altgriechischen Sprache befasste sich Ondine Frochaux bereits seit ihrer Schulzeit, die sie in der französischen Schweiz in Lausanne und einem musischen Elternhaus mit Geigenspiel und Philosophie erlebte. Noch in der Schweiz wandte sie sich der bildenden Kunst zu, unterzog sich einer grundhaften Ausbildung im Zeichnen. Mit der Wahl des Studienortes kam Ondine Frochaux 1997 nach Deutschland, zu uns nach Halle. Hier suchte und fand sie in der Klasse von Prof. Otto Möhwald jene Erfüllung, die so wichtig für ihre künstlerische Perspektive werden sollte.
Ondine Frochaux befasste sich vor und während des Studiums intensiv mit dem Akt- und dem Naturstudium, wobei sie über die Abbildung des Gesehenen den Weg zur Abstraktion vollzog.
Es war die Sensibilität des gezeichneten Strichs in der Schweiz und die Sensibilität beim Setzen der Farben, Flächen und Formen in Halle, die sie schätzte. Und das, so sagte sie mir, sei ihr noch heute am Wichtigsten. Der Themenbogen in der Malerei von Ondine Frochaux ist weit gespannt und wird durch die Titel der Bilder bezeichnet:

Auf der Straße
Prometheus, ein Schicksal
Auf dem Eis
Frau mit Spiegel
Frau im Park
Hausarbeit
Die Brücke
Waldlandschaft
Die Stadt
Krake am Strand

Jedes Werk ist der Künstlerin wichtig - auf keines verzichtet sie unbedacht. Immer wieder prüft sie deren Qualität, will sie noch gültiger machen. Interessiert nimmt sie unsere Gedanken auf, freut sich über neue Interpretationen. Gemalte Gefühle werden sichtbar, manchmal bedrohlich und angsterfüllt, manchmal heiter - niemals banal. So erschließt sich die Malerei der Ondine Frochaux oft erst auf den zweiten Blick. Die Bilder sind nicht gefällig, sie berühren bevor sie ergreifen.

Die Technik des Holzschnittes kommt dem künstlerischen Konzept der Ondine Frochaux entgegen. Wieder werden Flächen und Formen gesetzt und abstrahiert. Alle Blätter sind aufwändige Handabzüge und werden so bereits zu Unikaten einer ohnehin kleinen Auflage. Einzelstücke sind in jedem Fall die nachträglich farbig angelegten Blätter. Das macht Varianten möglich und zeigt ein weiteres Mal die Freude der Künstlerin am Gestalten und am Schaffensprozess. Über dies erzählt Ondine Frochaux mit ihren Grafikzyklen Geschichten. Und wie zum Trotz gegen eine drohende kulturelle Verarmung in Folge einer möglicherweise Schule machenden Schulreform beginnt Ondine Frochaux ihre Holzschnitte mit Geschriebenem zu versehen. Die Fabel "Der Frosch, der gross sein will wie ein Ochse" des Jean de La Fontaine diente ihr ebenso als literarische Vorlage wie die Geschichte "Krokorollo" von Marianne Heukenkamp. Letztere wird wohl noch im Verlauf der Ausstellung als Buch erscheinen. Es ist die Geschichte eines kleinen Krokodils, welches anstelle von Beinen mit Rollen geboren wird. Was dieses etwas andere Krokodil erleben und wen es auf seiner Reise kennenlernen wird, werden wir erfahren, wenn das Buch hier bei uns in der Galerie vorgestellt wird.

Zahlreiche Reisen führten Ondine Frochaux rund um die Welt. Zur Vermittlung ihrer eigenen umfangreichen Sprachkenntnisse und zur Vertiefung derselben hielt sie sich neben Kolumbien, Thailand und China auch in Russland auf. Dort lernte Sie jeweils mit Land und Leuten kulturelle Traditionen auch internationale künstlerische Tendenzen kennen. Seit Abschluss ihres Studiums der russischen Sprache im Jahr 2006 an der Martin-Luther-Universität in Halle ist Frau Ondine Frochaux nun in ihrer Wahlheimat als freischaffende Künstlerin tätig. Ihre Arbeiten präsentierte sie in regelmäßigen Abständen an den bekannten Ausstellungsorten unserer Stadt und der Region. Kaum zu fassen, Ondine Frochaux, die vielseitige junge Frau, die aus der Schweiz zu uns nach Halle kam, hat sich nun auch einer ganz anderen künstlerischen Ausdrucksform zugewandt. Filmisch dokumentiert sie das Leben eines arbeitslosen Mannes und zeigt so das Schicksal eines Menschen, der unter uns lebt und doch mit seinen Talenten und Interessen ausgeschlossen ist.
Was also macht die Kunst? Was also machen die Künstler, die Museen, die Kunstvereine, die privat geführten Galerien, die Freunde und Förderer der Kunst? Schauen wir uns um, es ist doch großartig zu sehen, was und wen die Kunst bewegt. Lasst uns mehr auf alle Generationen zugehen und bringen wir vor allem die Kinder mit, machen wir selbstbewusst weiter und lernen wir uns einzuordnen mit unseren großartigen Künstlern, die fleißig und oft bis zur Erschöpfung arbeiten. In unserer Zeit der zunehmenden globalen Übersichtlichkeit ist das lokale Bekenntnis, demonstriert vor Ort und aufbauend auf den spezifischen Besonderheiten auf lange Sicht sicher der erste solide Ausgangspunkt.

In diesem Sinne danke ich Ondine Frochaux für diese Ausstellung. Dem Maler Günter Giseke danke ich, dass er uns aufeinander aufmerksam machte und Ihnen, liebe Freunde der Kunst, danke ich für Ihre Treue und Ihre Aufmerksamkeit.

T. Zaglmaier
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.