Zweimal Blaschke

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Franzisca, 1998 (Foto: Wolfgang Blaschke)
Halle (Saale): Galerie Zaglmaier |

Fotograf sorgt für neue Fotoschau und würdigt Malerei und Grafik seines Vaters Friedrich-Wilhelm Blaschke.

Aktfotografie ab Samstag (15:00 Uhr) in Halles Großer Steinstraße

„Was tut er da?“ wird sich so mancher gefragt haben, als er Wolfgang Blaschke auf dem Fahrrad in Richtung Güterbahnhof unterwegs sah. Ausgerüstet mit analogem Fotoapparat suchte der Künstler nach Motiven, wo kaum jemand sie vermutete. Das verwittertes und verrostetes Metall so interessant und schön sein kann, zeigen uns die Arbeiten der neuen Fotoausstellung des Leipziger Fotografen, der 1955 in Halle (Saale) geboren wurde. Schriftzüge bröckeln, Rostflecke bilden Landschaften wie Maler sie sehen. Blaschke schätzt das Experimentelle ja auch Zufällige in der Fotografie. Da kann es schon mal sein, dass er seine Negative kocht und die Bilder so aufbereitet, wie es nicht der Regel entspricht. Beeindruckend sind auch die Fotos, welche Blaschke mit der Lochkamera fertigte. Es ist eine kleine Holzkiste mit einer kleinen Öffnung, die er mit einem Negativ-Film oder gleich mit dem Fotopapier ausstattet. Die Belichtungszeit wird abgezählt. So entstehen malerische Fotografien als Unikate in Farbe oder Schwarz/Weiß. Im Zentrum der Ausstellung sind jedoch die Aktfotografien von Wolfgang Blaschke zu bewundern. Keine Bilder im Hochglanzformat, wie sie in einschlägigen Illustrierten zu sehen wären. Es sind ästhetische und einfühlsame Kunstwerke, welche die Freude am Tun beim Fotografieren spüren lassen.

Nachdem Wolfgang Blaschke in den 70er Jahren zunächst in Rostock Theologie studierte, war er einige Jahre als Krankenpfleger beschäftigt. Seit etwa Mitte der 80er Jahre setzte sich der Künstler mit Malerei und Fotografie auseinander, nahm Konsultationen an der Hochschule für Bildende Künste war. Später war Wolfgang Blaschke Gestaltungs- und Sozialtherapeut und fotografierte am Leipziger Theater. Seit 1994 ist der Künstler auch als Sozialarbeiter und Fotograf in Leipzig unterwegs. Wenn Wolfgang Blaschke von seiner Kindheit in Halle berichtet, so kommt er auf seine regelmäßigen Besuche im Atelier von Albert Ebert oder Otto Möhwald zu sprechen. Diese haben ihm mehr gegeben als die Zeit in der Schule. Seine Eltern sahen diese Bestrebungen wohlwollend und ließen Freiraum. Bemerkenswert, denn die Mutter war Lehrerin – kein Wunder der Vater war ein bekannter hallescher Maler. Und so ist es auch kein Wunder, dass Wolfgang Blaschke im Rahmen der Ausstellung in Halle auch Arbeiten seines Vaters präsentiert. Im Kabinett sind Gemälde und vor allem auch grafische Arbeiten von Friedrich-Wilhelm Blaschke zu sehen, dessen Arbeiten auch im Besitz der Galerie Moritzburg zu finden sind. Friedrich-Wilhelm Blaschke wurde 1920 in Breslau geboren und verstarb 2006 in Seeheim-Jugenheim. Nach dem Krieg war er am Institut für Denkmalpflege und auch als Dozent für Kunstgeschichte an der Burg Giebichenstein in Halle tätig. Blaschke pflegte in jener Zeit und in den Folgejahren intensive Verbindungen mit Carl Crodel, Herbert Stockmann, Karl Schmitt-Rottluff, Waldemar Grzimeck, Karl Müller, Gerhard Marcks und Otto Pankok. Weniger bekannt ist, dass Friedrich-Wilhelm Blaschke Gedichte schrieb. Auch diese und die dazugehörigen Zeichnungen sind im Kabinett zu lesen und anzusehen.

Die Eröffnung zu dieser Ausstellung, welche ich bereits jetzt empfehlen möchte, findet am kommenden Sonnabend um 15 Uhr in der Galerie Zaglmaier in der Großen Steinstraße 57 statt. Wir freuen uns, dass der Künstler Wolfgang Blaschke anwesend sein wird. T. O. Immisch wird eine Einführung zur Ausstellung geben. Wir freuen uns außerordentlich auf den angekündigten Vortrag von Ilona Blumenthal, welche im Rahmen der Ausstellungseröffnung Gedichte von Friedrich-Wilhelm Blaschke rezitieren wird.
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