ⒽⓂ Der getöpferte Kater ✎

  In einem Stadtteil von Halle, für dessen Namensgebung einst eine Kirche Pate stand und vor dessen meist aufwendig sanierten Gründerzeithäusern nicht enden wollende Autoschlangen parken, befindet sich in der Hardenbergstraße die Paulus Töpferei.

Vor dem kleinen Ladengeschäft, umrahmt von wildem Wein, lädt eine kleine Bank zum verweilen ein. Im großen Schaufenster, der im Souterrain liegenden Werkstatt, dösen Kater Carlo und sein Kumpel Lutz auf ihren Schlafdecken. Man muss unwillkürlich stehen bleiben, weil man das Gefühl hat, eine lebendig gewordenen Seite aus dem Märchenbuch anzuschauen. Steigt man die wenigen Stufen in den Laden hinab, eröffnet sich der Blick in die Nebenräume.
Zahlreiche Kännchen, Tassen, Krüge, Butterdosen und Tierfiguren, Gefäße der unterschiedlichsten Art, füllen die Regale. Unverkennbar ist die Liebe zum Tier, die sich in zahlreichen Motiven widerspiegelt. Getöpferte Katzen sitzen stolz in den obersten Regalen und im Nebenraum wartet andere Keramik, aus weiß brennendem Ton, auf das Ihnen zugedachte Motiv und die Glasur. Hat sich der Besucher im Laden umgesehen, dann steht er plötzlich dem „Paulus-Töpfer“ gegenüber... Mit weißem Haar, gelocktem Rauschebart, dunkelroter Arbeitskleidung und dem Charme eines Santa Claus.

Der Töpfermeister

Nach einer freundlichen Begrüßung kommt man schnell ins Gespräch mit Herrn René Kloth, dem Herr über alle diese irdenen Dinge, die in dem kleinen Lädchen ausgestellt sind. Die Kinder mögen ihn und nach Unterrichtsschluss freuen sie sich auf Süßes aus der Töpferei. Zwischen einem netten Hallo und einem kleinen Gespräch, wandert dann so mancher bunt eingewickelter Bonbon in den Mund und die Hosentasche. So wird die Paulustöpferei den Kindern wohl immer in guter Erinnerung bleiben. Darüber freut sich der Töpfermeister. Irgendwie ist auch er immer ein wenig Kind geblieben und deshalb gelingt ihm die Malerei der „Klothschen Originale“, auf den irdenen Ergebnissen seines Schaffens besonders gut.

Ein himmelblauer Trabant

Aufgewachsen in einem Dorf bei Stendal, interessierte er sich damals ganz besonders für die Imkerei. Regelmäßig kam ein Imkermeister mit seinem himmelblauen Trabant angeknattert und verriet dem Jungen alles über die Bienen und den Honig. Es kam sogar vor, dass er ihm ein Stück Honigwabe zum Ausschlecken schenkte. Diese Begegnungen hat er niemals vergessen.

Eine wichtige und alte Handwerkskunst

Über Umwege kam er im Jahr 1999 zur Töpferei und in die Stadt Halle. Damals führte er die Töpferwerkstatt noch zusammen mit seiner Lebenspartnerin. Doch seit vielen Jahren arbeitet er nun allein an der Töpferscheibe.
Das Töpfern ist eine alte und wichtige Handwerkskunst, die sich auch zu einem beliebten Hobby entwickelt hat. Deshalb bietet Herr Kloth auch Töpferkurse an, die bisher leider nur von wenigen Interessenten angenommen wurden. Da das Töpfern auch für pädagogische und therapeutische Zwecken eingesetzt wird, besucht Herr Kloth Schulen, um zusammen mit Kindern arbeiten zu können.
Kreatives Schaffen und Spielen gehören einfach zur Kindheit dazu und deshalb macht gerade Kindern das Formen und Modellieren des Tons viel Spaß und sie lernen dabei Wissenswertes über diesen wichtigen und natürlichen Werkstoff. Denn Ton gehört als eines der ältesten Werkstoffe zur Kulturgeschichte der Menschheit und ist über den gesamten Erdball verbreitet. Seine Bedeutung zeigt sich in der Vielfalt keramischer Erzeugnisse.

Ton aus Thüringen

Der freundliche Töpfermeister fährt regelmäßig nach Thüringen, um sich dort mit Ton zu versorgen. Die Glasur lässt er sich aus Meißen schicken. Für seine Fayancemalerei benutzt er Farben, die aus Metalloxiden bestehen. In der Werkstatt entsteht dann Keramik, die nach seiner Formgebung erst einige Tage austrocknen muss. Je nach Größe kann dieser Prozess dann zwischen 6 und 14 Tagen andauern. Danach wird geglättet, Unebenheiten werden verputzt und nun schließt sich der Schrühbrand – der erste Brand bei ca 960 °C an. Nachdem danach das Motiv aufgemalt wurde und die Glasur erfolgte, schließt sich der zweite Brand – der sogenannte Glattbrand bei ca 1200 °C an.

Dekorative und zweckmäßige Keramik

In Regalen aufgereiht warten dann die fertigen Stücke auf ihre Käufer, um in die Welt hinaus getragen zu werden. Das ist einer der schönsten Momente für den Meister, wenn die Menschen an seinen Werken Gefallen finden. Ein großer Arbeitsaufwand für dekorative, lustige aber auch zweckmäßige Dinge!

Zum Tag der offenen Töpferei am 11.03.2017 -12.03.2017 kann man in den Werkstätten und Ateliers, zwischen 10 und 18 Uhr wieder auf Entdeckungsreise gehen. Deutschlandweit beteiligen sich fast 600 Werkstätten, darunter erwartet auch die „Paulus Töpferei“ aus Halle/Saale neugierige Besucher. Also Herr Kloth, bis denne!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 27.03.2017
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1 Kommentar
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 12.03.2017 | 17:21   Melden
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