ⒽⓂ Wer war Ernst Kamieth, nach dem eine Straße in Halle/Saale benannt wurde? ⚒

Das Gebäude der ehemaligen Reichsbahndirektion Halle, errichtet für die Preußischen Staatsbahnen. Es steht an der Ernst-Kamieth-Straße (zwischen Maybachstraße und Buddestraße) in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Da die Betriebszentrale der DB AG nach nach Leipzig zog und das Gebäude in Halle aufgab, wurde es Hauptsitz des Landesverwaltungsamtes.
Das unter Denkmalschutz stehende gründerzeitliche Dienstgebäude der ehemaligen RBD Halle (Reichsbahndirektion) in der Ernst-Kamieth-Straße 2, wurde 1901–1902 unter Leitung der Architekten und preußischen Baubeamten Paul Thoemer und Eduard Fürstenau errichtet. 2007/08 wurde es zum Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt umgebaut.

Aber wer war eigentlich Ernst Kamieth?

In Berlin gab es eine Gedenktafel, deren Inschrift lautete:
„ Ernst Kamieth / In Ausübung seines Dienstes / von Neofaschisten am 7.11.1951 ermordet.“ Sie existiert jedoch nicht mehr.
Man muss wissen, dass Ernst Kamieth in einer Zeit lebte, die geprägt war von antikommunistischer Hysterie, Arbeitslosigkeit, Preistreiberei und Wohnungsnot. Ernst Reuters war damals Bürgermeister von West-Berlin, wurde aber von der Alliierten Kommandantur nicht anerkannt. Die Viersektorenstadt Berlin war in jenen Tagen geprägt von der Konkurrenz zwischen SPD und der in der Sowjetischen Besatzungszone entstandenen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Reuter war offen gegen Beschränkungen der alliierten Politik und geriet somit ins Visier der sowjetischen Besatzungsmacht – sie verlangte Reuters Absetzung. Dieser arbeitete schließlich immer mehr mit den Westmächten zusammen und forderte die Berliner auf, sich nicht dem sowjetischen Herrschaftsanspruch zu fügen. Reuter machte aus seiner grundsätzlichen Ablehnung des Kommunismus nie einen Hehl, seit er 1922 aus der KPD ausgeschlossen worden war.

Deutsche Reichsbahn

Nach Meinung der DDR-Regierung gehörte die Reichsbahn in West-Berlin zur DDR und unterlag den in der DDR gültigen Rechtsnormen und Gesetzen. Dem Senat von Westberlin war das ein Dorn im Auge. Denn das Eisenbahnnetz stellte eine Art „exterritoriales Gebiet des Kommunismus“ dar. In dieser Zeit war Ernst Kamieth bis zu seinem Tode als Dienststellenleiter auf dem Potsdamer Güterbahnhof in Westberlin tätig.

Das Einsatzkomando

Zur Feier des 34. Jahrestag der Oktoberrevolution wurden die Diensträume des Bahnbetriebswerkes von einem Polizeikommando aus Berlin West nach kommunistischem Propagandamaterial durchsucht. Das an diesem Tag durch polizeiliche Brutalität schließlich das Leben von Ernst Kamieth ausgelöscht werden würde, ahnte der damals 55 Jahre alte Leiter der Reichsbahndienststelle des Bahnbetriebs Wagenwerkes (Bww) nicht. Beim Dienstantritt traf er nun auf das Polizeikommando, welches unter der Leitung eines Herrn Zunker stand und mit der Durchsuchung beauftragt war.
Erschrocken fragte er nach: „Was wollen Sie denn hier?“ Polizist Zunker beantwortete seine Frage mit einem brutalen Schlag ins Gesicht.

Aussage in der "westberliner info" Nummer 4/88

Laut dieser Info wurde Kamieth von Zunker bewusstlos geschlagen und verstarb. Es gibt aber auch andere Aussagen die belegen, dass Kamieth erst auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Sein Tod steht, wie der Gerichtsmediziner Prof. Dr. Anders nach einer in der Charité durchgeführten Autopsie feststellte, in ursächlichem Zusammenhang mit Zunkers Gewalttat.

Ernst Kamieth, Opfer des kalten Krieges

Seine Tötung am 7.11.1951 wurde exemplarisch für ein staatsterroristisches Klima angesehen. Für die DDR Führung war er ein Opfer des kalten Krieges!
Zur Beisetzung von Kamieth auf dem auf dem Matthäi-Friedhof, folgten dem Trauerzug fast 30.000 Menschen, vor allem Eisenbahner die in Uniform ihrem getöteten Kollegen das letzte Geleit gaben. Doch ab dem Potsdamer Platz hatte der Senat von Berlin (West) ein großes Polizeiaufgebot aufmarschieren lassen, um die Trauernden einzuschüchtern!

Ein leeres Grab

Als Frau Kamieth eines Morgens das Grab ihres Mannes aufsuchte, war es zu ihrem großen Entsetzen leer. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte man es geöffnet, um die sterblichen Überreste ihres Mannes zu exhumieren. Diese Tat geschah natürlich ohne Wissen und Genehmigung der Angehörigen. Ziel und Zweck jener geheimnisvollen nächtlichen Aktion war es gewesen, mittels erneuter Autopsie das Gutachten von Prof. Anders zu widerlegen, was jedoch nicht gelang.

Im Internet habe ich nur spärliche Informationen über ihn finden können. Nur ein Spiegel Artikel aus dem Jahr 1952 und einen Artikel aus der UNZ-Verlagsgesellschaft mbH Thüringen, die nicht unbedingt deckungsgleich sind…



Schlau[gemeiert]gelesen auf eingefügten Links von Monika Habermann
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7 Kommentare
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Ralf Springer aus Aschersleben | 02.01.2017 | 20:45   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 03.01.2017 | 07:12   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 03.01.2017 | 07:42   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 03.01.2017 | 07:58   Melden
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Lothar Teschner aus Merseburg | 03.01.2017 | 07:59   Melden
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Ralf Springer aus Aschersleben | 03.01.2017 | 08:03   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 03.01.2017 | 08:08   Melden
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