August Hermann Franke - Er vertraute Gott -

  Halle (Saale): Frankesche Stiftung | Welcher Hallenser kennst sie nicht?
Viele Bücher wurde schon über diese Schulstadt geschrieben,
wie wäre es mal mit einem Film? Halliwood, braucht die Welt!

Franke traf im Januar 1692 in Glaucha ein, um dort einer neuen Gemeinde vorzustehen. Es bot sich allerdings ein Bild des Schreckens, Kinder zogen täglich bettelnd umher, wuchsen ohne Bildung und Glauben auf, Verwahrlosung herrschte an jeder Ecke... die Pest und die Folgen vom 30-jährigen Kriegs waren noch nicht überwunden. In Glaucha öffneten etwa 40 Spelunken ihre Pforten um Branntwein aus zuschenken. Die umliegenden Ländereien dieser Kleinstadt gehörten schon seit Jahrhunderten zum Kloster Neuwerk, so gab es kaum Land zu pachten.... Zur Bewirtschaftung wurden einige Leutchen eingestellt und so wurde Glaucha offiziell erlaubt Branntwein herzustellen und zuverkaufen.
Franke hatte die Lösung, er organisierte eine Armenspeisung, wer zu seinen Predigten kam, erhielt eine Mahlzeit und später auch Medizin, die manchmal sofort weiter verkauft wurde. Seine Predigten/ Gespräche trafen den richtigen Nerv und als er eine anonyme Spende von 4 Thalern und 16 Groschen erhielt, kaufte er Land, baute ein Waisenhaus aus dem sich diese unvergleichliche Schulstadt entwickelte. Es strahlt einfach Bildung aus.
Grundsteinlegung: 1698 und Eröffnung: 1700
Die Hallenser mukierten, das dies "ein Palast und kein Waisenhaus" wäre. Das Waisenheim platzte bald aus allen Nähten, es wurde gebaut und mehr Land erworben, bald gab es Buchdruckereien, die Medizinexpedition - mit dem Goldwasser das bis 1964 verkauft wurde-, eine Bäckerei, sogar Mädchen erhielten Unterricht und eine Ausbildung, 1710 eröfffnete das Canstein Bibel Institut,...
Der Renner war allerdings die handlichen Bibeln, die der Druckerei aus den Händen gerissen worden. Die Anstalt lag ja genau an der Salzstraße, Kaufleute und deren Helfer brauchten/ kauften Bibeln und natürlich auch Medizin für die langen Fahrten. Bald kamen auch zahlende Schüler aus begüterden Familien und Spendengelder erreichten die Stiftung sogar die Britische Königin Anne (1665 -1714) öffnete ihre Schatulle und bald zogen auch englische Schüler ein.
Hier öffnete das erste Kinderkrankenhaus Deutschlands, für Kost, Logis und einer Referenz kurierten Medizinstudenten die Kinder. Es entstand die erste Kulissenbücherei und eine Wunderkammer eröffnete, mit viele ungewöhnliche Objekte aus fernen Ländern. Die Kinder waren in der Lage diese Objekte genau zu untersuchen. Franke schrieb an Jeden der zu einer Expedition aufbrach und viele sendeten der Anstalt exotische Objekte, diese Barocke Wunderkammer ist einer der Höhepunkte des Besuchs.
Die Schüler hatten einen straffen Tagesablauf, beten, lernen, den jüngeren Kindern helfen, Garten- oder Feldarbeit erledigen, Wäschewaschen, Brot backen, es gab kein Müßiggang. Franke hatte auch alle Hände voll zutun, war Manager der Stiftung, Pfarrer in St. Georgen und St. Ulrich, lehrte an der Uni und hatte natürlich auch ein Familienleben. Für legitime Kinder gab es schon eine Art Berufsberatung, sie zogen an manchen Nachmittagen in die Stadt und sahen bei den Handwerkern vorbei, um deren Tätigkeiten genau unter die Lupe zunehmen, denn nicht alle gingen zur Uni. Für die illegitimen Kinder blieb meist nur eine Stelle als Haushaltgehilfe/in, in manchen Fällen erhielten clevere Kinder ein Stipendium. Die gute Ausbildung sprach sich herum und die Absolventen dieser Stiftung waren gerngesehene Mitarbeiter in Ministerien, da es eine Wandlung in der Gesellschaft gab und diese Ämter nIcht länger in den Händen unkompetender Adliger lagen.
Natürlich gab es auch Kritiker die meinten, die Kinder hätten keine Zeit um sich selbst zu entfalten (wer kann das schon) und waren unter ständiger Beobachtung, auch mußte Christian Wolff (1679 - 1754) auf sein Betreiben Halle (Saale) verlassen. Es zog die Pietisten hinaus in die weite Welt. Der Vater (Henry Melchior) des ersten Sprechers des amerikanischen Repräsenatenhauses, Frederik Mühlenberg, kam aus der Frankeschen Stiftung.
Am 20. - 21. Juni 2015 feiern Hallenser und Freunde das Lindenblütenfest.
Die Schulstadt ist in einer Gruppe mit einem Herumführer oder allein mit Audioguide zu besichtigen. Die ersten Herumführer waren die kleinen Waisen/ Studenten die interessierten Besuchern das Gelände zeigten. Im Gelände findet der Spaziergänger ein kleines Cafe.
Paul Raabe tat unglaublich viel für diese Stiftung, der er von 1992-2000 als Direktor vorstand und am 5. Juli 2013 verstarb, und natürlich die Hilfe Herrn Genschers sollte nicht vergessen sein.

Noch einiges interessante: Am Frankeplatz 5, der heutige Buchladen, war das berühmt berüchtigtes Gasthaus, "Raubschiff", dort blühte der Schmuggel.
1704/5 erwarb es A. H. Franke um dort seine Latina-Schüler unterzubringen, sowie ein Damenstift und um weitere Klassen zu halten.
Der Gasthof "Goldene Rose" am Frankeplatz 2 wurde sein Wohnhaus, die erste Waisenhausklasse wurde dort gehalten. Franke pachtete es im Mai 1697 um es 1714 zu kaufen, mit dem Garten für die Medikamentenexpedition. Natürlich gab es auch finanzielle Durststrecken, er vertraute Gott und irgendwie trafen wieder Spenden ein und es ging weiter.

Die Frankesche Stiftung bewarb sich um für die Aufnahme in die UNESCO. http://www.francke-halle.de/
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1 Kommentar
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 24.02.2015 | 20:44   Melden
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