Aus der Heimatgeschichte: Vor 150 Jahren wurde Carl Rehorst geboren

Das Gebäude der Städtischen Oberrealschule in Halle auf einer Postkarte von 1908 -heute beherbergt das Gebäude die Sekundarschule "Johann Christian Reil"
 
Das Gebäude der Reilschule im Jahre 2016
Halle (Saale): Marktplatz | Am 12.Oktober 1866 wurde Friedrich Carl Albert Rehorst in Schlüchtern (Hessen) als Sohn eines Eisenbahnunternehmers geboren. Nach dem Besuch des königlichen Gymnasiums in Dillenburg ging er 1887 nach München, um Bauwesen zu studieren. Im Wintersemester 188/1889 wechselte er an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg, wo Professor Carl Schäfer großen Einfluss auf den jungen Rehorst ausübte. Nach dem erfolgreichen Studium erhielt Rehorst eine Stelle als Regierungsbauführer in der Bauverwaltung in Wiesbaden. Weitere Stationen seiner Ausbildung waren Rüdesheim und Berlin, bevor er 1897 seine zweite Staatsprüfung erfolgreich ablegen konnte. Er wurde Regierungsbaumeister in Berlin und reiste 1898 für mehrere Monate nach Italien.

Im Jahre 1899 bewarb er sich für die Stelle als Stadtbauinspektor in Halle - am 15.März 1899 trat er seinen Dienst in der Saalestadt an. Mit seiner Familie wohnte er in der Lafontainestraße. Er bewarb sich auch erfolgreich für den Posten des Stadtbaurates, stieß aber bald an die ihm gesetzten bürokratischen Grenzen, weswegen er 1906 um seine Entlassung bat. Als Landbaurat und Provinzialkonservator der Provinz Sachsen mit Sitz in Merseburg setzte er sich sehr stark für die Denkmalspflege ein. Im Jahre 1907 trat er die Stelle des technischen Beigeordneten der Stadt Köln an. Seine Projekte erhielten 1910 auf Städtebauausstellungen in Düsseldorf und Berlin große Beachtung und Zustimmung. Im Jahre 1912 trat er dem Deutschen Werkbund bei und holte die Werkbundausstellung 1914 nach Köln. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden jedoch viele Projekte hinfällig, die Werkbundhallen zu Lazaretten umfunktioniert.
Rehorst meldete sich freiwillig an die Front, bemühte sich ab 1917 als Generalsachverständiger für die Denkmalspflege in der Zivilverwaltung Flandern um den Wiederaufbau der zerstörten Orte und Baudenkmale in Belgien.
Er starb am 21.Januar 1919 in Folge einer Grippeepidemie in Köln.

Rehorst war nur 6 Jahre in Halle tätig, aber sein Wirken hat zahlreiche Spuren hinterlassen, die hier wenigstens teilweise erwähnt werden sollen. Vor allem seine Schulbauten, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und zukunftsweisend geplant, prägen das Stadtbild bis heute. Er entwarf die Baupläne für fünf Schulen: Die Städtische Oberrealschule (1905-1908 erbaut), die Mittelschulen in der Torstraße (1903-1905) und in der Friedenstraße (1901-1903) sowie die beiden Volksschulen in der Freiimfelder Straße und der Huttenstraße. Auch für die Erweiterungsbauten der Volksschule in der Liebenauer Straße sowie der Höheren Töchterschule am Weideplan war er verantwortlich. Er ergänzte die Planungen seines Vorgängers zur Handwerkerschule (Gutjahrschule), deren Bau 1901 übergeben werden konnte. Außerdem setzte er sich für ein Kunstgewerbemuseum in der Moritzburg ein, das auf den Grundmauern eines Wirtschaftsgebäudes an der Südseite der Burg errichtet wurde.
Zahlreiche weitere bauliche Maßnahmen beispielsweise zur Verbesserung der Hygiene in der Stadt (Bau von Bedürfnisanstalten an zentralen Plätzen der Stadt) , der Müllentsorgung , der Bau eines Obdachlosenasyls sowie die Erweiterung der städtischen Gasanstalt sind nur einige Projekte des Stadtbaurats Carl Rehorst , die dazu beitrugen, dass sich die Saalestadt zu einer modernen Großstadt entwickeln konnte.

Manfred Drobny
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 12.10.2016
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 13.10.2016 | 10:27   Melden
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