Zum Gedenken an Ralph Baer, dem wirklichen Vater aller Videospiele

Bild 1/ Ralph Baer (*1922, †2014), der Vater aller Videospiele. Er brachte der Menschheit den Fernseher als interaktives Gerät nahe. Er musste seinerzeit um die Anerkennung und Nutzung seiner Erfindung kämpfen. Kaum jemand hatte anfangs den Weitblick, die Bedeutung einzuschätzen. (Foto: Gregor Baumann \ Copyright: Computerspielemuseum Berlin)
 
Bild 2/ Diese Bilder gingen um die Welt: Die ersten steuerbaren Objekte auf dem Massenmedium Fernseher. Die Technik dazu hatte nichts mit Computertechnik zu tun. Im Jahre 2006 erhielt Ralph Baer für seine epochale Erfindung und Entwicklung endlich die gebührende Auszeichnung; er erhielt die in dieser Branche höchste Auszeichnung in den USA. Foto: Autor

Die ersten Videospiele in West und Ost

Am 6. Dezember jährt sich zum 2. Mal der Todestag von Ralph Baer. Worin besteht sein Verdienst? Versetzen wir uns in die Mitte der sechziger Jahre. Der Fernseher war mittlerweile der mediale Mittelpunkt der überwiegenden Anzahl der Haushalte, aber er verkörperte eine kommunikative Einbahnstraße. Ralph Baer schaffte es in seiner Eigenschaft als Erfinder, Entdecker und Entwickler in einer Person, der Menschheit eine neue Welt zu öffnen, nämlich den Fernseher als interaktives Medium zu nutzen. Er entwickelte dazu ein Videospiel, BROWN-BOX genannt. An Computer im Heimbereich war noch lange nicht zu denken. Es gab zwar schon Computerspiele, wie Tic-Tac-Toe, Spacewar!, Tennis for two, Computerspace, die liefen aber nur auf Großrechnern oder waren in der Bedienung zeitgemäß zu kompliziert. Ralph Baer, geboren in der Pfalz, war jüdischer Emigrant und arbeitete nach seiner Flucht aus Deutschland in US-amerikanischen Entwicklungslabors. Er musste damals noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, bis er ein Unternehmen fand, dass dann eine Massenproduktion seines ersten Videospiels wagte. So produzierte die Firma MAGNAFOX Anfang der siebziger Jahre das allererste Videospiel ODYSSEY. Das Gerät erzeugte auf dem TV-Bildschirm steuerbare rechteckige Objekte, mit denen man Tennis und viele andere Spiele spielen konnte und es wurde in beachtlichen Stückzahlen gekauft.
Den großen Durchbruch schaffte dann allerdings erst die 1972 gegründete Firma ATARI mit einem Spiel, das bis heute noch gern gespielt wird: PONG. Es wurden erstmals solche Features wie Tonausgabe, dynamische Ballsteuerung, Punktestandsanzeige geschaffen, was dafür sorgte, dass es das erste kommerziell erfolgreichste Spiel der Welt wurde. Es wurde in Spielautomaten eingebaut, die zu sehr großen Stückzahl produziert und eingesetzt wurden. Jahre später gelang es, 4 Tennisvarianten auf einem Chip zu entwickeln, sodass diese Spiele auch in den Haushalten am Fernseher genutzt werden konnten.

So lief es im Osten Deutschlands - Die Stasi als Spiele-Entwickler

Der Bekanntheitsgrad dieser Chips stieg, und so wurde unter Verwendung dieser hochintegrierten Schaltkreise aus der westlichen Welt auch in der DDR dieses Spiel nachgebaut (BSS01) und für stattliche 550 Ostmark, damals durchschnittlich ein halber Monatslohn, angeboten. Reichlich 10 Jahre nach Erscheinen des weltweit ersten Spiels erkannten auch die Betonköpfe in der planwirtschaftlichen Führungsclique der DDR die Urgewalten, die mit dem Begriff Videospiel einhergingen und beschlossen eine eigene Spieleproduktion ins Leben zu rufen; natürlich planwirtschaftlich und unter totaler Kontrolle. So kam es, und das ist bisher nicht so bekannt, dass der einzige DDR-Spielautomat POLY-PLAY von der Stasi entwickelt wurde, die auch die Produktion organisiert hat. Das hat die Stasi-Spezialeinheit namens KARTELL bewerkstelligt. Engagierte Mitarbeiter des BStU haben das herausgefunden und dokumentiert. Nähere Info's dazu, inclusive der Quellenangaben und anderer interessanten Informationen zum gesamten Thema sind unter " MZ-Bürgerreporter/Kultur/ Die Stunde null der Videospiele - global und lokal" zu finden.

Die Legende lebt

Interessant ist, dass trotz modernster Videospiele-Technik, immer noch die ersten Spiele , wie das Spiel PONG, gern gespielt werden. Dieses Spiel ist mittlerweile zum Mythos geworden. Um diese Schaltungstechnik, die genauso wie die der BROWN-BOX von Ralph Baer nicht auf Computerbasis funktioniert, zu bewahren, hat der Autor dieses Beitrages dieses Spiel nachgebaut und dokumentiert. Spielerisch kann man mit dem Nachbau diese Originalität genießen im Computerspielemuseum in Berlin (Schirmherr: Ralph Baehr † ) und an "Tagen der offenen Tür" im Eigenbaukombinat Halle e.V. in der Landsberger Straße 3, sowie nach Vereinbarung an den Retrospieleabenden des Eigenbaukombinates . Mit einem sehr gut restaurierten originalen POLY-PLAY-Automaten aus DDR-Zeiten kann man übrigens auch noch spielen: Ebenfalls in Halle - im Rechenwerk, dem Computer- und Technikmuseum in der Saalfelder Straße 11.
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 24.11.2016 | 11:36   Melden
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