Zirkusbesuch mit geborgtem Kind

Das Wetter grau, der Zirkus bunt
 
Die Moderatorin
Lieskau: freiwillige feuerwehr |

Den Tag der Einheit kann man in Deutschland einheitlich verbringen. Das heißt, auf der Couch vor dem Fernseher sitzen oder im Biergarten über die Politik im Einzelnen und im Besonderen zu sprechen. Da wird jeder ein bisschen Kanzler.

Mal etwas Unpolitisches am politischen Feiertag


Mir war nach einer besonderen Luft zumute. Eine Luft, die ich seit 30 Jahren nicht mehr in der Nase hatte. Zirkusluft. Bei Lieskau hatte der kleine Familienzirkus "Barlay" seine Zelte aufgeschlagen. In Ermangelung eigener Kinder "borgte" ich mir kurzerhand eine 10-Jährige bei einer Bekannten aus und hatte ein unschlagbares Argument für den Eintritt. In ihrem Alter war ich schon Zirkusfan und staunte über Löwen, Tiger, Elefanten, Bären und die Artisten. In unserer Einheitszeit sind die Tierbestände geschrumpft und Zirkus Barlay wartete mit Ponys, Lamas, Hunden und Tauben auf. In den staunenden Augen der Kinder, die sich um die kleine Arena scharrten, sah ich viel Freude über die kleinen und großen Kunststücke. Die vierköpfige Truppe des Familienzirkus gab sich in dem zweistündigen Programm eine ganze Menge Mühe, um die kleinen und großen Leute zu unterhalten. Ich amüsierte mich mit meiner kleinen Begleiterin prächtig und hatte nicht die geringste Lust, mich heute mit politischen oder gar moralischen Problemen auseinanderzusetzen.

Zurück in die Kindheit

Ich war ein wenig in die Kindheit versetzt. Natürlich gab es nichts Spektakuläres, aber es gab einiges zu sehen, was nun nicht jeder kann. Dazu gehörte es, einen Tisch oder gar eine Schubkarre auf dem Kinn zu balancieren, auf eine Rolle mit drei kleinen Bänken zu steigen, mit zu großen Lassos zu spielen und mit dem Mund Feuer in die Luft zu spucken. Natürlich habe ich dies alles schon gesehen, aber meine kleine Freundin war begeistert, denn sie war noch nie in einem Zirkus. Das ist ein besonderer Zauber, den fantasiebegabte Menschen auf ihre Weise erleben. Da verzeiht man auch kleinere Fehler. Der Clown unterhielt routiniert seine Gäste und bezog auch Zuschauer mit ein. Eine große Würgeschlange (Python) machte ihre Runde und die Kinder durften nicht nur den Anblick erleben, sondern auch mal die Haut dieser schönen Tiere anfassen - die ist bekanntlich nicht eklig. In der Pause wurde der winzige Streichelzoo von den kleinen Zuschauern umlagert und mich machte es für einen Moment traurig, wenn ich daran dachte, dass es Leute gibt, die auch dies am liebsten verbieten würden. Aber schon waren die trüben Gedanken verschwunden und wir genossen den Rest des Programms. Meine kleine Begleiterin hatte sich auch noch Naschereien gekauft, die aber nur zur Hälfte aufgebraucht wurden. Draußen regnete es in Strömen und im Zelt waren die Zuschauer, so schien es nach dem Beifall, einheitlich sichtlich zu Frieden. Natürlich fragte ich meine kleine Begleiterin, ob es ihr auch gefallen hat. Sie nickte und lächelte. Dieses Lächeln kannte ich aus meiner Jugend. Ich fragte sie noch, ob wir in einen Burgerladen gehen wollen, was einen Jubelschrei auslöste. Jeder erlebt den Tag der Einheit eben anders.
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4 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 05.10.2016 | 10:44   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 05.10.2016 | 10:49   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 05.10.2016 | 10:50   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 05.10.2016 | 15:00   Melden
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