Sondeza - Touching Lives im Ganzekraal, Südafrika

  Die Sonne war längst untergegangen, als wir ankamen. Die frische Luft der südafrikanischen Natur füllte unsere Lungen. Im Auto kein Gurt, kein geschlossenes Fenster - der Fahrer auf der 'falschen' Seite.

Am 29.11.2012 startete in Ganzekraal, nahe Kapstadt, Südafrika das Sondeza-Camp. Zum neunten mal würden sich hier Jugendliche zum Thema 'Bringing Youth together' (Jugend zusammenbringen) treffen, um Teamwork, Vertrauen und Verständnis zu lernen. Das Camp, welches direkt am Meer liegt war auch mein Ziel. Die deutsche Delegation, welche streng ausgewählt wurde, reiste bereits am 28. November an. Wir alle hatten diese Reise aufgrund unseres Ehrenamtes begonnen - das war die Voraussetzung. Keiner von uns war je in Südafrika gewesen, die meisten noch nicht einmal geflogen. Dementsprechend aufgeregt waren wir auch gewesen, bevor am Eröffnungstag das rege Treiben begann. Wir sangen und tanzten und lernten uns kennen. Bereits am nächsten Tag ging es nach !Khwa ttu, wo die Kultur der San bis heute förmlich zu schmecken ist. Wir kosteten verschiedenste Pflanzen und bahnten uns einen (heißen) Weg durch Gestrüpp und Grün. Viele - für uns - neue Tiere wurden bestaunt.

Robben Island stand auch auf dem Plan - der Standort des Gefängnisses, in dem Nelson Mandela jahrelang gefangen war. Auf der Insel gab es kleine Souvenirläden und große Touristenbusse - die Führungen wurden von ehemaligen Gefangenen absolviert. Unser Gruppenleiter wurde gefragt, warum er denn an diesen Ort freiwillig zurückkehrt und er zuckte nur mit den Schultern und lächelte. Die südafrikanische Lebensart ist eben einmalig.

Ilinge Lethu ist ein riesiges Township, indem Kinder und Erwachsene ihr Leben alleine aufgebaut haben. Brüchige, kleine Hütten und krankmachende Supermärkte mit den eigenen Händen erbaut. Sie haben dort alles: Friseur, Disco, Kneipe - aber in einer Art und Weise, in der wir alles verzweifeln würden.
Doch dort gab es keine Spur von Traurigkeit, Unzufriedenheit oder einem der vielen anderen Gefühle, die wir an deren Stelle wahrscheinlich spüren würden. Dort war man glücklich über das, was man hatte. Kinder wurden ausgebildet: Tanzunterricht im zweiten Lebensjahr. Im sechsten Lebensjahr womöglich die Verlobung. Im Camp selber waren einige Voluntäre (Gruppenleiter), die selber einem Township entstammen - man kommt sich schlecht vor, gegen sie.

Im Camp selber war kein Deutscher mit einem anderen Deutschen im Bungalow. Man sollte lernen, zusammenzusitzen, Spaß zu haben.
Außer unserer Delegation war noch England angereist und viele verschiedene Regionen Südafrikas. Wir lernten, spontan zu sein und Freude zu haben.
Meine 15- bis 17-jährigen Zimmergenossinen mussten sich zwar anfangs daran gewöhnen, nicht nur Afrikaans zu sprechen, weil ich sonst völlig verständnislos dasaß, aber nahmen mich herzlich auf. Das Motto diesen Jahres war schließlich Touching Lives - Leben berühren!

In verschiedenen Gruppen kochten wir, versuchten uns an Wettbewerben und bauten Flöße. Wir deutschen Jungen und Mädchen verbreiteten unsere Kultur (Adventskalender, Nikolaus) ein wenig und tanzten am deutschen Abend zum Beispiel zum Thema Walpurgis, da die meisten von uns aus dem Harz kamen.
Wie froh waren wir alle, dass ausgerechnet wir aus Sachsen-Anhalt ausgewählt wurden, um das Camp zu besuchen - sonst hätten wir eine Menge verpasst.

Am 09.12.2012 schloss das Camp mit vielen Tränen und Freundschaften, die nun über 10 000 Kilometern standhalten musste. Doch jeder nahm ein Stück mit, dass man nie vergessen würde.
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