Pfingstgedicht

Erlaub uns, o Gott, heiliger Geist (1740)

Erlaub`uns, o Gott, heiliger Geist`
Den unsre Kirch` als den Tröster preist,
Daß wir deine Tiefen, die nicht zu gründen,
Und die kein Menschenverstand kann finden,
Im Geist erhöh`n!

Du hast dich herrlich an uns erzeigt,
Da Du dich gnädig herabgeneigt
Zu der armen Jungfrau, dem Zweig des Stammes
Unsres hochheiligen Opferlammes,
In Gotteskraft.

Du kannst in lauterer Herrlichkeit
Zu dieser Stätte, die Du bereit`t;
Deine heil`ge Salbung rief in das Leben,
Was Gott, der Vater, der Welt gegeben,
Das Wunderkind.

Gelobet sey dein heiliger Gang
Mit aller Herzen Triumphgesang!
Unsre Seele lieget vor Dir gebücket,
In stiller Freude dahingerücket,
Des Heils bewußt.

Was aber sollen wir Dir denn thun?
Ach nichts, als in deiner Gnade ruh`n,
Und die Wundergabe des theuren Kindes,
Das nun der Hausherr des Kreuzgesindes, -
Dankbar beschau`n.

Er war im Himmel schon Gott von Art,
Eh` Er ein Pilgrim auf Erden ward,
Hatte uns geliebet und auserkoren, -
Eh` noch ein Mensch an das Licht geboren, -
Zur Seligkeit.

Er sah sich schon in der Ewigkeit
Mit einer innigen Herzensfreud`
An das Holz des Kreuzes hinan gedehnet,
Dran Er uns sterbend mit Gott versöhnet
Und durchgebracht.

Wir seh´n Dir kindlich und herzlich zu,
was deine Lieb` und Erbarmung thu`,
Die uns Tiefgefall`ne zum Heiland brachte,
Und Sein Geheimniß uns kundbar machte. -
Wie groß bist Du!

Ja, seit der Sohn in der Ewigkeit
Den Thron des Vaters, für Ihn bereit,
In Besitz genommen, ist deine Gnade
Stets unermüdet auf ihrem Pfade
An`s Menschenherz.

Du predigest der gesammten Welt,
Wie`s mit der Sünde sich nun verhält.
Und daß der U n g l a u b e die größte Sünde, -
Daß auch die Seele nicht Ruhe finde,
Bevor sie glaubt.

Du bist der Pred`ger vom neunen Bund,
Der steht auf Christi Versöhnungsgrund;
Er hat ihn versiegelt mit seinem Blute,
Und Du gewährest uns alles Gute
Durch sein Verdienst.

Das hat der Heiland der Jüngerschaar,
Verheißen, da sie bekümmert war,
Wo sie bleiben sollten, wann Er verschieden:
„Ich will euch geben den Gottesfrieden.
Und den heiligen Geist”

Das Wort ist Amen, und Ja, und wahr,
Und die Erfüllung hell offenbar. -
Wir seh`n alle Tage, Geist der Gemeinde,
Alles Das blitzen von deinem Scheine,
Was bei uns brennt!

Darum, so geben wir Dir die Hand
Zu einem ewigen Kindesband:
Sey Du unser Führer, und bleib`s in Gnaden;
Pfleg` und bewahr` uns vor allem Schaden
An Seel` und Leib!

Das soll durchgängig der Kreuzgemein`
Grund und Bekenntniß und Losung sehn:
„Wir sind Jesu Glieder durch`s Geistes Wehen,
Und bis zum seligen Auferstehen
Ein Geist mit Ihm!”

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf (1700-1760), Gründer der Herrenhuter Gemeinde

http://www.feiertagsgedichte.de/autoren/z/zinzendorf/pfingstlied/home.html
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.