PONG (Atari 1972) - Der Urknall des industriellen Videospiele-Universums

Urknall
 
Der Prototyp, getestet in Sunnyvale, Kalifornien, ehem. Andy Capp’s Tavern (Foto: Youtube)

Vor 45 Jahren erschien das erste kommerziell erfolgreichste Videospiel der Welt

Was war davor?

Im Jahre 1972 nahm Atari die weltweit erste Massenproduktion von Videospielen auf. Davor gab es zwar schon Bildschirmspiele, die liefen aber nur auf Großrechnern, Analogrechnern oder waren in der Bedienung zu kompliziert. Eine wichtige Grundlage schuf Ralph Baer, indem er Mitte der 60er Jahre die "Brownbox" entwickelte und den Fernseher als interaktives Massenmedium als erster der Menschheit nahe brachte. Die zur Produktionsreife weiterentwickelte "Brownbox" (Magnafox"Odyssey") erzielte leider nicht den großen Durchbruch. Vielleicht war einfach die Zeit noch nicht reif.

Der eigentliche Urknall

Das änderte sich schlagartig mit dem Erscheinen des Videospiels Pong von Atari. Im Juni 1972 wurde Atari gegründet. Mit dieser Gründung wurde zielgerichtet ein Spiel entwickelt, dass durch seine gewisse Einfachheit die Spieler magisch anzog, zugleich aber ein relativ anspruchsvolles Spiel war mit einigen technischen Neuerungen, wie z.B. Tonausgabe, Spielstandsanzeige, Attract-mode (Modus, während kein Spiel läuft, um neue Spieler anzulocken; heute bei jedem Spielautomaten anzutreffen). Mit der Fertigstellung des Prototyps wusste man trotzdem noch nicht genau, ob dieses Spiel die Massen begeistern würde. Deshalb stellte man den Prototypen in einem Restaurant namens "Andy Capp’s Tavern" in Sunnyvale, Kalifornien, zum Testen auf. Der Restaurantbesitzer rief kurze Zeit später an und meinte, das Gerät sei bereits kaputt und man sollte es doch wieder abholen. Aber es war nicht kaputt, sondern der Münzbehälter war derart voll, dass keine neu einrollende Münze mehr das Spiel rücksetzen konnte. Genau das war die Bestätigung des neuen Konzeptes, dass ehrgeizig durch die Entwickler, Co-Founder Nolan Bushnell und sein Lead Engineer Allan Alcorn, erarbeitetet wurde. Es war definitiv der Startpunkt für die industrielle Massenproduktion von Videospielen.

Was folgte danach?

Die 4 Bestandteile des Spiels, ein Ball, ein Netz, 2 Schläger haben essenziellen Charakter und sind Mythos und Legende zugleich, sodass das Spiel in seiner Art auch heute noch seine Daseinsberechtigung hat. In kurzer Zeit nach dem Erscheinen des originalen Spieles und der nachfolgenden Massenbegeisterung gab es Modifikationen, Erweiterungen, neue Spielideen, legale und illegale Trittbrettfahrer und bald war auch die Computertechnik reif für die Videospiele-Industrie - kurz, ab hier füllt die Geschichte der Videospiele Bände und Bibliotheken. Die technische Realisierung des originalen Pong hat absolut nichts mit Computertechnik gemeinsam, der Monitor war ein normaler Fernseher. Um die einmalige Schaltungstechnik dieses Spieles zu bewahren, hat der Autor dieses Spiel mit der noch heute erhältlichen Schaltkreisfamilie nachgebaut und verschiedenen Lokationen, wie z.B. zur Gamescom in Köln, Computerspielemuseum Berlin zur Verfügung gestellt. Überall zeigt sich, dass das Spiel auch heute noch sehr gut angenommen wird. Dann ist es um so bewegender, dass die gewaltige, n-dimensionale, heutige moderne Videospielewelt ihren Ursprung in diesem Spiel hat! Weitere Details unter
https://www.youtube.com/watch?v=6P05_kb8CVU&t=12s
Wenn Hallenser daran interessiert sind, einmal das originale Ballgefühl für das urwüchsigste aller Videospiele zu haben oder wenn sie wissen möchten, wie diese Schaltungstechnik im einzelnen funktioniert, können sie, am besten per e-mail, Kontakt mit dem Eigenbaukombinat Halle aufnehmen. Dort besteht die Möglichkeit, an den Retrospieleabenden oder nach gesonderter Vereinbarung, sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Die E-Mail-Adresse findet man auf der Web-Seite des Eigenbaukombinates Halle, www.eigenbaukombinat.de .
Wolfgang Nake
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 06.07.2017
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