17. Juni 1953

Halle (Saale): Hallmarkt | Gedenkveranstaltung im Roten Ochsen

Dr. Gursky, Gedenkstätte "Roter Ochse" Worte des Gedenken des OB und Herrn Stäglin – Beigeordneter für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Halle (Saale)
Nikolas POPPE (MLU) hält aus seiner Bachelorarbeit „Die Strafverfolgung im Kontext des 17. Juni 1953“ einen 20 minütigen Kurzvortrag. Nikolas Poppe: " der Frage gewidmet, ob und wenn ja, wie in dem für den Ostblock wichtigem Jahr (Stalin starb im März) eine deutliche Veränderungen der staatlichen Repression spürbar wurde und konkret, ob man sie noch als totalitär bezeichnen kann. Der 17. Juni lag zeitlich sehr nah an Stalins Tod und ging mit zahlreichen, meist willkürlichen, Verhaftungen einher. Deshalb schien mir dieses Ereignis als Untersuchungsgegenstand gut geeignet zu sein. Theoretisch gehe ich in der Arbeit auf Hannah Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ein. " ...."Das Ganze habe ich aus pragmatischen Gründen auf den Aufstand in Halle bezogen und mir in der örtlichen Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde Akten von Akteuren des Aufstandes angesehen, die ich nach den Kriterien der totalitären Geheimpolizei und dem bei Arendt beschriebenen objektiven Gegner ausgewertet habe".

17. Juni 1953, unvergessen! 10:00 Uhr "Roter Ochse"

Einer der historischen Tage im Kalender der deutschen Nachkriegszeit ist zweifelsohne der

17. Juni 1953.

Forderungen nach freien Wahlen, Vereinigung durch Freiheit, Rücknahme der erhöhten Arbeitsnorm, bessere Lebensbedingungen, wurden immer lauter. Die prekären Bedingungen der Bevölkerung resultierten aus den 11 % Ausgaben für Rüstung und die 16 % Reparationszahlungen, diese Summen fehlten im Haushalt. Junge Männer wurden eingezogen und taten Dienst an der Waffe. Es gab Steuererhöhungen, Stromsperren und auf dem Land Enteignungen. (1 kg Zucker kostete 12 Mark, 1 St. Butter 24 Mark bei etwa 380 Mark Monatslohn)

Seit März 1953, Stalins Tod, schwelte und gärte es in Halle (Saale) und nicht nur hier, im ganzen Land kam es zu Diskussionen, Arbeitsniederlegungen, Protestmärschen und Streiks. Die Führung der SED - Riege beschloss u.a. eine Erhöhung der Arbeitsnorm um 10 %, bei gleichem Lohn, das bedeutete große Lohneinbußen. Bei und nach Protestmärschen und Demonstrationen kam es zu Gefangenenbefreiungen, Brandschatzung in Objekten der Polizei und Stasi, und es würde geplündert.

Am 17. Juni 1953, 7:30 Uhr kam es am Hallischen Bahnhof, Schmalspur und D-Zugbau, zu Diskussionen, ersten Arbeitsniederlegungen und zum Streik

. Viele Arbeiter und Angestellte aus anderen Fabriken schlossen an. Aus einer Handvoll wurden Hunderte, Tausende und schnelle in Flächenbrand, ein Volksaufstand. Zehntausende reihten sich in den Protest ein. Inzwischen befreiten Streikende mehrere Hundert Häftlinge aus dem „Roten Ochsen“ und der „Untersuchungshaftanstalt“. Der erste Arbeiter brach

13:30 Uhr im Kugelhagel

der Wachmannschaft der Untersuchungsanstalt zusammen und blieb schwerverletzt liegen. Dreh- und Angelpunkt war der Hallmarkt, dort wurde

14:00 Uhr das „Zentrale Streikkomitee“ u.a. mit Herbert Gohlke und Rudolf Weber gewählt. 14:50 Erschießung zwei Arbeiter vor dem „Roten Ochsen“

und

15:15 Uhr standen die ersten sowjetischen T-34 Panzer

auf dem Markt. Etwa 60 000 Arbeiter und Angestellte folgten dem Aufruf und nahmen an der Massendemonstration um

18:00 Uhr auf dem Hallmarkt

teil, um die Forderungen nochmals zu bekräftigen.

18:30 Uhr der Ausnahmezustand

wurde auf Flugblättern verbreitet, 18:45 Uhr Auflösung der Großdemonstration,

21:00 Uhr die Massenverhaftungen

beginnen, jeder der sich auf der Straße aufhält wird verhaftet,

21:30 Ausnahmeganzsperre beginnt

, die erst nach Wochen aufgehoben wird.

Ich hörte von einer ehemaligen Kollegin dass, - ihre Mutter, eine Verkäuferin, im Laden eingeschlossen wurden und mit heruntergelassenen Rolläden eingeschüchert warteten bis die Demo vorbei war.

Die Streiks gingen weiter, die Schkopauer, die Buna-Werke, streikten vom 15.-.17. Juli 1953.

Die großangelegte Säuberungsaktion dauerte bis 1955 und reichte weit in die Sowjetunion hinein. Verhaftet wurden 12.000 Menschen, nicht nur Arbeiter, Gewerkschafter, Angestellte, auch Mitgliedern der CDU, der LDPD, auch Mitglieder der SED selbst. Der Volksaufstand wurde als reaktionärer Putsch und faschistische Provokation deklariert.
Die Streikenden, als Faschisten und Putschisten verleumdet, manche ohne Verhandlung und Verteidigung vor Stangerichten verurteilt. Urteile bis zu 25 Jahre Haft im GULAG am nördlich des Polarkreises, in Workuta, waren keine Seltenheit. Viele Menschen überlebten diese unmenschlichen Bedienungen nicht, Urteile von 1-3 Jahre Haft waren eher eine Seltenheit. Die „Blutige Hilde“ , Hilde Benjamin, sprach einige Todesurteile aus. Die Beratung zur Urteilsverkündung dauerten meist nur Minuten. Rehabilitation vieler Verurteilten erfolgte erst nach der Wende, jetzt erinnern Straßen an die Hingerichteten. Die aufgearbeiteten Unterlagen belegen bis zu diesem Zeitpunkt Streiks in 701 Städten und Dörfern mit Aktionen gegen die sowj. Kommentatoren und SED-Regierungs-einrichtungen. Aufarbeitung und Nachforschungen ergaben, dass Urteile gegen 1526 Menschen ausgesprochen wurden, die Hallenserin Erna Dorn und Ernst Jennrich aus Dresden kamen unter das Fallbeil. 55 Menschen getötet, auch bei der Polizei und Wachmannschaft, und 20 Menschen mit ungeklärter Todesursache.

Schon lange wird die

Öffnung der KGB –Archive in Moskau

für wissenschaftliche Nachforschungen gefordert. Die Klärung vieler Schicksale der Verurteilten !!!!!!
Unvergessen sind die Getöteten, die langjährig Verurteilten und auch die Befehlsverweigerer in der sowjetischen Armee selbst.
Die „Säuberungsaktionen“ dauerten bis 1955 an und reichten bis in die Sowjetunion hinein.

Der Volksaufstand erreichte u.a. verstärkten Wohnungsbau, 40 Mio. Mark Investition in Kitas und Feierabendheime, die Anhebung der Mindest- und Witwenrente um 10 Mark, die Stromabschaltungen wurden aufgehoben und 30 Mio. Mark zusätzlich für sanitäre Einrichtungen in VEBs. u.a.

Streiks: An 12. Juni protestierten Arbeiter für die Freilassung eines Unternehmers in Brandenburg. 13. - 16. Mai Streik in der Eisen- und Stahlgießerei in Leipzig 16. Juni 1953 begann Bauarbeiter der Stalin Allee in Berlin mit Spruchbändern zu demonstrieren, und zum Haus der Ministerien zu marschiere, fordern freie Wahlen, Stahl- und Walzwerker aus Henningsdorf demonstrierten ebenfalls

Quellen:
www.bstu.bund.de
www.zeit-geschichten.de
http://www.bpb.de/apuz/27597/die-nationale-dimensi... Karl Wilhelm Fricke
http://www.spiegel.de/einestages/die-toten-vom-17-...
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2 Kommentare
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 15.06.2017 | 13:36   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 16.06.2017 | 12:11   Melden
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