BSV Sachsen fordert Länderkommissionen zu DDR-Medikamententests

Der Bund der stalinistisch Verfolgten (BSV) fordert unabhängige Untersuchungskommissionen der Länder zu den Medikamententests westlicher Pharmakonzerne in der DDR. Medienberichten zufolge dienten in der DDR etwa 50.000 Menschen in rund 600 Kliniken als Testpatienten, etwa für Chemotherapie-Mittel und Herzmedikamente, oft ohne es zu wissen.
DRESDEN - Der sächsische Bund der stalinistisch Verfolgten (BSV) fordert unabhängige Untersuchungskommissionen der Länder zu den Medikamententests westlicher Pharmakonzerne in der DDR. «Wir sind dagegen, dass die betreffenden Einrichtungen selbst dieses Kapitel aufarbeiten, das widerspräche wissenschaftlichen Grundsätzen der Unabhängigkeit», erklärte der Vizevorsitzende des BSV Sachsen, Volkhard Fuchs, am Dienstag in Dresden.

Westliche Firmen sollen in DDR-Kliniken hunderte Medikamentenstudien in Auftrag gegeben haben, darunter auch zahlreiche in Mitteldeutschland. Nach bisheriger Aktenlage kamen während der Tests mehrere Menschen zu Tode. Ob es einen Zusammenhang mit den Versuchsreihen gab, steht aber noch nicht fest. Die beteiligten westlichen Pharmakonzerne und die Rechtsnachfolger der ostdeutschen Krankenhäuser müssten zur Verantwortung gezogen werden, forderte Fuchs. Immerhin seien ahnungslose Patienten offenbar systematisch zu Testzwecken schamlos missbraucht worden, damit harte Devisen in die klamme DDR-Staatskasse kommen. Politische Häftlinge der DDR berichteten seit langem, dass sie im Gefängnis Medikamente nehmen mussten. Auch dies sollte nun endlich aufgeklärt werden, forderte Fuchs weiter. Das sächsische Gesundheitsministerium müsse handeln. Es müsse geklärt werden, wer und wo geschädigt wurde, um Schadenersatzansprüche geltend machen zu können.

Medienberichten zufolge dienten in der DDR etwa 50.000 Menschen in rund 600 Kliniken als Testpatienten, etwa für Chemotherapie-Mittel und Herzmedikamente, oft ohne es zu wissen. Den Berichten zufolge boten die Hersteller bis zu 800.000 D-Mark pro Studie an. Manager der West-Berliner Schering AG sollen der Charité sogar ein Testvolumen von jährlich sechs Millionen D-Mark zugesagt haben.
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