Wenn Gedanken flügge werden

Schnappschuss dreier Schulschreiber (Foto: Jürgen Jankofsky)
"Ich habe schon viel von euch Menschen gehört, aber euch selbst zu beobachten, hat mich schockiert..." (Lina Louise Pfeifer)

Am Morgen des vierzehnten Dezembers war es endlich so weit. Fünfzehn Schulschreiber der Klassenstufe 4 lasen vor einem gespannten Publikum aus Schülern, Lehrern und Eltern freche und auch nachdenkliche Texte, die während einer halbjährigen Schreibwerkstatt unter meiner Obhut entstanden waren.
Manchen der frisch gebackenen Autoren war die Nervosität vor ihrem Auftritt anzusehen. Jürgen Jankofsky, Geschäftsführer des FBK Sachsen-Anhalt, der sich unermüdlich für die Lese- und Schreibförderung an Schulen einsetzt, merkte, gleich nach den Begrüßungsworten der Schuldirektorin Christiane Wiedenbeck, an, dass es ihm bei seinen Anfängen ähnlich ergangen war und nahm den diesjährigen Schulschreibern in der ersten Sitzreihe damit ein wenig das Herzklopfen.
Nach einer musikalischen Darbietung einiger Grundschüler begann auch schon das Lesespektakel im Veranstaltungsraum der Friedrich-Bödecker-Grundschule Laucha. Ich moderierte kurz an, stellte die Schreibaufgaben skizzenhaft vor und rief nacheinander zwei Leserunden nach vorn auf die Bühne. Gelesen wurden Schüttelwortgedichte und –geschichten erfundener Tierarten wie dem Drulemafes, der Talwadube oder dem Wetzlakidt, es gab Briefe an die Zukunft zu hören, man erfuhr in kleinen Geschichten, warum der Löwe seine Stimme verlor, es folgten schaurige Gruselgeschichten, fein beobachtete Herbst-Rondelle wurden eingestreut und vieles mehr. Es gab viel Applaus für die Schulschreiber, deren Gedanken beim Vorlesen flügge geworden waren, um in den Ohren der Zuhörer zu landen. Im nächsten Jahr wird im halleschen Hasenverlag ein Buch erscheinen, in dem die illustrierten Schulschreibertexte nachgelesen werden können.
Zum Abschluss möchte ich, in eben dieser Zeit der Hoffnung und Besinnung, einen Text der Schulschreiberin Helena Bandur aufführen:

Meine Welt

Meine Welt soll ohne Feinde sein. Meine Welt soll ohne schlimme Krankheiten sein. In meiner Welt sollen Tier und Mensch Freunde sein. In meiner Welt gibt es keine Autos, sondern Riesenstörche, die einen fliegen. Es soll kein elektrisches Licht geben, sondern Glühwürmchen, denen es Spaß macht zu leuchten. Es soll keine Fernseher geben, sondern nur Theaterstücke. Es soll jeder fliegen können. Es wohnen alle in Riesenbäumen. Schule soll nur jeden zweiten Tag sein. Es soll Zaubereien geben, die aber nur für gute Sachen bestimmt sind. Wenn man Glück hat, schneit es im Winter auf ein Haus Zuckerguss. In meiner Welt sollen Süßigkeiten nicht schädlich sein. Wenn in meiner Welt Nebel ist, dann kann man manchmal Elfen sehen, die tanzen. Wenn man auf Fliegenpilze guckt, dann kann man kleine Fenster und eine Tür entdecken, wo Kobolde wohnen. Essen braucht man nicht zu kaufen, sondern nur von den Bäumen pflücken, und im Winter haben alle einen schönen Garten mit allerlei leckeren Sachen. Man kann auch auf Wolken sitzen und Sterne berühren. Trinken gibt es in jedem Bach, und die Erde besteht aus Schokolade, die nicht schmutzig werden kann. Das ist meine Traumwelt!

(Helena Bandur)


Weitere Informationen zum Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen-Anhalt e.V. finden sich unter www.fbk-lsa.de.
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
5 Kommentare
1.214
Jürgen Jankofsky aus Leuna | 21.12.2012 | 17:47   Melden
58
Ute Werneyer aus Landsberg | 22.12.2012 | 13:50   Melden
300
Danilo Pockrandt aus Halle (Saale) | 23.12.2012 | 19:04   Melden
1.214
Jürgen Jankofsky aus Leuna | 24.12.2012 | 08:52   Melden
300
Danilo Pockrandt aus Halle (Saale) | 24.12.2012 | 10:41   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.