Aus der Heimatgeschichte : Dr. Heinrich Schotten – ein Leben für die Pädagogik

Dr. Heinrich Schotten (1856-1939)
 
Das Gebäude der Sekundarschule "Johann Christian Reil" in Halle (Saale) - erbaut von 1905-1908 für die Städtische Oberrealschule zu Halle
Halle (Saale): Reilschule | Am 03.07. 1856 wurde Heinrich Georg Leonhard Schotten als Sohn des Marburger Universitäts-Syndikus Carl Friedrich Heinrich Schotten (1821-1855) geboren.
Bis 1872 besuchte der junge Heinrich das Marburger Stadtgymnasium und anschließend das Leipziger Gymnasium St. Nikolai, wo er im Jahre 1876 seine Reifeprüfung machte. Das anschließende Studium führte ihn über Leipzig, Breslau, Berlin wieder nach Marburg. 1882 legte Heinrich Schotten die Staatsprüfung ab und promovierte ein Jahr später an der Philosophischen Fakultät zum Doktor phil. Im selben Jahr verlobte er sich mit der Tochter eines Regierungsrates in Kassel. Helene Marie (Helma) wird zeitlebens seine Ehefrau bleiben.
Das Probejahr absolvierte er in Kassel; später wurde er nach Herzfeld, Schmalkalden sowie wieder nach Kassel versetzt. Bereits zu dieser Zeit veröffentlichte Schotten Schriften über den Mathematikunterricht, vor allem zur Geometrie. Im Jahre 1890 erschien der erste Band des Werkes „Inhalt und Methode des planimetrischen Unterrichts“. Ein zweiter Band folgte 1893. Weitere Schriften von ihm befassten sich mit dem Koordinatenbegriff und der analytischen Geometrie der Kegelschnitte sowie mit der Geschichte des Mathematikunterrichts in Deutschland.
Im Oktober 1894 wurde Dr. Heinrich Schotten zum Mitglied der Kaiserlichen Leopoldinisch Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) zu Halle ernannt (Matrikel-Nummer: 3040). Vom Königlichen Friedrichs-Gymnasium in Kassel führte sein Weg schließlich direkt nach Halle. Im Jahre 1896 übernahm er die Leitung der Städtischen Oberrealschule (damals noch im Gebäude des Realgymnasiums).
In der Saalestadt wurde er, wie viele andere bekannte Wissenschaftler und Künstler, am 5.2.1897 in die hallesche Freimaurerloge „zu den drei Degen“ aufgenommen, war Mitglied der Großen National- Mutterloge „zu den drei Weltkugeln“. Als Freimaurer trat er für Toleranz und für Humanität ein.
Des Weiteren setzte er sich für eine um 1900 noch verpönte Form der Bestattung ein, der Feuerbestattung, war Gründungsmitglied des Halleschen Feuerbestattungsvereins seit 1908 (Gertraudenfriedhof).
Als Mitglied des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts seit 1890/91, der Deutschen Unterrichts-Kommission ab 1904 und weiterer Gremien traf er sich regelmäßig mit führenden Mathematikern aus Leipzig und Halle, unter ihnen –neben Schotten-auch Cantor und Hausdorff. Auf einem „mathematischen Kränzchen“ diskutierten sie aktuelle Unterrichtsmethoden oder mathematische Ansätze. Cantor und Hausdorff nahmen am 1.internationalen Mathematiker- Kongress in Zürich teil und konnten so die neuesten Informationen übermitteln. Auf dem IV. Mathematiker- Kongress in Rom, Ostern 1908, wurde eine Internationale Mathematische Unterrichtskommission gegründet (I.M.U.K.). Dr. H. Schotten gab eine Zeitschrift für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht heraus, in der er die neuen Erkenntnisse veröffentlichte. Der deutschen Kommission gehörten weiterhin an: Professor A. Gutzmer (Halle), Prof. F. Posker (Friedenau - Berlin), Prof. A. Thaer (Hamburg).

Dr. Heinrich Schotten führte die Städtische Oberrealschule zu Halle insgesamt 25 Jahre: Er bewältigte die Aufgaben um den Bau eines neuen Gebäudes in der Staudestraße (heute Ernst-Schneller-Straße in Halle), den Einzug in das Schulgebäude für die höhere Jungenschule am 25.4.1908. Er erlebte als Schulleiter die Jahre des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik. Im Jahre 1921, mit 65 Jahren, trat er in den Ruhestand. Er blieb seiner Schule immer eng verbunden, schenkte der Schulbibliothek wertvolle Bücher.
Noch am 16.Februar 1926 hielt er an der Leopoldina einen Vortrag über den Arzt Christian Andreas (Friedrich) Cothenius.
Im Jahre 1938 zog er –erkrankt- zu seinen Kindern nach Berlin. Hier verstarb er am 18.Februar 1939. Seine Urne wurde auf dem Gertraudenfriedhof in Halle am 4.März 1939 beigesetzt.
Dr. Heinrich Schotten war ein verdienstvoller Pädagoge, der sich zeit seines Lebens dafür einsetzte, den Unterricht vielfältig und praxisnah zu gestalten. Er formulierte einmal treffend: „Wir wissen jetzt, dass die Pädagogik eine Kunst, ja eine Lehre ist.“ An der Sekundarschule „Johann Christian Reil“ wird regelmäßig an seine Vorstellungen und Erkenntnisse erinnert.

Manfred Drobny
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 11.07.2016 | 13:00   Melden
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